Guillaume Joli Wetzlars Matchwinner in Lemgo: „Habe nur meinen Job gemacht!“

DKB Handball-Bundesliga

Mittelhessen sichern sich 23:23-Unentschieden beim TBV Lemgo in der Schlusssekunde – Französischer Weltmeister erzielt die letzte vier Wetzlarer Treffer per Siebenmeter

Gegen 1.30 Uhr stiegen die Wetzlarer Bundesliga-Handballer heute Nacht müde aber glücklich aus dem Mannschaftsbus aus. Zu Hause angekommen sorgte immer noch die zuvor gespielte Partie beim TBV Lemgo für ausreichend Gesprächsstoff bei Spielern, Trainern und Verantwortlichen der Grün-Weißen. Mit einem wahren Kraftakt hatten die Mittelhessen die Partie in den letzten 150 Sekunden noch gedreht, aus einem 20:23-Rückstand noch ein 23:23-Unentschieden gemacht und somit einen wichtigen Punkt aus der Lippelandhalle entführt.

Wetzlars Matchwinner war der französische Weltmeister Guillaume Joli! Der nach einem Muskelfaserriss wiedergenesene Rechtsaußen hatten die letzten vier Treffer der Mittelhessen per Siebenmeter erzielt. Den Ausgleichstreffer sogar nach der Schlusssirene. „Ich bin einfach nur glücklich, dass wir noch einen Punkt geholt haben“, so Joli. "Bei den Siebenmetern in der Schlussphase habe ich einfach nur meinen Job gemacht. Die Strafwürfe zu verwandeln wird von mir erwartet und sie waren ein Geschenk von mir an die gesamte Mannschaft, die in der zweiten Halbzeit einfach toll gekämpft hat.“ 

Kreisläufer Sebastian Weber fügte an: "Es war am Ende sehr knapp, aber der Punkt ist nicht unverdient! Wir haben Lemgo in zweiten Halbzeit nicht zu weit wegziehen lassen, auch weil wir aus den Fehlern aus ersten Halbzeit gelernt haben. Wir hatten zudem Pech mit ein paar Lattentreffern, die verhindert haben, dass wir Mitte der zweiten Halbzeit sogar in Führung gehen. Dass wir in der heißen Crunsh-Time noch ein Unentschieden geholt haben, zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind und die Neuzugänge immer besser integriert sind. Dieser unbändige Wille und das Durchziehen bis zur letzten Sekunde zeichnet uns aus!“

Trainer Kai Wandschneider hatte nach dem Abpfiff der Partie erst einmal ein paar Minuten gebraucht, um sich zu sammeln. „Das war ein Handballkrimi“, befand der 55-jährige. "Nach der ersten Halbzeit war ich stinksauer, weil wir pomadig gespielt haben und kein gutes Grundtempo hatten. Wir waren in der Abwehr oft einen Schritt zu spät. Da war Lemgo klar besser als wir und ist verdient mit vier Toren Vorsprung in die Pause gegangen.“ Wandschneider hatte in der Halbzeit deutliche Worte an sein Team gerichtet, die offenbar Gehör fanden. „In der zweiten Halbzeit, haben wir uns langsam ran getastet, haben besser Abwehr gespielt. Vor allem Carlos Prieto hat da die Defensivarbeit mit guter Beinarbeit belebt und im Angriff haben wir klarere Akzente gesetzt. Trotzdem war das Spiel zweieinhalb Minuten vor Schluss, beim Stand von 23:20 für Lemgo, so gut wie verloren. Aber wir haben die Nerven bewahrt und an unsere Chance geglaubt, das rechne ich der Mannschaft hoch an.“

Die Siebenmeter-Entscheidung kurz vor dem Abpfiff bewertet Wandschneider nüchtern. "Die letzte Situation mit dem Foul an Joao Ferraz muss ich mir noch einmal auf Video anschauen. Aber es war eine Tatsachenentscheidung nach der neuen Regelauslegung und ich bin froh, dass Guillaume Joli die Nerven behalten und den Ball nach der Schlusssirene zum Unentschieden im Tor versenkt hat. Was ich aus dem Spiel hier in Lemgo mitnehme, ist, dass sich die Mannschaft in der zweiten Halbzeit aufgebäumt hat, dass sie gekämpft hat, dass sie es geschafft hat, Flagge zu zeigen – das war gut, das nehme ich mit! Das war eine klasse Moral!“

Mit 5:5-Punkte steht die HSG Wetzlar für Geschäftsführer Björn Seipp „aktuell sehr gut dar!“ Auch der 41-järhige hatten während der 60 Spielminuten am Spielfeldrand gelitten. „Es war ein sehr emotionales Spiel, dass viele Höhen und Tiefen für beide Mannschaften hatte. In der ersten Halbzeit haben wir ohne das nötige Tempo im Angriff gespielt und Lemgo, das nach dem Ausfall von Rolf Hermann zu Beginn etwas verunsichert wirkte, durch eigene Schwächen und fehlende Konsequenz stark gemacht“, bilanzierte Seipp in der Pressekonferenz nach dem Spiel. "Umso mehr hat mich gefreut, dass unser Team nach der Pause den Schalter umgelegt und sich zurück ins Spiel gefightet hat. Wir hatten Mitte der zweiten Halbzeit mehrmals das sogenannte Momentum auf unserer Seite, aber immer, wenn wir hätten in Führung gehen können, haben wir einen individuellen Fehler produziert oder zu unvorbereitet abgeschlossen. Das war ärgerlich! Am Ende bin ich natürlich sehr froh, dass wir hier einen Punkt mitgenommen haben, weil die Mannschaft bis zum Schluss an die eigenen Stärken geglaubt und das Spiel beim 20:23 nicht weggeschenkt hat. Jetzt müssen wir unsere Wunden lecken, die Fehler besprechen und gut regenerieren, denn am Dienstag bestreiten wir das vierte Spiel in zehn Tagen. Zu uns kommt die SG Flensburg-Handewitt und da müssen wir an die Leistung aus der zweiten Halbzeit anknüpfen – und vieles noch besser machen!“