Hamburg vor der Brust, Gummersbach im Kopf

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HSG Wetzlar ohne Chalkidis und Mraz am Samstag beim HSV Das Lazarett beim Meister lichtet sich

Beim HSV Hamburg, gegen den VfL Gummersbach, beim SC Magdeburg. Die HSG Wetzlar steht bis zum Jahresabschluss der Handball-Bundesliga Männer nur noch nationalen und internationalen Titelsammlern gegenüber. Zur Auswärtspartie am Samstag beim zuletzt kriselnden Deutschen Meister HSV Hamburg (Samstag, 15 Uhr) reist die Mannschaft von Trainer Ghennadij Chalepo bereits heute nach dem Vormittagstraining an, die Rückreise indes erfolgt unmittelbar nach Spielschluss, »damit wir vor dem Gummersbach-Spiel am nächsten Mittwoch einen Tag länger Zeit zur Regeneration haben«, wie Chalepo betont.

 

Natürlich möchte sich die HSG Wetzlar in der Hansestadt so teuer wie möglich verkaufen. Selbstverständlich ist der Fokus immer auf die nächstfolgende Partie gerichtet. Kein Trainer wird im Profigeschäft vorab ein anderes Statement abgeben. Dennoch ist klar: Hamburg ist nicht Gummersbach, vor der Partie im Norden ist schon reichlich Platz für Worthülsen, gegen den VfL müssen dann vier Tage später Fakten her.

So ist es nicht verwunderlich, dass die Grün-Weißen den am Oberschenkel verletzten Griechen Giorgios Chalkidis beim HSV schonen werden und somit nach Alois Mraz (Fingerbruch) einen zweiten Stammspieler zu ersetzen haben. In Anbetracht der David-gegen-Goliath-Konstellation dürfte diese Personalie aber unerheblich sein, zumal sich bei den Hanseaten das Lazarett der letzten Wochen und Monate langsam lichtet und eigentlich nur noch der schwedische Neuzugang Oscar Carlen auf der Ausfallliste steht. »Mal sehen, wie wir mit der aggressiven 3:2:1-Deckung der Hamburger zurechtkommen«, kennt Chalepo die Probleme seines Teams. Die Übergänge müssen stimmen, die Spielführung muss geduldig sein (»Chalepo: »Lieber mal einen Pass mehr spielen«), um nicht x-fach Hamburger Gegenstoßgefahr heraufzubeschwören. Was – zugegeben – gegen die HSV-Startruppe der Hens, Gille und Co. einfacher gesagt als getan ist.

Auf der anderen Seite wartet auf die 6:0-Abwehr der Wetzlarer eine brenzlige Aufgabe nach der anderen. Es gilt, die wurfstarke Rückraumreihe mit Hens, Lijewski, Lackovic oder Vugrinec im Zaum, im Innenblock die Kreisläufer Bertrand Gille und Vori in Schach sowie die Siebenmeterquote für Lindberg niedrig zu halten. Alles klar!?

»Egal, wen Trainer Carlen auf die Platte bringt, das hat alles Top-Qualität«, muss Ghennadij Chalepo erst gar nicht spekulieren, welche personelle Konstellation für sein Team nun die günstigere wäre. Vor allem, da Nationalspieler Michael Kraus nach dreimonatiger Verletzungspause am Mittwoch beim 33:32-Pokalcoup der Hamburger bei den Rhein-Neckar Löwen mit 9/8 Treffern ein erfolgreiches Comeback gefeiert und der HSV eine tolle Moral bewiesen hat. Selbst durch einen Fünf-Tore-Rückstand (21:26, 53.) sieben Minuten vor Schluss ließ sich der amtierende Meister trotz der jüngsten Niederlagen in Nettelstedt und Kiel nicht aus der Bahn werfen. Womit die Beutler und Co. belegt haben, dass die Mannschaft trotz aller Rückschläge weiter intakt ist. Beutler: »Es war wichtig, so ein enges Spiel für uns zu entscheiden.«

Im DHB-Pokal und in der Champions League im Plan, dürfen sich die Hamburger in der Bundesliga keine Sperenzien mehr erlauben. Bei acht Punkten Rückstand auf den verlustpunktfreien Spitzenreiter THW Kiel ist der Titelzug schon zum Ende der Vorrunde fast abgefahren, im Ringen mit den Füchsen Berlin, den Rhein-Neckar Löwen und der widererstarkten SG Flensburg/Handewitt gilt es aber immer noch einen der beiden weiteren Champions-League-Plätze für die Saison 2012/2013 abzusichern.

Der HSG Wetzlar bietet sich wie schon vor vier Wochen gegen THW Kiel die Chance, nach der Niederlage gegen TuS N-Lübbecke neues Selbstvertrauen zu tanken. Mit konzeptionelleren Spielzügen in Überzahl, einer Verdichtung der 6:0-Abwehr und einer besseren Chancenverwertung. Denn dies alles muss gegen den VfL Gummersbach stimmen.

(ra)