HSG entzaubert die Gallier

DKB Handball-Bundesliga

31:18-Sieg in Balingen nach Weltklasse-Torhüterleistung

Der HBW Balingen/Weilstetten hat für die HSG Wetzlar seinen Schrecken verloren. Gestern Abend triumphierten die Grün-Weißen in der als „Hölle Süd“ gefürchteten Sparkassen Arena sensationell mit 31:18 (15:7) und setzten den erhofften Befreiungsschlag in der Handball-Bundesliga. 

Zum Vater des ersten Auswärtserfolges der Saison avancierte José Javier Hombrados. Der spanische Weltmeister, Olympiasieger und Champions-League-Gewinner wurde allen Ansprüchen gerecht, parierte drei Siebenmeter, zwei Tempogegenstöße und weitere 16 Würfe. „Das war überragend“, befand Trainer Kai Wandschneider. „Er hat der Mannschaft große mentale Stärke gegeben.“ An seiner Weltklasseleistung richteten sich seine Vorderleute auf und steigerten sich zu einer wahrhaft fulminanten Vorstellung. „Ich bin sehr glücklich. Ich wusste, dass dieses Spiel aufgrund der Atmosphäre etwas ganz besonderes ist und ich denke, wir haben das gut gemeistert“, meinte der Spanier bescheiden. „Das Resultat, aber auch die Darbietungen in Angriff und Abwehr haben absolut gestimmt.“ 

Dank Hombrados ziehen die Wetzlarer früh uneinholbar davon 

Bis zum 4:4 (11. Minute) konnte Balingen die Begegnung noch offen halten. Dann bekam die HSG auch ohne Carlos Prieto, dessen Spielgenehmigung gestern noch nicht vorlag, Oberwasser. Gestützt auf Hombrados zogen die ruhig und clever ihr Spiel aufziehenden Gäste mit 11:5 (24.) in Front, und die 2320 Zuschauer in der restlos ausverkauften Halle wurden langsam etwas ruhiger. Jetzt stand die Abwehr und ließ sich von der taktischen Variante der Hausherren, immer wieder einen siebten Feldspieler für den Torhüter zu bringen, unbeeindruckt. „Wir haben genau das umgesetzt, was Kai Wandschneider in der vergangenen Woche mit uns eingeübt hatte“, meinte Rechtsaußen Tobias Reichmann. Der wieselflinke Flügelflitzer steuerte acht Tore bei, davon zwei Kempa-Trick-Treffer. Einer davon zum 15:7-Pausenstand. Damit war der Widerstand der Hausherren bereits gebrochen. 

In der zweiten Halbzeit verzichtete Balingens Trainerfuchs Rolf Brack auf den siebten Feldspieler, probierte stattdessen 5:1-, 4:2- und 3:3-Formationen in der Defensive aus. Allesamt jedoch vergeblich. „Wir haben viele freie Würfe vergeben und bei unseren Kontern nur vier von zwölf Chancen genutzt. So ist die Angst vor dem Wetzlarer Torhüter entstanden“, so Brack. In der zweiten Halbzeit ließen sich die Grün-Weißen nicht mehr die Butter vom Brot nehmen. Sie behielten stets die Übersicht und steuerten so einem völlig ungefährdeten Sieg entgegen. Beim 25:11 in der 47. Minute durch den bärenstarken Kristian Bliznac war die Führung erstmals auf 14 Treffer ausgebaut, ehe zum Schluss die völlig überforderten „Gallier von der Alb“ das Ergebnis noch ein klein wenig schönen konnten. 

„Wir genießen jetzt den Erfolg, bleiben aber auf dem Teppich, weil wir wissen, dass das nur eine Momentaufnahme ist und wir fleißig weiterarbeiten müssen“, erklärte Tobias Reichmann abschließend. Recht so. 

Balingen/Weilstetten: Katsigiannis, Puhle (ab 23.) – Böhm, König, Tubic, Ettwein Schlinger (3/2), Wolfgang Strobel (2), Theuerkauf (3), Wessig, Martin Strobel (3/1), Häfner (6), Billek (1), Liniger. 

Wetzlar: Hombrados, Wolff (n.e.) – Schmidt (1), Tiedtke (1), Rompf (4), Weber (1), Tönnesen (8/5), Reichmann (8), Laudt, Fäth (2), Hahn, Bliznac (3), Balic (2), Klesniks (1). 

Schiedsrichter: Grobe/Kinzel (Braunschweig/Bochum – Zuschauer: 2320 – Zeitstrafen: Balingen/Weilstetten drei (Martin Strobel, Häfner, Schlinger), Wetzlar drei (Fäth, Bliznac, Tiedtke) – verworfene Siebenmeter: Liniger (Balingen/Weilstetten) scheitert an Hombrados (4.), Martin Strobel (Balingen/Weilstetten) scheitert an Hombrados (18.), Theuerkauf (Balingen/Weilstetten) scheitert an Hombrados (21.), Schlinger (Balingen/Weilstetten) wirft an den Pfosten (59.). 

Quelle: Wetzlarer Neue Zeitung