Hombrados-Ausstand mit Heimsieg gekrönt!

DKB Handball-Bundesliga

HSG Wetzlar schlägt ThSV Eisenach zu Hause mit 28:23 - Über 4.300 Fans freuen sich über gelungenes Debüt von Carlos Prieto

Die Erwartungen waren groß, dementsprechend auch der Druck und der Start der HSG Wetzlar in die Partie gegen den ThSV Eisenach von Kampf geprägt. Ausgeglichen gestaltete sich die Anfangsphase und während die Grün-Weißen versuchten mit flüssigem Angriffsspiel die gegnerische Abwehr in Bewegung zu bringen, bestachen die Eisenacher wie erwartet mit einer harten und aggressiven Deckung. 

Wetzlar konnte die Angriffsbemühungen zwar regelmäßig mit Torerfolgen beenden, doch weil die Wartburgstädter ihrerseits mit vielen individuellen Aktionen, zum Beispiel durch Routinier Sklenak, zu Erfolgen kamen, stand es nach elf Minuten gerade einmal 5:5. In der Folge änderte sich wenig am Spiel: Wetzlar mühte sich, verstrickte sich oft in Einzelaktionen oder ließ sich von der aggressiven Abwehr der Eisenacher stoppen, Eisenach lebte im Angriff dagegen meist von Aktionen in der Zweiergruppe oder Einzelaktionen. Ausgezeichneter Rückhalt in dieser Phase war auf Seiten der Gastgeber  einmal mehr „Hotta“ Hombrados mit seinen zahlreichen Paraden. Diese und zwei Zeitstrafen für die Gäste kurz hintereinander schienen das Blatt zu Gunsten der HSG Wetzlar zu drehen. Zunächst stürmte Trautvetter rüde und plump auf elf Metern gegen Balic und musste dafür die Bank aufsuchen. Nur einige Sekunden später war es dann Vrazalic, der mit einer irregulären Attacke gegen HSG-Neuzugang Carlos Prieto für zwei Minuten pausieren musste. Wetzlar nutzte die Gunst der Stunde und erhöhte trotz eines zwischenzeitlichen Siebenmeter-Fehlwurfs auf drei Treffer zum 12:9 (24.) durch Kevin Schmidt. 

Doch dem Wetzlarer Coach schien das Auftreten seiner Akteure im Angriff zu missfallen und so kam es nach 25 Minuten zur ersten Auszeit durch Kai Wandschneider. Scheinbar fand der Taktiker einmal mehr die richtigen Worte, denn direkt im Anschluss erhöhte Fäth auf 13:9 und erneut Schmidt in Unterzahl von Linksaußen auf 14:9 (27.). Doch die Gäste blieben weiter ruhig und dies auch der letzte Treffer der Wetzlarer vor der Pause. Eisenach beraubte sich kurz vor der Pause dann selbst um die Chance, den Spielstand zu verkürzen, als der quirlige Este Jaanimaa, der bereits zuvor einmal gegen Jens Tiedtke durch Nachschlagen auffiel, im Angriff ausholte, erneut seinen Gegenspieler schlug und dafür völlig zurecht eine Zeitstrafe erhielt. So wurde beim 14:10 die Seiten gewechselt.

Der Start in die zweite Hälfte wollte den Grün-Weißen dann nicht gelingen. Eisenach schien sich noch einmal viel vorgenommen zu haben, die Partie doch noch irgendwie zu drehen und im Wetzlarer Angriff war Sand ins Getriebe geraten. Oftmals mühten sich die Balic, Fäth und Co., doch waren die Aktionen oft zu umständlich und zu durchsichtig. Zwar gelang den Domstädtern immer wieder ein Treffer, doch, wie schon in einer Phase der ersten Hälfte, mussten sich die Wandschneider Sieben dafür extrem abstrampeln. So kam es, dass sich Eisenach nicht abschütteln lies und auch beim 18:15 (43.) durch Vrazalic noch alle Chancen hatte. 

