Heimstarke HSG Wetzlar schlägt den VfL Gummersbach

DKB Handball-Bundesliga

38:32 Sieg gegen die Oberbergischen - Kevin Schmidt bester Schütze der Grün-Weißen.

In einem eindrucksvollen Schlussspurt besiegt die HSG Wetzlar am Samstagabend in der DKB-Handballbundesliga den Altmeister vom VFL Gummersbach mit 38:32 (16:15) und rehabilitiert sich nicht nur für die Pokalpleite beim VFL Bad Schwartau unter der Woche, sondern feierte auch den sechsten Sieg im zehnten Spiel in der Saison 2012/13. 

Die HSG begann selbstbewusst und fand beim 6:3 (10.) durch den stark aufspielenden Michael Müller deutlich besser ins Spiel als die Oberbergischen. In der Folge jedoch stabilisierte sich der VFL Gummersbach zunehmend und besonders Pfahl und Schindler waren es mit ihren guten Aktionen und Treffern, die ihre Farben im Spiel hielten. Es entwickelte sich eine offene Partie und Gummersbach hätte seinerseits in Führung gehen können und müssen, wenn die Kurtagic-Sieben nicht mehrfach im Konter den Ball vertendelt hätten. Gegen Ende der ersten Hälfte schien Wetzlar sich dann etwas absetzen zu können, Michael Müller mit seinem fünften von insgesamt neun Treffern und Tobias Reichmann mit einem herrlichen Konter brachten die Wetzlarer mit 16:14 in Front, als noch gut zwölf Sekunden zu spielen waren. Doch auch die Gummersbacher setzten noch einmal nach und Zrnic mit dem Halbzeitpfiff verkürzte postwendend zum 15:16 Pausenstand. 

Auch nach der Pause schien die HSG mit mehr Selbstvertrauen und Willen in die Partie zurück zu starten. Besonders eindrucksvoll in dieser Phase der Treffer zum 18:18(34.) für die Grün-Weißen. Die beiden Unparteiischen hatten Warnzeichen für passives Spiel angezeigt, da spielte Philipp Müller seinem Bruder Michael den Ball über den Torraum in die Luft und dieser verwandelte spektakulär per Kempa-Trick. Wer aber nun glaubte, Wetzlar würde nun den Gast langsam aber sicher distanzieren, der sah sich getäuscht. Erneut Adrian Pfahl, Christoph Schindler und der junge, frech aufspielende Kentin Mahe brachten den Altmeister mit 22:20 (39.) in Front. 

Die Partie schien zu kippen, zumal der VFL nun deutlich mehr vom Spiel hatte und die HSG hatte ein ums andere Mal Glück, dass sich die Gäste selbst im Wege standen. „Bei diesem Spielstand haben vier vermeidbare Fehler in Folge gemacht und der HSG einen 4:0-Lauf ermöglicht. Da bringen wir uns selber um den Lohn. Wir hatten vereinbart, egal was passiert, wie die Stimmung in der Halle ist, ruhig zu bleiben, eventuell auch mal das Tempo herauszunehmen, das ist uns nicht gelungen und wir haben das Spiel aus der Hand gegeben“, sah es im Nachgang auch VFL-Trainer Emir Kurtagic. Und fürwahr, der Lauf der Wetzlarer zum 24:22 (43.) durch einen sehenswerten Konter über Philipp Müller, den Jens Tiedtke abschloss, wendete das Blatt zu Gunsten der Gastgeber. Fortan waren es die Hausherren, die wieder den Ton angaben.

Insbesondere die starke 6:0 Deckung der Müller, Mraz und Co. gewann eine Vielzahl an Bällen, welche die HSG mit aller Konsequenz zu Kontern vortrug. Aber auch Gummersbach steckte nicht auf und versuchte das Tempo mitzugehen. Wenn die 3938 Zuschauer beim 29:25 (49.) durch Michael Müller an eine Vorentscheidung glaubte, der sah sich erneut getäuscht, denn mit großem Kampfgeist und Willen schafte Mahe erneut den 28:30 (51.) Anschluss.

