Handballer Kristjansson: »Wollten sofort nach Hause«

DKB Handball-Bundesliga

Bittere Aus für Island im Viertelfinale nach zweimaliger Verlängerung.

Für die großen Zeitungen, die bei den Olympischen Spielen in London im Deutschen Haus ausliegen, war es am Donnerstag nur eine Randnotiz, für Kari K. Kristjansson war es ein Weltuntergang. Der Kreisläufer des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar war am Mittwoch mit der isländischen Nationalmannschaft im Viertelfinale der Sommerspiele an Ungarn gescheitert.

Am Donnerstagmorgen war das Team, das in Peking 2008 noch die Silbermedaille gewonnen hatte, wegen der großen Enttäuschung schon in aller Frühe auf dem Weg zum Flughafen. 

"Wir sind so enttäuscht, wir wollten alle sofort nach Hause«, erklärte Kristjansson nach der 33:34-Niederlage nach zweimaliger Verlängerung. Zur Halbzeit hatten die favorisierten Isländer mit 12:17 in Rückstand gelegen, zehn Sekunden vor dem Ende hatte das Team von Kristjansson aber die große Chance, den Halbfinaleinzug perfekt zu machen. Doch Snorri Stein Gudjonsson vergab einen Siebenmeter zum möglichen 28:26, Ungarn kam zurück und sorgte mit dem Tor zum 34:32 in der zweiten Verlängerung für die Entscheidung. »Es ist ein trauriger Tag für Island, so eine große Enttäuschung. Es gibt keine Wörter im Wörterbuch, um das zu beschreiben«, sagte Islands Star Olafur Stefansson nach dem Aus bei seinen letzten Spielen. Auch Coach Gudmundur Gudmundsson war fassungslos. »Es war ein unglaubliches Spiel«, bilanzierte der Trainer. Und Wetzlars Kreisläufer erklärte: »Es ist so schade. Wir hatten das Spiel im Griff. Wir sind besser als Ungarn, aber es hat nicht sollen sein«.

Gestern ist Kristjansson wieder in Wetzlar eingetroffen. Er ist immer noch traurig über das Aus im Viertelfinale. »Unser Ziel war, um eine Medaille zu spielen. Wir haben den ganzen Sommer hart dafür gearbeitet. Seit 2010 denken wir in der Nationalmannschaft an nichts anderes als an Olympia – und dann so etwas«, ärgert sich Kristjansson. Erster Lichtblick nach dem Aus: Gestern Abend holte er am Flughafen in Frankfurt seine Frau Kitty und seine Tochter Klara ab. Endlich sind sie wieder vereint. »Wir haben uns zwei Monate lang nur ganz selten gesehen«, erzählt der Heavy-Metal-Fan, der nun mit seinen Liebsten ein paar Tage Urlaub macht, ehe er am Mittwoch bei der HSG ins Training einsteigen wird.

Obwohl Kristjansson und seine Kollegen das Olympische Dorf am Donnerstagmorgen nach der Enttäuschung Hals über Kopf verlassen haben, wird der Kreisläufer auch gute Erinnerungen mit nach Hause nehmen. »Olympia ist etwas ganz Besonderes. Die Einlaufzeremonie war überragend. Die Kantine unglaublich. Ich habe so viele Weltstars gesehen. Das war cool«, erzählt Kristjansson über seine Treffen mit dem Basketball-Dream-Team aus den USA, den NBA-Stars aus Frankreich und Brasilien, aber auch Ryan Giggs und Michael Phelps hat er im Dorf gesehen. »Dort gab es alles, was man braucht. Man konnte alles haben.«

Sportlich wurde dem HSG-Kreisläufer allerdings nicht jeder Wunsch von den Lippen abgelesen – auch nicht von seinem Trainer. »Ich habe natürlich nicht genug gespielt und wäre gern öfter auf dem Feld gewesen, aber bei einem so großen Turnier wie Olympia ordnet man sich natürlich unter«, erzählt Kristjansson, der in der Vorrunde beim 32:22 ggen Tunesien eine Halbzeit lang eingesetzt wurde. Gegen Großbritannien (41:24) stand er sogar 45 Minuten auf der Platte, gegen Frankreich (30:29) hatte er einen zehnminütigen Anteil am Erfolg über den Weltmeister, der am Sonntag um eine Medaille spielt, während die Isländer schon wieder zu Hause bei ihren Familien sind. Das dürfte ein kleiner Lichtblick sein.

 

Quelle: Gießener Allgemeine Zeitung