Und der ThSV glaubte an seine Chance, zeigte körperliche Präsenz, die bisweilen in grenzwertige Härte umschlug. So auch bei Adrian Wöhler, der in der 44. Minute auf 10 Metern ruppig gegen den Körper von Florian Laudt rannte und diesen unfair zu Fall brachte. Im Anschluss an diese Szene schaffte es dann die HSG Wetzlar sich beim 21:17 (48.) durch den Kapitän Jens Tiedtke erstmals wieder mit vier Treffern abzusetzen. Nun schien der Bann gebrochen und die Domstädter  wieder mit besseren Möglichkeiten und Optionen ausgestattet die ThSV-Deckung zu knacken. Besonders die guten Kreuzbewegungen mit Einläufern schafften nun Räume, die Wetzlar nutzte. Kevin Schmitt war es dann, der per Siebenmeter beim 26:21 (54.) die Weichen wohl endgültig auf Sieg stellte. Doch für die Wartburgstädter schien dies wohl noch nicht so selbstverständlich. Weiter mit viel physischer Präsenz und Härte kämpften die Gäste und trotz des 28:22 (57.) durch Tiedtke blieb die Begegnung extrem intensiv. Der in Halbzeit zwei deutlich besser agierende Jonsson auf Eisenachs Mittelposition war es dann, der in der 58. Minute mit dem 23:28 für seine Farben den letzten Treffer der Partie erzielte. 

Ob es die Enttäuschung über die Niederlage oder die eigene Leistung war, Elisson ließ sich dann Sekunden vor dem Ende noch dazu hinreißen, Tobi Reichmann nachzulaufen und ihn auf 13 Metern umzustoßen, was die umsichtig leitenden Immel/Klein noch mit einer Zeitstrafe ahndeten.

Schöner Höhepunkt der Begegnung war dann direkt nach dem Abpfiff die Verabschiedung von Jose Hombrados. Der spanische Weltklassetorhüter war kurzfristig als Ersatz für den verletzten Magnus Dahl verpflichtet worden und binnen weniger Tage zum „Ankerpunkt der Mannschaft“ (Wandschneider) und zum Liebling der Fans geworden. Beinahe alle 4300 Zuschauer verweilten bei den lobenden Worten des Geschäftsführers Björn Seipp in der Rittal Arena und die Wetzlarer Fans stimmten für ihren „Hotta“ ein lautstarkes „Humba, Humba“ an, so dass dem 41 jährigen die Tränen in den Augen standen.

HSG Wetzlar: Wolff, Hombrados; Schmidt (5/2), Prieto, Tiedtke (5), Rompf (1), Tönnesen (4/1), Reichmann (5),  Laudt, Fäth (4), Bliznac, Balic (3), Klesniks (1).

ThSV Eisenach: Villadsen, Gorobtschuk, Trabert;Trautvetter, Elisson (1), Sklenak (3), Wöhler (2), Jurdzs (4), Jonsson (4/1), Luther (4), Pucelj, Jaanimaa (3), Vrazalic (2), Heinemann.

Schiedsrichter:  Immel / Klein (Ratingen/Tönisvorst) –Zuschauer: 4303 – Zeitstrafen: 6:18 Minuten (HSG: Fäth 2x, Prieto - ThSV:  Trautvetter, Vrazalic, Jaanimaa, Sklenak, Elisson) – Rote Karte: Wöhler, ThSV (44.), grobes Foulspiel – Strafwürfe: 4:3 / 2:1 (Tönnesen scheitert anG orobtschuk (23.), Jonsson scheitert an Hombrados (35.)).

Stimmen zum Spiel:

Kai Wandschneider (Trainer HSG Wetzlar): Ich bin natürlich sehr zufrieden, dass wir dieses extrem wichtige Spiel heute gewinnen konnten. Solche Partien stellen immer einen besonderen Druck dar und sind im Kampf um den Klassenerhalt eine große nervliche Belastung. Wir sind hier heute auf einen guten Gegner getroffen, der sehr gut vorbereitet war und nie locker gelassen hat. Insofern bin ich recht stolz auf unsere Mannschaft, dass wir auch in einem kleinen Wellental ruhig geblieben sind und weiter gemacht haben. Das war heute ein 'Big-Point-Spiel' und Eisenach hat es uns sehr schwer gemacht, uns immer wieder mit ihren schnellen Kontern betraft. Sehr zufrieden bin ich mit dem Einstand von Carlos Prieto, er hat heute gezeigt, dass er uns weiter helfen wird. Schade ist, dass wir heute Jose Hombrados verabschieden mussten, er war ein Geschenk und eine große Hilfe. Er hat Ruhe reingebracht, besonders bei unseren jungen Spielern. Mit Steffen Fäth und Kent Robin Tönnesen haben wir zwei extrem junge Akteure auf den Königspositionen im Angriff. Besonders ihnen hat er sehr geholfen. Trotzdem mein Kompliment und die Anerkennung für den Gegner und dessen Trainer, sie haben nie aufgesteckt und hier hervorragend gekämpft.

