Großer besiegt den kleinen Bruder

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HSG Wetzlar spielt in Osthalle klug und deckt ordentlich, TV Hüttenberg macht zu viele Fehler

In der Sporthalle Gießen Ost herrschte am gestrigen Freitagabend lediglich in der Halbzeitpause Karnevalsstimmung, ansonsten beschränkte sich der sportliche und atmosphärische Inhalt auf intensivstem Derbycharakter - schließlich haben Fans und Interessierte schon jahrelang auf das Aufeinandertreffen des TV Hüttenberg und der HSG Wetzlar im Punkterahmen gewartet. Abschließend besiegte doch der „große den kleinen Bruder“ mit 26:22 (13:11), wie es Jan Gorr, Trainer des TVH, treffend formulierte.

 

„Letztlich waren es dann doch die individuelle Klasse der Wetzlarer und unsere vielen technischen Fehler, die den Ausschlag gegeben haben“, argumentierte der 33-Jährige weiter.

Die erste Hälfte startete ausgeglichen mit viel Nervosität und Anspannung auf beiden Seiten, sowie mit einem schwarzen Ende für die Hausherren, die eigentlich ständig knapp die Nase vorn hatten und schlussendlich doch mit 11:13 den Kabinengang antreten mussten. Noch etwas ungeordnet aus den Vorbereitungen gekommen, fand sich Kari Kristjan Kristjansson in der ersten Minute plötzlich vollkommen frei am Kreis wieder und drehte das Spielgerät an TVH-Keeper Jan-Steffen Redwitz vorbei, der für den im Abschlusstraining verletzten Milos Putera zwischen die Pfosten kam. Danach war allerdings spielerisch auf beiden Seiten erst mal Schicht - zu groß war offensichtlich der Respekt voreinander, zu gehemmt die Antriebsmotoren. Nach einem symbolisch fehleingeschätzten Gegenstoßpass von Redwitz auf Florian Billek nutzte HSG-Linksaußen Kevin Schmidt die Gunst der Stunde und markierte das 4:2 zugunsten der Grün-Weißen (12.). Doch ab diesem Moment drehte sich das Spiel in Richtung der Gastgeber, die in der Folge eine 4:0-Serie aufs Parkett legten, gekrönt durch das 6:4 durch den starken Florian Laudt in der 15. Spielminute. Gerade der Wetzlarer Halbrechte Daniel Valo war zu dieser Zeit noch überhaupt nicht in seinem Element und machte mit seinen zahlreichen Wurfversuchen eher Jagd auf das Fangnetz, denn auf das Gehäuse der Hausherren.

Hitzige Auseinandersetzungen gab es unterdessen nicht nur unter den teils aufgebrachten Zuschauern zu beobachten, sondern auch kleinere Sticheleien auf dem Parkett schienen an der Tagesordnung. Entsprechend holprig zeigte sich stellenweise auch der Spielverlauf, wobei der Grün-Weiße Tobias Hahn in der 22. Minute mit dem 8:8 egalisierte. Die Endphase des ersten Durchgangs gehörte wieder den Städtern, die nach einer weiteren Hüttenberger Führung (10:8, 25.), angetrieben durch den starken Timo Salzer, deutlich konzentrierter zurückkehrten und mit einem Strafwurf zum Pausenpfiff auf 13:11 enteilten.

„Nach der Pause sind wir wie im Schlaf aus den Kabinen gekommen, da hat man gesehen, wer hier kämpft und wer nicht“, erklärte ein verärgerter „Flo“ Billek, der dabei auf die Startphase seiner Mannschaft in die zweiten 30 Minuten anspielte, in der aufseiten der nach Gießen umgezogenen Heimmannschaft gar nichts ging. Insbesondere ein Unterzahlspiel zwischen der 37. und 39. Spielminute brach dem TV Hüttenberg förmlich das Genick, denn dort wirkte der Bundesligaaufsteiger kopflos und auch nicht mit der richtigen Einstellung anwesend.

Wetzlar war hingegen längst wieder auf professionellem Niveau angekommen und antwortete auf diese Schwächephase mit drei Treffern in Folge. Die 18:12-Führung für die HSG verwandelte Hahn in der 39. Minute. Die Lichter schienen bereits beinahe wie ausgeschossen, als sich der TVH doch noch mal aufbäumte und Billek auf 18:21 verkürzte (46.). Der charismatische Außenspieler heizte einmal mehr das Publikum an, doch für eine sensationelle Wendung reichte das Ganze nicht mehr, auch weil sich die Gastgeber zu oft in technischen Fehlern verstrickten. Für die letzten sieben Minuten brachte Gorr nochmals Timm Schneider als womöglich letzten Trumpf, doch ein parierter Strafwurf durch HSG-Hintermann Niko Weber beim Stand von 20:24 setzte bereits die Vorentscheidung für dieses Mittelhessen-Derby.

„Wir wussten, dass Hüttenberg eine Revanche für das Hinspiel will, doch gegen die aggressive Abwehr haben wir klug gespielt und selber sehr ordentlich gedeckt“, fasste HSG-Chefcoach Gennadij Chalepo abschließend zusammen.

Patrick Olbrich