Doch nun ließ sich  Wetzlar nicht mehr beirren und spielte die größeren personellen Möglichkeiten aus. Kevin Schmidt, mit zehn Treffer bester Schütze der HSG, mit den Treffern 31, 32 und 33 sowie Steffen Fäth mit dem 34:28 (54.) ließen nun kein Zweifel mehr am Sieg der Wetzlarer. In den verbleibenden Minuten wogte die Partie zwar noch einmal mit insgesamt acht Treffern hin und her, doch die Entscheidung zu Gunsten der Wetzlarer war längst gefallen. Mit 38:32 siegten die Lahnstädter letztlich deutlich aber sicher um das eine oder andere Törchen zu hoch wie nach der Begegnung unter anderem auch Alois Mraz, Niko Weber und Kai Wandschneider befanden. Nichtsdestotrotz zeigte sich der Übungsleiter der Gastgeber sehr zufrieden über den Sieg „Es war lange ein Kopf an Kopf Rennen und schlussendlich haben wir uns über unsere konsequente Spielweise in der schnellen Mitte, der ersten und zweiten Welle durchgesetzt. Auch wenn heute so viele Treffer fallen, so denke ich, haben wir mit der 6:0 Deckung sehr gut im Positionsspiel gestanden“. 

Schon Im Vorfeld hatte der Sportwissenschaftler vor der immensen spielerischen Qualität der Gummersbacher gewarnt. Am Rande der Partie bestätigte Geschäftsführer Björn Seipp den bereits Vormittags in der Presse kolportierten Wechsel der Müller-Zwillinge zum Saisonende „Ja, die beiden haben ihre bis zum 31.12. laufende Option für einen vorzeitigen Wechsel gezogen und verlassen den Verein zum 30.06.2013.“ Nicht zuletzt deswegen waren Wandscheider und Seipp aber um so stolzer über diesen Sieg „Die Pokalpleite am Mittwoch, die kurze Vorbereitungs- und Verarbeitungszeit bis heute, die vielen Verletzungen und angeschlagenen Spieler, sowie die Unruhen um diesen Wechsel, da hat die Mannschaft sehr gut reagiert“ so beide Unisono. Wandschneider fügte zudem an „Beide Müllers haben heute sehr stark gespielt und dies zeige schon, dass auch bis zum letzten Spiel im HSG-Dress beide alles geben werden. Ich jedenfalls freue mich jetzt auf jeden Tag, jede Woche, jeden verbleibenden Monat mit den beiden. So ist nun mal das Bundesligageschäft“

WETZLAR: Weber, Marinovic, Schmidt (10/4), Friedgeirsson, Tiedke (3), Rompf, Mraz, P.Müller (7), Reichmann (3), Fäth (3), M.Müller (9), Harmandic (1), Kristjansson (1).

GUMMERSBACH: Ristovski, Rezar; Mladenovic (1), Schindler (4), Kopco (1), Krause (2), Putics (4), Lützelberger, (2), Teppich, Mahé (4), Pfahl (7), Gaubatz, Sprem (1), Zrnic (6/1), 

SR: Mahlich/Harms, Zuschauer: 3938, Zeitstrafen: 8:10 Minuten (Wetzlar: M.Müller, P.Müller, Tiedtke, Harmandic – VFL: Mahe 2, Kopco 2, Krause)Strafwürfe: 4:6 / 1:1 ( Schmidt und Harmandic scheitern an Ristovski 2. Und 14.)

Stimmen zum Spiel:

Niko Weber (HSG): Ich bin sehr unzufrieden mit mir selber, ich hatte die Wurfbilder allesamt im Kopf und doch war ich immer einen Tick zu spät. Von daher bin ich sehr froh, dass unsere Deckung heute wieder sehr gut gearbeitet hat und wir uns so Mitte der zweiten Halbzeit zurückgekämpft haben. Alles in allem bin ich doch zufrieden mit dem Sieg, wir hatten jede Menge Wut im Bauch nach Mittwoch und wollten heute einen Neuanfang und das ist uns aus meiner Sicht über die Deckung und das schnelle Konterspiel gelungen. Kompliment an unsere Fans, die haben uns hier empfangen, als wenn die Pokalpleite nie geschehen wäre und uns genau da, als Gummersbach wegziehen wollte wieder einmal super unterstützt, DANKE.

Alois Mraz (HSG): Wir wollten heute alle ein gutes Spiel machen und die Pokalpleite wiedergutmachen. Entscheidend war diese tolle kämpferische Einstellung in der Deckung und das konsequente Tempospiel, da hat Gummersbach nachher nicht mehr mithalten können. Wir haben unser Selbstvertrauen behalten und unsere Konstanz war am Ende entscheidend, wen vielleicht auch etwas zu hoch.

Christoph Schindler (VFL): Ich bin riesig enttäuscht, wir führen in der zweiten Halbzeit mit zwei und verlieren dann mit sechs, so etwas darf nicht passieren. Wir haben nach einem holprigen Start gut in die erste Hälfte gefunden nur leider einmal mehr nicht geschafft das konstant auch in die zweite Hälfte mitzunehmen. Vieles von dem was wir uns vorgenommen haben, haben wir so nicht konsequent genug umgesetzt, das ist echt bitter.

 

Andreas Klotz (Ebi)