Grün-Weiße bauen auf Fans

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300 Anhänger begleiten die HSG Wetzlar zur MT Melsungen

Bei der MT Melsungen haben sie in der Bundesliga noch nie gewonnen. Ein mickriges Unentschieden steht für die Handballer der HSG Wetzlar in sechs Duellen zu Buche. Klar, dass die längst mitten im Abstiegskampf steckenden Grün-Weißen diese Serie am Sonntag (Anwurf: 18 Uhr) gerne beenden wollen. Helfen sollen rund 300 Fans, die in der Kasseler Rothenbach-Halle erwartet werden.

 

Fünf Busse sind gechartert worden, um den Wetzlarern in dem Prestigeduell die nötige Unterstützung zu geben. "Vielleicht hilft uns das, um auswärts endlich einmal zu punkten", sagt HSG-Coach Gennadij Chalepo, der mit seiner Truppe seit dem 2. Oktober auf ein Erfolgserlebnis wartet. "Unser Programm war seitdem aber auch schwer", gibt der 42-Jährige zu bedenken. Deswegen schätzt er die Situation des Tabellen-14. "noch nicht dramatisch" ein. "Ein, zwei Zähler mehr wären gut, aber im Großen und Ganzen liegen wir im Soll."

Von seinem Team verlangt Chalepo am Sonntag die gleiche Körpersprache wie vor neun Tagen bei der 24:28-Niederlage gegen den THW Kiel. "Da funktionierte das Zusammenspiel zwischen Abwehr und Torwart ganz gut", blickt der gebürtige Weißrusse zurück, der in Kassel eine "schwierige Partie" gegen einen "sehr guten Gegner" erwartet. Und der auf seinen Vorgänger Michael Roth trifft.

Der 49-Jährige wanderte im Oktober des vergangenen Jahres in Richtung Nordhessen ab und fühlt sich dort pudelwohl. "Ich denke, ich habe damals die richtige Entscheidung getroffen. In Wetzlar stagniert die Entwicklung. Die Perspektive in Melsungen ist besser", sagt Roth, der am Anfang der Saison mit seiner Mannschaft die Überraschung der Liga war. 11:3-Punkte holte die Melsunger Turngemeinde aus den ersten sieben Partien.

"Da sind wir aufgetreten wie eine echte Spitzenmannschaft", sagt der Coach, für den es allerdings nicht überraschend ist, dass der Tabellenachte diese Leistung nicht konstant abrufen konnte. Seit fünf Spielen wartet der finanziell potente Club um den schwedischen Mittelmann Patrick Fahlgren auf einen Erfolg. Ein Grund für den Negativlauf sieht Roth in der aktuellen Verletzungsmisere. Zuletzt musste er immer wieder wichtige Leute ersetzen. Auch am Sonntag fehlen der ehemalige Wetzlarer Christian Hildebrand (Bandscheibenvorfall) und der Rumäne Alin Florin Sania (Handverletzung) definitiv. Angeschlagen sind Linkshänder Alexandros Vasilakis (Leistenzerrung), der wurfgewaltige Nenad Vuckovic (Bänderdehnung) und der im Sommer aus Hamburg gekommene Torwart Per Sandström (grippaler Infekt).

Für Michael Roth ist das Duell mit seinem Ex-Verein "nichts Besonderes" mehr

Roth will erst kurzfristig über einen Einsatz des Trios entscheiden, doch in dem, wie er selbst sagt, "richtungsweisenden Match", wird er alles daransetzen, dass seine Leistungsträger mitwirken können. "Wir wollen zu Hause gewinnen, um in der Tabelle nicht nach hinten schauen zu müssen", sagt der MT-Coach, der mit einigen seiner ehemaligen Spielern noch regelmäßig in Kontakt steht, für den das Aufeinandertreffen mit seinem Ex-Club aber "nichts Besonderes" mehr ist.

Im Juni dieses Jahres, als Melsungen in Wetzlar gastierte, war das noch anders. Damals kochten die Emotionen auf und neben dem Spielfeld hoch. Als ein Zuschauer kurz vor der Pause auf der Tribüne einen Herzinfarkt erlitt und noch in der Halle verstarb, wurde die Partie im zweiten Durchgang nicht mehr angepfiffen. "Mittlerweile hat sich das beruhigt. Im Vorfeld der letzten Partie ist vieles von Außen aufgebauscht worden", meint Roth, für den Wetzlar am Sonntag "unter Druck" steht.

"Druck ist im Profisport normal. Damit muss man umgehen", entgegnet Chalepo, der personell aus dem Vollen schöpfen kann und darauf hofft, dass seine Mannschaft endlich einmal die guten Trainingsleistungen der vergangenen Wochen im Spiel abruft. "Dann wären wir einen Schritt weiter", meint Chalepo. Und vielleicht würde es auch einmal für einen Sieg in Kassel reichen.

Arne Wohlfarth