Handball-Sahnetag! HSG Wetzlar entzaubert THW Kiel vor ausverkauftem Haus!

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DKB Handball-Bundesliga

Mittelhessen schlagen Rekordmeister deutlich mit 30:22 (14:13) - Sonderlob von Kai Wandschneider für Benjamin Buric und Joao Ferraz

Mit zwei Niederlagen in den ersten fünf Spielen verlief der Start in die Bundesliga für den THW Kiel keineswegs nach Plan - und nach der heutigen sechsten Partie stehen sogar lediglich ein ausgeglichenes Punktekonto von 6:6 zu Buche. Grund ist eine überraschend deutliche Niederlage in der Wetzlarer Rittal Arena. Nach einem 16:17 verlor der Rekordmeister nach knapp vierzig Minuten den Faden und geriet vor 4.221 Zuschauern unter die Räder einer sich in den Rausch spielenden HSG. Diese hatte in Benjamin Buric einen überragenden Rückhalt, brachte die THW-Deckung aus dem Tempospiel immer wieder unter Druck und konnte gestützt auf eine starke Mannschaftsleistung am Ende ein 30:22 feiern, das die Wetzlarer mit nun 8:4 Punkten an Kiel vorbei auf den vierten Tabellenplatz spült.

Der THW Kiel setzte durch Miha Zarabec zwar den ersten Treffer der Partie, die HSG Wetzlar zeigte sich davon aber wenig beeindruckt. Das Überraschungsteam der vergangenen Saison war mit 6:4 Punkten ordentlich in die Saison gestartet - neben Unentschieden gegen Minden und Hüttenberg hatte es lediglich beim verlustpunktfreien Spitzenreiter in Hannover eine Niederlage gegeben. Und Selbstvertrauen zeigte das Team von Kai Wandschneider auch bereits in den ersten Minuten: Erst Alexander Hermann und dann Jannik Kohlbacher im Gegenstoß drehten den Spielstand zum 2:1. 

Benjamin Buric stand bereits in den ersten Minuten im Mittelpunkt, immer wieder glänzte der Torhüter der Wetzlar mit sehenswerten Paraden. Nach Treffern von Stefan Cavor und Kaspar Kvist wuchs der Abstand beim 4:1 bereits auf drei Tore an. Kiel konnte die Fehlerzahl in der Folge allerdings reduzieren und stabilisierte sich. Mit einem Gegenstoß glich Rune Dahmke zum 4:4 aus und Miha Zarabec sorgte für die erste Gästeführung. Auch dank der individuellen Klasse seiner Akteure schien der Rekordmeister die Partie in den Griff zu bekommen. 

Wetzlar ließ sich von den vier Gegentoren in Serie allerdings nicht aus dem Tritt bringen, die Hausherren agierten weiterhin konzentriert und konnten sich auf Buric verlassen. Der im nächsten Sommer zur SG Flensburg-Handewitt wechselnde Torhüter dürfte sich mit dieser Leistung gegen den Nordrivalen schon in das Herz der SG-Fans gespielt haben. Obschon die Wetzlarer sich im Angriff in dieser Phase schwer taten, hielten die Wetzlarer dank der Deckung und der Paraden von Buric den Anschluss. 

Die Kieler hatten unterdessen bereits erste Sorgenfalten, Patrick Wiencek kassierte nach einer Viertelstunde bereits die zweite Zeitstrafe. Alfred Gislason reagierte und brachte Sebastian Firnhaber in der Deckung. In der Folge hielt sich die Partie an das Muster: Führung Kiel, Ausgleich Wetzlar. Nach dem Ausgleich von Kristian Björnsen durchbrach dann Kasper Kvist mit dem 12:11 dieses Muster und nach dem Kieler Ausgleich durch Dissinger erhöhte Anton Lindskog mit einem Doppelschlag zum 14:12. Auf der Gegenseite verkürzte Christian Dissinger vier Sekunden vor der Pause dann zumindest noch zum 14:13. 

