Grün-Weißen verlieren gegen TV Großwallstadt

DKB Handball-Bundesliga

Kneer machts schwer / 19:20 gegen TV Großwallstadt

Was für ein trostloser Abend für die HSG Wetzlar. Der Handball-Bundesligist hat am Freitag das so eminent wichtige Heimspiel gegen den TV Großwallstadt nach einer ernüchternden Angriffsleistung mit 19:20 (10:9) verloren und muss in seiner 14. Saison mehr denn je um den Klassenerhalt fürchten.

Ob die fünfte Niederlage in Folge, die gleichzeitig dritte nicht gewonnene Vier-Punkte-Partie in der Rückrunde, Folgen für Trainer Gennadij Chalepo haben wird, stand am Freitagabend noch nicht fest. Dem Vernehmen nach haben die Verantwortlichen in den vergangenen Tagen mit einem möglichen Nachfolger verhandelt. Geschäftsführer Björn Seipp und Aufsichtsratmitglied Marty Weber sollen sich mit Kai Wandschneider, dem ehemaligen Coach des DHC Rheinland, getroffen haben. Seipp gab am Freitag jedenfalls kein klares Bekenntnis zu Chalepo ab. "Wir sind alle sehr enttäuscht. Da wollen wir jetzt nicht darüber diskutieren. Wir werden in den nächsten Tagen alles besprechen." Der 38-Jährige schimpfte dagegen auf die Mannschaft: "Einige haben die Zeichen der Zeit anscheinend nicht erkannt. Da muss jeder Spieler in den nächsten Tagen mal in sich gehen." Auch der sichtlich enttäuschte Chalepo sah "keinen Charakter" in seiner Truppe, die zudem alle drei Siebenmeter verwarf.

Die HSG, die auf Steffen Fäth (Rückenzerrung) und Adnan Harmandic (Knieprobleme) nicht zurückgreifen konnte, war dem Druck des Gewinnenmüssens von Beginn an nicht gewachsen. Die Grün-Weißen waren extrem nervös. Ihnen fehlte die Leichtigkeit, das Selbstvertrauen und das Tempo, um die 6:0-Abwehr der Großwallstädter über 60 Minuten vor größere Probleme zu stellen. Einzig Daniel Valo und mit Abstrichen Timo Salzer setzten sich anfangs aus der zweiten Reihe durch. Dadurch, dass die Gäste aber im Angriff ebenfalls nur durch den in der kommenden Saison beim SC Magdeburg spielenden Stefan Kneer Gefahr ausstrahlten, neutralisierten sich beide Teams auf niedrigem Bundesliga-Niveau. Die Fehlerquote war hoch, die Stimmung in der mit 4035 Zuschauern gut gefüllten Rittal-Arena alles andere als hitzig und furchteinflößend. Der Traditionsverein aus dem Norden Bayerns lag über weite Strecken der ersten Hälfte vorne. Nach dem 8:6 (19.) hatte der sechsmalige Deutsche Meister sogar mehrfach die Möglichkeit, noch deutlicher wegzuziehen, doch HSG-Torwart Nikolai Weber hielt nicht nur einen Siebenmeter gegen Oliver Köhrmann, sondern auch noch eine gute Möglichkeit von Michael Spatz. Und als der künftige Wetzlarer Jens Tiedtke freistehend einen Ball vertändelte und wenig später in Überzahl völlig unbedrängt in die Arme von Peter Jungwirth spielte, waren die Gastgeber zurück. Denn Jungwirth nahm das Geschenk an und verwandelte per Tempogegenstoß zum 9:9 (27.). Alois Mraz sorgte für den 10:9-Pausenstand. Wetzlar konnte froh sein, nach einer dürftigen Vorstellung zur Pause in Führung zu liegen.

Im zweiten Durchgang wurde die Begegnung nicht besser, sie blieb aber eng und spannend. Die Grün-Weißen offenbarten einmal mehr ihre Schwäche im Überzahlspiel. Jungwirth scheiterte bei sechs gegen vier an TVG-Torhüter Martin Galia und verpasste so das 14:12 (38.). Als die HSG in der Folge mehrfach einen Spieler mehr auf dem Parkett hatte, unterlief Lars Friedrich ein Stürmerfoul, vergab Kevin Schmidt frei von Linksaußen, und scheiterte Timo Salzer mit einem überhasteten Wurf an dem sich von Minute zu Minute steigernden Galia. Da auf der Gegenseite Stefan Kneer einen Sahnetag erwischt hatte, zog Großwallstadt davon. Der Rotschopf im linken Rückraum, der erst in der 53. Minute in Manndeckung genommen wurde, traf mit seinem zehnten Treffer zum 17:13 (47.), wodurch die Hausherren entscheidend auf die Verliererstraße gerieten. Das Problem des Teams aus der Domstadt lag aber nicht in der Abwehr, sondern abermals im Angriff. Dort schoben die Akteure die Verantwortung weiter, dort war die nackte Angst zu spüren. Einzig Valo und Alois Mraz setzten noch Akzente. Als Timo Salzer fünf Minuten vor dem Ende per Tempogegenstoß auf 17:18 verkürzte, war die HSG dennoch wieder dran. Doch es sollte nicht mehr reichen. 50 Sekunden vor Schluss erzielte der ansonsten unauffällige Steffen Weinhold mit einem Unterhandwurf den 20:18-Siegtreffer der Großwallstädter. Das Tor des erschreckend schwachen Philipp Müller zum 19:20 fiel erst in der Schlusssekunde. "Wir sind sehr glücklich über diesen Erfolg", strahlte TVG-Trainer Peter David. Für seinen Gegenüber Gennadij Chalepo könnte der Auftritt am Freitag der letzte als HSG-Coach gewesen sein.

Wetzlar: Marinovic (25. bis 45.), Weber - Schmidt, Rompf, Salzer (3), Valo (5), Jungwirth (2), Mraz (4), Müller (1), Chalkidis, Fäth (n.e.), Harmandic (n.e.), Friedrich, Kristjansson (4).

Großwallstadt: Galia, Wolff (17. bis 19.) - Spatz (1), Weinhold (2), Kneer (11), Tiedtke, Holst (4/1), Larsson, Jakobsson, Schäpsmeier, Kaufmann (n.e.), Köhrmann (2/1), Maas (n.e.), Liebald.

Schiedsrichter: Moles/Pittner (Heddesheim/Hemsbach) - Zuschauer: 4035 - Zeitstrafen: Wetzlar vier (Müller zwei, Chalkidis zwei), Großwallstadt sechs (Weinhold zwei, Schäpsmeier zwei, Liebald zwei) - verworfene Siebenmeter: Harmandic (Wetzlar) scheitert an Galia (2.), Spatz (Großwallstadt) scheitert an Weber (3.), Köhrmann (Großwallstadt) scheitert an Weber (21.), Harmandic (Wetzlar) scheitert an Galia (22.), Friedrich scheitert an Galia (49.).