"Herbe Enttäuschung!" HSG Wetzlar unterliegt zu Hause Tabellenschlusslicht

Bild: www.sportfoto-vogler.de

DKB Handball-Bundesliga

Mittelhessen verlieren mit 20:22 (9:8) gegen stark ersatzgeschwächten Bergischen HC - Grün-Weiße im Angriff teilweise struktur- und harmlos - Wandschneider: "Emil Berggren war nach Einwechslung bester Rückraumspieler!"

Die HSG Wetzlar hat am Samstagabend einen bitteren Rückschlag in der Handball-Bundesliga hinnehmen müssen. In eigener Halle unterlagen die Grün-Weißen dem Bergischen HC mit 20:22 (9:8). Eine ebenso überflüssige wie ärgerliche Niederlage, denn allen voran im Angriff spielten die Mittelhessen nicht annähernd auf dem Niveau, das sie erst zuletzt gegen Kiel oder in Balingen abgerufen hatten.

Die Gäste waren ohne Sieg in die Rittal Arena angereist und plagen sich mit großen Verletzungssorgen herum. Schon vor Anpfiff sorgte die Spielgemeinschaft aus Wuppertal und Solingen für eine Überraschung: Denn Viktor Szilagyi, der im Sommer bei den „Löwen“ eigentlich seine Karriere beendet hatte und nun als Vereinsfunktionär des BHC fungiert, stand im Aufgebot der stark ersatzgeschwächten Gäste.

Anfangs schien es dennoch so, als würden die Gastgeber ihrer Favoritenrolle  gerecht werden. Nach sieben Minuten führte sie mit drei Toren. Mit einem Sahnepass hatte Torhüter Nikolai Weber seinen Kreisläufer Jannik Kohlbacher bedient, und der Nationalspieler hatte keine Mühe, nach acht Minuten per Tempogegenstoß das 4:1 zu erzielen. Auch beim 7:4 (19.) hatte die Drei-Tore-Führung Bestand. 

Wer nun aber dachte, dass die Grün-Weißen die Partie im Griff hatten, sah sich getäuscht. Der Bergische HC, der inklusive Torhüter lediglich zwölf Akteure aufbot, verstand es im Angriff geschickt das Tempo herauszunehmen. Gäste-Coach Sebastian Hinze brachte dann seinen Sportlichen Leiter: Szilagyi glänzte als Regisseur, ließ den Ball mit viel Übersicht laufen und so war das Ligaschlusslicht nicht abzuschütteln. Zumal die Wetzlarer vor allem in eigener Überzahl zu überhastet abschlossen. Linkshänder Kristian Björnsen scheiterte dabei, beim Stand von 7:6, am immer stärker werdenden Keeper Christopher Rudeck im BHC-Gehäuse.

Auf der Gegenseite besorgte Tomas Babak kurz später aus dem Rückraum das 8:8. Erst Wetzlars Abwehrchef Evars Klesniks, der nach dem Ausfall des Portugiesen Joao Ferraz nun auch immer mehr im Angriff gefordert war, rettete mit seinem beherzten Treffer von halbrechts die knappe Pausenführung für seine Farben.

Der zweite Durchgang fing wie der erste an: Wieder war es ein Tempogegenstoß von Jannik Kohlbacher, der die Domstädter mit 11:8 nach vorne brachte, wieder schafften sie es nicht, sich weiter abzusetzen. Schon beim 13:12 (41.) musste Wandschneider eine Auszeit nehmen: Der 56-jährige brachte mit Philipp Weber, Neuzugang Emil Berggren und Vladan Lipovina eine neue Rückraum-Formation. „Wir hatten aus der zweiten Reihe keine Gefahr und bis dahin gerade einmal vier Treffer aus dem Rückraum erzielt. Nach seiner Einwechslung war Emil unser bester Spieler“, wusste Wandschneider hinterher. 

Die Gäste hatten aber nun Blut geleckt und Wetzlar taumelte - nach dem Motto „Angst fressen Seele auf“! Spätestens nachdem Linkshänder Arno Gunnarsson das 14:13 besorgte, schien die Überraschung möglich. Bei Wetzlar fiel noch Berggren, der seine ersten drei Treffer für seinen neuen Club erzielte, auf, aber der Bergische HC hatte seinen Sportlichen Leiter: Szilagyi. Sieben Treffer, sechs im zweiten Durchgang, markierte der mittlerweile 38-Jährige und stellte die HSG – wie schon so oft in der Vergangenheit – vor ein Rätsel.

„Wir wussten, dass er aufläuft. Dass er noch gut mit dem Ball umgehen kann und man ihn aggressiv angehen muss, weiß jeder“, erklärte Nikolai Weber nach der Partie. „Warum wir das nicht geschafft haben, ist aktuell schwer zu erklären!“

Nachdem Szilagyi zur 21:19-Führung der Bergischen Löwen einwarf, verkürzte Philipp Weber noch einmal auf 20:21, aber bereits 40 Sekunden vor dem Ende machte Alexander Oelze den Auswärtscoup perfekt.

„So ein Erlebnis, was wir hier heute mit der Truppe hatten, ist einfach unbezahlbar“, sagte der „spielende“ Sportliche Leiter des Bergischen HC, Viktor Szilagyi, der einmal mehr die HSG Wetzlar gehörig geärgert hatte.

„Für uns war klar, dass wir das Spiel gewinnen mussten. Das ist ein herber Rückschlag für uns“, sagte ein tief enttäuschter HSG-Trainer Kai Wandschneider nach der Partie. Geschäftsführer Björn Seipp ergänzte: "So gehen Spiele aus, die man vielleicht schon vorher gewonnen zu haben glaubt! Heute hat es unserem gesamten Team an der nötigen Konzentration und der hundertprozentigen Einstellungen zur Situation gefehlt. Dass der Bergische HC ersatzgeschwächt ist, hat offenbar mehr in den Köpfen unserer Spieler angestellt, als in denen der Gäste. Wir gewinnen in der Handball-Bundesliga kein Spiel im Vorbeigehen, aber vielleicht haben sich das einige unserer Spieler heute so vorgestellt und dann ist es, wenn es auf einmal eng wird und bleibt, unheimlich schwer den Schalter noch einmal umzulegen. Der Auftritt unserer Mannschaft war heute eine herbe Enttäuschung!"

BHC-Trainer Sebastian Hinze war dagegen mächtig stolz auf sein Team: „Wir sind unglaublich glücklich, die zwei Punkte mitgenommen zu haben. Wir haben hier durchaus unsere Chance gesehen.“