HSG schrammt an Sensation vorbei

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Pokal-Aus nach Verlängerung

Sekt oder Selters, die bei Pokalspielen übliche Frage, blieb gestern Abend nach der regulären Spielzeit zwischen der HSG Wetzlar und der SG Flensburg-Handewitt unbeantwortet. Die packende und an Spannung nicht zu überbietende Pokalauseinandersetzung der beiden Handball-Bundesligisten musste nach der 60. Minute beim Stande von 25:25 (12:13) in die Verlängerung gehen, in der die Norddeutschen glücklich mit 29:27 das bessere Ende für sich hatten.

 

Damit hatte der große Favorit aus Flensburg nicht gerechnet, dass er als deutscher Vize-Pokalsieger bei der HSG Wetzlar ins Straucheln kommen würde. Bereits in der ersten Halbzeit agierten beide Teams auf Augenhöhe, sodass keine Mannschaft sich entscheidend absetzen konnte. Deutlich war bei den Gastgebern zu spüren, dass sie sich für die Anfang Oktober in Flensburg erlittene 30:36-Punktspielniederlage revanchieren wollten. Sie boten den Gästen deutlich Paroli.

Besonders Timo Salzer und Philipp Müller sprühten vor Tatendrang und setzten im Angriff hervorragende Akzente. Doch wie bereits in Flensburg waren die Gästetorhüter Mattias Andersson und Sören Rasmussen eine Klasse für sich. Allein den neun Paraden von Andersson in der ersten Halbzeit hatten es die Gäste zu verdanken, dass sie mit einer knappen 13:12-Führung in die Pause gingen. Nachdem der SG-Zerberus bei den ersten drei HSG-Angriffen zum 15:15 (Fäth, 34.) keine Hand an die Bälle bekam, machte er Platz für Rasmussen, der prompt mit seinen reaktionsschnellen Paraden dafür sorgte, dass sich seine Truppe beim 15:18 (40.) erstmals deutlich absetzte.

Der Drei-Tore-Vorsprung hielt bis zur 50. Minute (Mogensen, 20:23), doch die kampfstarken Gastgeber ließen sich nicht entmutigen, auch wenn sie teilweise sechs Wurfversuche auf das gegnerische Tor in einem Angriff benötigten. Kampfeswille und Moral der Chalepo-Schützlinge übertrugen sich auf die Ränge der nicht ausverkauften Halle. Jetzt stand das Publikum auf den Sitzen, als die HSG in den hektischen Minuten kühlen Kopf behielt. Kevin Schmidt zeigte beim Siebenmeter keine Nerven und verkürzte auf 22:24 (57.). Auf der Gegenseite scheiterte Lars Kaufmann zweimal an Nikola Marinovic, sodass die Lahnstädter durch Schmidt und Daniel Valo auf 24:24 herankamen. Selbst als Michael Knudsen 17 Sekunden vor dem mutmaßlichen Ende zum 24:25 einschoss, gaben sich die Hausherren nicht geschlagen. Unter dem frenetischen Jubel des Publikums markierte Salzer drei Sekunden vor der Sirene den 25:25-Ausgleich.

Die HSG Wetzlar hatte mit ihrem unbändigen Siegeswillen und der großartigen Unterstützung der Zuschauer den heißen Pokalfavoriten regelrecht geschockt. In der Verlängerung überwog auf beiden Seiten der körperliche Einsatz. Als der starke Holger Glandorf für zwei Minuten auf die Bank musste, gingen die Mittelhessen durch Philipp Müller gar 26:25 in Führung. Pech für die Chalepo-Truppe, dass Mogensen im Gegenzug der Ausgleich gelang. In der zweiten Halbzeit der Verlängerung „nagelte“ Rasmussen sein Gehäuse zu. Mocsai und Glandorf trafen zum 26:28, ehe Philipp Müller 62 Sekunden vor dem Ende noch einmal zum 27:28 konterte. Zu mehr reichte es nicht, denn Glandorfs 27:29 bedeutete das Pokal-Aus für die überraschend starken Wetzlarer.

SG-Trainer Ljubomir Vranjes räumte nach dem Schlusspfiff ein, „dass wir heute am Ende ein glücklicher Sieger waren. Wir sind froh, die nächste Runde erreicht zu haben, auch wenn es aus unserer Sicht kein optimales Spiel war.“ HSG-Coach Chalepo danke den Fans für die tolle Unterstützung und Stimmung in der Halle, „die mich noch an meine aktive Zeit erinnerten“. Für den Trainer war das Spiel „ein Kampf auf Augenhöhe, in dem uns in der Schlussphase die Cleverness fehlte, weil es uns nicht gelang, in Überzahl ein Tor zu erzielen.“

Ulrich G. Monz