Die zweite Halbzeit begann mit einer Zeitstrafe gegen Jannik Kohlbacher, doch mehr als der Ausgleichstreffer gelang den Kielern in der folgenden Überzahl nicht. Bei numerischer Gleichzahl schlug dann aber Christian Dissinger zu und brachte die Gäste wieder in Vorlage. Doch nach dem Gegentreffer zum 15:16 gab es im nächsten Wetzlarer Angriff dann eine richtungsweisende Entscheidung: Sebastian Firnhaber konnte Jannik Kohlbacher nur regelwidrig stoppen und kassierte dafür die Rote Karte - den Kielern fehlte damit eine weitere Säule in der Deckung. 

Kristian Björnsen verwandelte den folgenden Strafwurf gegen den eingewechselten Niklas Landin. Wie zuvor gegen den früheren Wetzlarer Andreas Wolff sorgte allerdings Benjamin Buric hinter der weiterhin aufmerksamen Wetzlarer Deckung weiterhin für ein Plus auf Seiten zwischen den Pfosten auf Seiten der Gastgeber. Ekberg hatte die Kieler von der Siebenmeterlinie noch einmal in Vorlage gebracht, doch Buric ließ auch in Unterzahl keinen Gegentreffer zu - und bei numerischer Gleichzahl warf Alexander Hermann die Wetzlar beim 18:17 wieder in Front - die Halle stand bereits nach vierzig Minuten Kopf. 

Die Wetzlarer schienen keinerlei Zweifel daran zu hegen, dass sie gegen den THW Kiel eine Überraschung landen können. Alexander Hermann tankte sich durch und Kristian Björnsen legte das 20:17 nach. Während sich die HSG in einen Rausch zu spielen schien, wirkten die Kieler ungewohnt verunsichert. Die Leistung von Buric schien die Werfer des Rekordmeisters nachhaltig beeindruckt zu haben, die Fehlerzahl war hoch, die Durchschlagskraft niedrig. Wetzlars offensive Deckung sorgte für den nötigen Druck und mit dem 21:17 von Joao Ferraz wuchs der Abstand bereits auf vier Tore an. 

Acht Minuten waren die Kieler ohne Treffer, bevor Marko Vujin die Trefferanzahl auf achtzehn erhöhen konnte. Eine Ende bedeutet dies aber nicht: Die Wetzlarer ließen sich auch von vergebenen Chancen nicht beeindrucken, wie beispielsweise als Kvist einen Gegenstoß an die Latte und der mitgelaufene Lindskog den Abpraller an den Pfosten setzte oder wenig später Landin einen Gegenstoß wegnahm. Denn auch die Kieler kamen nicht zu weiteren Treffer, das 22:18 von Björnsen und der Gegenstoß von Kvist zum 23:18 stellten so die Weichen in Richtung Vorentscheidung. 

Angesichts der Probleme in der Offensive entschied sich Alfred Gislason das Risiko mit einem siebten Feldspieler einzugehen - die Wetzlarer Deckung aber stand auch gegen die Kieler Überzahl gut und nutzte einen Ballgewinn durch Kasper Kvist zum zwischenzeitlichen 25:19. Kiel mühte sich, fand aber keine Lösungen - weder in der Offensive noch in der Deckung. Zehn Minuten vor dem Ende schien die Vorentscheidung bereits gefallen, zumal Wetzlar nachsetzte: Nach einer Landin-Parade war Björnsen beim Abpraller zur Stelle, das 27:20 tilgte fünf Minuten vor dem Ende die letzten Fragezeichen - zumal Björnsen auch noch die Acht-Tore-Führung folgen ließ. Bei diesem Abstand blieb es am Ende, Wetzlar bejubelte mit dem 30:22 gegen den Rekordmeister ein Ausrufezeichen. 

Quelle: www.handball-world.news / Nele Hüpper