Grün-Weiße feiern ersten Punkterfolg im Jahr 2013

DKB Handball-Bundesliga

29:26 Erfolg im Hessenderby gegen die MT Melsungen - Bester Wetzlarer Torschütze Reichmann mit 7 Toren

Es war ein Hessenderby, das ganz anders war, als die bisherigen. War im Vorfeld noch der Antrag einer Spielverlegung durch die Nordhessen im Raum gestanden, so erwarteten alle jedoch den Einsatz aller Akteure auf Seiten der MT Melsungen. Doch das Bild war ein ganz anderes, ohne die Stammkäfte Kubes, Fahlgren, Schröder, Sanikis, Allendorf und Vuckovic reisten die Bartenwetzer an und füllten mit dem altinternationalen Petr Hruby und Jonas Pitz aus der zweiten Mannschaft sowie Doppelspielrechtler Phil Räbiger von Eintracht Baunatal auf. Die Rahmenbedingungen waren allesamt gut, Liveübertragung, ausverkauftes Haus und Fans aus beiden Lagern, die ihre Teams unabdingbar unterstützen wollten. Doch wer nun dachte, aufgrund der personellen Lage beim Gast, die HSG habe leichtes Spiel sah sich getäuscht. 

Zerfahren die Aktionen der Grün Weißen und die Gäste mit der Unbekümmertheit eines Underdogs zogen schnell mit 4:1 (6.) davon. Dabei war insbesonders der Wetzlarer Angriff harmlos, einfallslos und mit wenig Geduld ausgestattet. Wäre nicht Nikolai Weber schon sechsmal zur Stelle gewesen, es hätte beim 9:6 (12.) für die MT bereits deutlich höher stehen können. Im Wissen Nichts zu verlieren zu haben arbeitete die Truppe des Ex-Wetzlarer Trainers Michael Roth geduldig weiter, lies sich auch von Warnzeichen für passives Spiel nicht beirren und setze noch einen drauf, führte nach 21 Minuten gar mit 16:11. Kai Wandschneider reagierte und nahm eine Auszeit. Ob es diese Auszeit und die richtigen Worte des Coaches waren, die nachlassenden Kräfte bei den Gästen oder eine gesunde Mischung aus beidem bleibt ungeklärt. Klar jedoch ist, die HSG kam besser ins Spiel, ohne jedoch spielerisch zu überzeugen. Leichte Treffer aus dem Konter und dem schnellen Anwurf sorgten für etwas mehr Schwung und den Anschlusstreffer zum 17:18 Pausenstand.

Aus der Kabine heraus reagierte Wandschneider erneut auf die personellen Einschnitte beim Gegner und setzte die Angreifer aus Melsungen mit einer 3:3 Verteidigung unter Druck. Diese wurden nun zunehmend müder und behäbiger in all ihren Bewegungen. Doch wiederum versäumte die HSG es, aus ihren guten Abwehraktionen und Ballgewinnen mehr zu machen. Und so stand es nach 15 Minuten der zweiten Hälfte gerade einmal 4:2. In der Deckung aggressiv und beweglich, mit einem super aufgelegten Nikola Marinovic dahinter, aber im Angriff ohne Struktur, Organisation und Ideen. Wenn es nicht die Fehler der Melsunger Deckungsreihe waren oder individuelle Aktionen, so schaffte die HSG es kaum einmal einen flüssigen Spielfluss aufkommen zu lassen. Aber auch der sich zunehmend steigernde Mikael Appelgren zwischen den Pfosten der Gäste verhinderte es, dass die HSG früher auf die Siegerstraße einbiegen konnte. 

Melsungen steckte nicht auf und lies nicht nach. Ohne den Druck des „Müssens“ und mit ungewohnter Besetzung blieben die Nordhessen bis zum 23:25 (56.) durch Danner im linken Rückraum dran. Besonders diese Treffer, Danner, der Kreisläufer, mehrfach aus dem Rückraum, die zahlreichen Abpraller Tore der Gäste und die individuellen Unzulänglichkeiten der HSG-Deckung ärgerten den HSG-Trainer. Kevin Schmidt auf der linken Außenbahn und Stefen Fäth bei passivem Warnzeichen mit einem Unterhandknaller ins lange obere Eck sorgten beim 27:23 (58.) für die Entscheidung. 

HSG Wetzlar: Marinovic, Weber - K. Schmidt (6/3), Fridgeirsson (1), Tiedtke (1), Valo (4), Philipp Müller (1), Reichmann (7), Fäth (5), Michael Müller (2), Hahn, Harmandic, Kristjansson (2), Mraz.

