Hoffen auf das Aha-Erlebnis

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HSG Wetzlar will morgen bei der TSV Hannover-Burgdorf Mini-Krise beenden

In den vergangenen Tagen hatten die Bundesliga-Handballer der HSG Wetzlar ein bisschen Zeit zum Durchschnaufen. Der Länderspiel-Pause sei dank. "Das hat gutgetan", sagt Trainer Gennadij Chalepo, der mit seinen Spielern viel im individuellen Bereich gearbeitet hat, um Fehler abzustellen, damit die Grün-Weißen wieder in die Spur finden. Am Samstag wollen die Wetzlarer ihre Mini-Krise nach zuletzt fünf Pflichtspielen ohne Sieg bei der TSV Hannover-Burgdorf (Anwurf: 19 Uhr) beenden.

 

Auch wenn das letzte Erfolgserlebnis schon über einen Monat zurückliegt (33:28 gegen den Bergischen HC am 2. Oktober), macht Chalepo eine "gute Stimmung" unter seinen Spielern aus. Überhaupt beobachtet der Übungsleiter, dass seine Mannschaft im Training "vieles richtig gut umsetzt", in den Partien dann aber häufig falsche Entscheidungen trifft. "Uns fehlt das Aha-Erlebnis", sagte Torhüter Nikolai Weber nach der 27:33-Niederlage vor zwei Wochen in eigener Halle gegen die Rhein-Neckar Löwen. Ein solches Aha-Erlebnis soll am Samstag in Hannover gelingen.

Ob Lars Friedrich gegen seinen Ex-Verein, für den er in der Saison 2009/2010 spielte, auflaufen kann, ist noch ungewiss. Der Linkshänder knickte im Training um und zog sich einen Bänderriss im rechten Fuß zu. Ansonsten hat Chalepo bei der Reise in die niedersächsische Landeshauptstadt alle Mann an Bord. Die sechs Nationalspieler sind ohne Blessuren von ihren Einsätzen zurückgekehrt, auch der zuletzt vom HSG-Coach nicht berücksichtigte Peter Jungwirth steht wieder im Kader. "Ich brauche jeden Mann. Auch Peter. Er hat eine Pause bekommen, ist jetzt aber wieder mit dabei", stellt Chalepo klar, der vor dem morgigen Gegner eine gehörige Portion Respekt hat.

"Das ist eine starke Mannschaft", sagt der gebürtige Weißrusse, dem vor allem die letzten Ergebnisse der Burgdorfer imponiert haben: 36:31-Sieg in Melsungen, knappe 34:37-Niederlage gegen den HSV Hamburg. Das zeugt von Qualität beim Tabellen-14., der in den bisherigen neun Saisonpartien nur einmal chancenlos war - und zwar beim 19:34 in Kiel.

"Wir sind mit unseren sechs Punkten sehr zufrieden. Wir hatten einen schwierigen Saisonstart", sagt TSV-Trainer Christopher Nordmeyer, der im Februar die Nachfolge des glücklosen Isländers Aron Kristjansson angetreten hat. Seitdem geht es bei den Burgdorfern bergauf. Mit dem ehemaligen Außenspieler, der von 1996 an maßgeblichen Anteil daran hatte, dass der TSV von der Ober- in die Bundesliga aufstieg, an der Seitenlinie gelang der Klassenerhalt. In dieser Runde setzten die Niedersachsen neben dem Erfolg in Melsungen vor allem mit dem 33:32-Coup in eigener Halle gegen die Rhein-Neckar Löwen ein Ausrufezeichen.

Coach schwärmt von Clößner

Zwei, die bei der Turn- und Spielvereinigung Akzente setzen, sind in Mittelhessen keine Unbekannten. Piotr Przybecki, von 1995 bis 1997 für den TV Hüttenberg aktiv, gehört trotz seiner 39 Jahre immer noch zu den Leistungsträgern. Und bei Mario Clößner, der von der Jugend an bis 2007 für die HSG Wetzlar spielte und nach seinem Engagement bei der HSG Ahlen/Hamm im Sommer beim TSV anheuerte, gerät Nordmeyer regelrecht ins Schwärmen: "Mario ist ein super Typ, ein super Spieler, der nach seinem Verletzungspech endlich fit ist. Für mich ist er einer der besten deutschen Kreisläufer."

Neben Clößner und Przybecki bauen die Burgdorfer auf den 38-jährigen Torwart-Routinier Nenad Puljezevic, auf Abwehrchef Csaba Szücs, auf den dänischen Spielmacher Morten Olsen, den isländischen Linkshänder Asgeir Örn Hallgrimsson sowie die flinken Außen Torge Johannsen und Lars Lehnhoff. Außer den Langzeitverletzten Nikolas Katsigiannis und Gustav Rydergard kann Nordmeyer derzeit auf seinen kompletten Kader bauen. Auch Szücs, der sich bei seinem Nationalmannschaftseinsatz für die Slowakei eine Fersenverletzung zugezogen hat, dürfte bis Samstagabend fit sein.

Vor den Wetzlarern hat der 43-jährige Coach gehörigen Respekt. "Es ist schwer, gegen diese Mannschaft zu gewinnen", meint der Deutsch- und Sportlehrer, der sich im Sommer vom Schuldienst beurlauben ließ, um sich ganz dem Trainerjob widmen zu können. Sein erstes Aufeinandertreffen mit der HSG als Coach ging für Nordmeyer daneben. Im April gewannen die Grün-Weißen in eigener Halle mit 32:26.

Die Wetzlarer hätten nichts dagegen, wenn es morgen ähnlich positiv laufen würde. Denn ein Erfolgs-Erlebnis könnten sie gebrauchen angesichts der schweren Aufgaben, die im November noch warten. Erst kommt der THW Kiel, dann geht es zur MT Melsungen.

Arne Wohlfarth