Adalsteinn Eyjolfsson (Trainer ThSV Eisenach): Ich bin heute sehr stolz auf unsere Mannschaft, vor Allem auf unsere Deckung. Ich denke, das war heute wohl die beste Saisonleistung bisher. Was uns in den entscheidenden Phasen gefehlt hat, das war in der ein oder anderen Situation eine bessere Torhüterleistung. Schlussendlich waren es aber auch die technischen Fehler meiner Mannschaft in der Vorwärtsbewegung und die Fehlwürfe der Nahwurfzone entscheidend für die Niederlage. Wetzlar hat dies heute recht konsequent bestraft und sicher auch etwas Glück, sonst wäre es vielleicht noch etwas enger geworden. Kampf und Moral waren bei uns heute absolut ok, aber das reicht nicht für den Sieg.

Karsten Wöhler (Geschäftsführer ThSV Eisenach): Glückwunsch an die HSG für diesen, für die Wetzlarer sehr wichtigen Sieg heute. Wir sind heute sehr stolz darauf, wie wir hier aufgetreten sind und gekämpft haben. Wir haben immer an unsere Chance geglaubt und das, obwohl wir nie weiter als drei Treffer rangekommen sind. Wir haben daher bis zum Ende alles gegeben, weil es für uns bis drei bis vier Minuten vor Ende eben nicht entschieden schien. Ich persönlich hatte mich auf Wetzlar gefreut und bin sehr zufrieden, es war ein gutes Bundesligaspiel und eine gute Atmosphäre, ich fand es zudem sehr fair heute.

José Hombrados (Torhüter HSG Wetzlar): Es war heute eine sehr tolle Sache für mich. In mir sind eine ganze Menge Gefühle und ich weiß gar nicht, wie ich es ausdrücken soll. In ganz wenigen Tagen habe ich alle Herzen in Wetzlar gefühlt und gespürt, dafür sage ich einfach nur Danke, Danke, Danke. Es war eine großartige Zeit und es fühlt sich, besonders nach dem Sieg sehr gut an. Heute waren wir sehr gut in der Deckung, 23 Gegentreffer sind ein gutes Indiz dafür. In der ersten Halbzeit haben wir zudem im Angriff gute Möglichkeiten und Variationen gefunden. Das war insbesondere in den ersten fünfzehn Minuten der zweiten Halbzeit war das im Angriff nicht so gut und Eisenach hat in der Deckung weiter gut dagegen gehalten. Wir haben heute ein sehr intensives und hartes Deckungsspiel gesehen. Für mich war es etwas ganz Besonderes, zum einen der erste Sieg vor diesem fantastischen Publikum und zum anderen mein Abschied. Ich bin sehr froh, dass es am Ende für alle so eine tolle Sache war.

Arno Jung (Teammanager HSG Wetzlar): Dass wir diese Nervenprobe heute bestanden haben, war sehr wichtig. Besonders nach dem Sieg in Balingen waren schon diverse Stimmen laut, die heute und am Dienstag im Pokal gegen den Bergischen HC einen Sieg vorausgesetzt haben. Aber das sind alles andere als Selbstläufer, wie wir heute gesehen haben. Der ThSV war heute sehr gut eingestellt, um so wichtiger ist dieser Sieg heute. Nun freuen wir uns auf den Pokal am Dienstag um 19 Uhr in Dutenhofen gegen den BHC und auf das anschließende Spiel in Balingen am Ende der englischen Woche und hoffe, dass uns dort am Ende dann auch wieder gratuliert wird.