„Handball-Krimi“

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Balingen-Weilstetten entführt einen Punkt aus Wetzlar

Viertes Heimspiel, aber kein vierter Heimsieg für die HSG Wetzlar in der noch jungen Saison der Handball-Bundesliga. In einem wahren „Handball-Krimi“ trennten sich die Lahnstädter vor 3662 Zuschauern in der Wetzlarer Rittal-Arena von der HBW Balingen-Weilstetten mit einem 23:23 (11:11)-Unentschieden.

 

Die an Spannung nicht zu überbietende Partie sah die Wetzlarer mehrmals knapp in Front, doch aufgrund einer mangelhaften Chancenverwertung konnte das Team von HSG-Coach Gennadij Chalepo seinen Vorsprung nie entscheidend ausbauen. Bereits im ersten Durchgang ließen die HSG-Akteure drei Strafwürfe ungenutzt und „versemmelten“ gleich mehrere freie Einwurfmöglichkeiten, trafen dreimal Pfosten oder Latte, so dass die Gäste mit dem 11:11-Pausenstand noch gut bedient waren Auch nach dem Wiederanpfiff wurde das Wetzlarer Angriffsverhalten nicht besser. Die körperlich deutlich unterlegenen Schützlinge von HBW-Trainer Dr. Rolf Brack spielten forsch auf und brachten mit ihren schnellen Ballpassagen die Wetzlarer Deckung immer wieder in Unordnung.

Vor allem das junge HBW-Leichtgewicht Felix König setzte sowohl als Vollstrecker als auch als Anspieler im rechten Rückraum mit fünf Tore und mehreren „Assists“ Akzente. Bei den Gastgebern mehrten sich mit zunehmender Spielzeit die technischen Fehler und unkontrollierten Abschlüsse. Allein Daniel Valo war es zu verdanken, dass Wetzlar nach dem 19:20-Rückstand (53.) noch im Rennen blieb. Doch dessen drei Tore in Folge konnten das HSG-Spiel nicht beruhigen. Als Gäste-Coach Brack für seinen Torhüter einen siebten Feldspieler auf das Parkett schickte, gelang Balingen prompt der 22:22-Ausgleich. Fortan hielt es die Zuschauer nicht mehr auf den Sitzen, die Spannung war nun nicht mehr zu überbieten. Ein Durchbruch von Timo Salzer bedeutete die erneute Wetzlarer Führung (23:22, 58.), ehe wenig später der blasse Alexandros Alvanos einen Siebenmeter an HSG-Keeper Nikolai Weber, aber auch am Wetzlarer Tor vorbei drehte.

In einer Auszeit von Gennadij Chalepo sollte 37 Sekunden vor dem Ende der letzte Spielzug der Wetzlarer bestimmt werden. Balingen deckte offensiv und bot HSG-Rechtsaußen Tobias Hahn die „Schussfalle“ an, die dieser auch annahm. Doch elf Sekunden nach der Auszeit traf der HSG-Youngster nur den Pfosten des HBW-Gehäuses, so dass die Schwarzwälder noch einmal in Ballbesitz kamen. Jetzt - 21-Sekunden vor dem Abpfiff - bat Brack seinen Mannen zur Dienstbesprechung. Der letzte HBW-Angriff mit sieben Feldspielern brachte Kai Häfner auf Rechtsaußen in Schussposition, so dass sechs Sekunden vor dem Ende die „Gallier von der Alb“ den viel umjubelten 23:23-Ausgleich erzielten. Da der Torschütze die Wetzlarer „schnelle Mitte“ verhinderte, sah er die rote Karte. Mit dem anschließenden direkten Anwurf von Steffen Fäth hatte Matthias Puhle im HBW-Kasten keine Mühe.

Unwirsch zeigte sich nach dem Schlusspfiff HSG-Trainer Chalepo. „So viele technische Fehler wie heute hat meine Mannschaft noch nie produziert. Auch die Einstellung, die Motivation und die Körpersprache haben nicht gestimmt. Darüber wird noch zu reden sein“, kündigte der Wetzlarer Handball-Lehrer deutliche Worte an. Kollege Brack sprach von einem „vorbereiteten und programmierten Erfolgserlebnis, das uns nicht immer gelingen wird.“ Für den HBW-Übungsleiter war die Begegnung in handballerischer Hinsicht Magerkost, „doch über den Punkt freuen wir uns“.

Ulrich G. Monz