MT Melsungen: Appelgren, Sandström; Stenbäcken (4), Mansson (4),Vasilakis (2), Hildebrand (1), Danner (6),Karipidis (7/3),Hruby (1), Pitz, Räbiger (1).

Zeitstrafen: 10:8 Minuten: HSG (Fridgeirsson, Mraz, Reichmann, Fäth, M.Müller) – MT Melsungen (Mansson, Vasilakis, Danner, Pitz)  – Strafwürfe: 3:3/4:3 -Schiedsrichter: Damian/Wenz (Bingen/Mainz)– Zuschauer:  4412.

Nikola Marinovic: Das ich heute mit 20 Paraden recht gut war ist nicht so wichtig, wichtiger ist vielmehr, dass wir einen Sieg in einem sehr hart umkämpften dun schweren Spiel errungen haben. Melsungen hat uns mit seinen Möglichkeiten alles abverlangt und die Art und Weise war schon sehr beeindruckend. Klar lag der Druck bei so vielen Ausfällen bei uns, aber Melsungen hatte Nichts zu verlieren und wir uns bis zur 25ten Minute extrem schwer getan. In der zweiten Halbzeit hat die 3:3 Deckung und der eine oder andere Ball von mir schon den Ausschlag gegeben. Melsungen hat da bis zur 50ten Minute nur noch drei Treffer erzielt. Deswegen sind wir erst einmal froh über diesen Sieg.

Alois Mraz: Bin erleichtert und da ist es ganz egal wie sehr. Hoffe auch, das war der richtige Schritt in die richtige Richtung, nach dieser Negativserie uns wieder besser zu finden. Man hat uns angemerkt, wie wir doch etwas verunsichert waren, aber egal, der Sieg zählt. Jetzt können wir und wollen wir am Mittwoch zeigen, dass wir es besser machen können. Gegen die Rhein Neckar Löwen müssen wir jedenfalls einige Schippen draufpacken und eine bessere Leistung zeigen.

Michael Roth: Ersteinmal bin ich froh, dass diese Woche rum ist. Das war eine der anstrengendsten meiner bisherigen Trainerlaufbahn. Von daher bin ich sehr froh über unsere Leistung und wie wir uns hier verkauft haben. Wir haben das umgesetzt was wir uns vorgenommen haben und der HSG einen großen Kampf geliefert. Herauszuheben ist sicher auch, dass wir mit Spielern der zweiten Reihe ergänzen mussten und diese dann auch noch Akzente setzen konnten. Insofern, wir haben Moral bewiesen und hätten wir in der zweiten Halbzeit nicht so viele Bälle an Marinovic verloren und Chancen leigengelassen, wer weiß. Alles in allem bin ich sehr stolz auf das Team und muss sagen, wir haben den Fans, der HSG und dem Fernsehpublikum ein ordentliches Spiel geliefert. Für die HSG war das sicher nicht leicht gegen eine Mannschaft, von der du nicht so recht weißt, was auf dich zukommt.

Kai Wandschneider: Kompliment erst einmal an Melsungen für die gezeigte Leistung. Ich bin heute von vielen Teilen meiner Mannschaft sehr enttäuscht, aber heilfroh über die gewonnen Punkte. Entscheidend war die Deckungsumstellung in der zweiten Halbzeit und ein alles überragender Bobby Marinovic im Kasten. Diese Deckung ist für so einen angeschlagenen Gegner schwer zu spielen, wenn so viele Spieler der ersten Besetzung fehlen, trotzdem, dann selber so schlechte Aktionen nach vorne zu haben, nur vier Treffer in 15 Minuten zu erzielen, das ist ein Armutszeugnis für unsere Mannschaft. Wir hatten heute, insbesondere im Rückraum sechs bis acht Ausfälle, ab und an flackerte mal was auf, aber sonst. Besonders bitter ist es, dass eben der Rückraum, der uns in der Hinrunde so tolle Ergebnisse ermöglicht hat, so blass ist. Die genaueren Ursachen sind mir noch unschlüssig, wieso das so ist und ich habe auch gar keinen Bock das jetzt zu Analysieren. Ich weiß nur, am Mittwoch kommen die Rhein Neckar Löwen und da muss besonders der Rückraum zeigen was sie können, diesem Druck müssen wir jetzt mal standhalten.


Quelle: Andreas Klotz