HSG unterliegt in Minden

Nicht zu stoppen: Mindens Spielmacher Dalibor Doder

DKB Handball-Bundesliga

Grün-Weiße verlieren ohne Mraz und gespeerten Philipp Müller in Minden

Die nahezu perfekte Saison der HSG Wetzlar hat einen schwarzen Fleck erhalten. Beim Aufsteiger GWD Minden wurden die hessischen Überflieger jäh auf den Boden der Realität geholt. Die HSG-Handballer verloren das Bundesliga-Auswärtsspiel gestern Abend in Minden mit 26:35 (11:17).

Durch diese Niederlage fielen die Wetzlarer in der Tabelle hinter Hannover-Burgsdorf und den HSV Hamburg auf Platz sieben zurück.
»Ich bin sehr enttäuscht von diesem Auftritt. Das war sicher unser schlechtestes Auswärtsspiel«, stellte Trainer Kai Wandschneider nach der höchsten Schlappe in fremder Halle nüchtern fest und schob die Erklärung gleich hinterher: »Unser Problem lag im Positionsangriff. Kein Rückraumspieler war in normaler Form, ausgenommen in der zweiten Halbzeit Fannar Fridgeirsson«, sagte Wandschneider und nahm seine Spieler in Schutz: »Wir haben bisher eine überragende Saison gespielt, aber jetzt ist die Mannschaft ein bisschen platt.« 

Das war dem Team ohne den gesperrten Philipp Müller in Minden deutlich anmerken. Von Beginn an schien die HSG überrascht vom offensiv und aggressiv auftretenden Mindener Team. Die WM-Kandidaten Steffen Fäth und Tobias Reichmann kamen nur schwer zum Zug, die ganze Mannschaft spielte wie mit gezogener Handbremse. Das 9:8 durch Linksaußen Kevin Schmidt (gestern sicherer Siebenmeterschütze), der ebenfalls in Spanien dabei ist, nach 16 Minuten war die einzige Führung, danach nahm Minden den Gästen Tor um Tor ab und ging bis zur Pause mit 17:11 in Führung. Nur einmal, direkt nach der Halbzeitpause, kam der HSG-Angriff ins Rollen. In dieser besten Phase der Partie schöpfte das Team Schwung aus der 3:3-Abwehr. In vier Minuten knöpften die Wandschneider-Schützlinge den Hausherren vier Tore in Folge ab und verkürzten den Halbzeitrückstand von 11:17 auf 15:17. Nikolai Weber hatte mit Beginn der zweiten Spielhälfte Nikola Marinovic im Tor abgelöst. Er hielt seiner Abwehr mit starken Paraden den Rücken frei und bis zur 40. Minute im Rennen. Steffen Fäth erzielte aus einem Freiwurf das 20:21, die Partie stand auf des Messers Schneide. Doch nur kurz. 

Minden hatte sich nun auf die offensive Abwehr eingestellt. Linksaußen Aljoscha Schmidt, der gestern gegen seinen ehemaligen Verein sein mit Abstand bestes Saisonspiel machte, traf nach Belieben, allein fünf Tore von 22:20 bis zum 28:23. Dabei profitierte Schmidt vom brillanten Zusammenspiel von Dalibor Doder und Christoph Steinert, die die offensive HSG-Deckung nun mit schnellem Spiel regelrecht sezierten. Überhaupt hatten die Gäste große Probleme mit Steinert, der nach Knieproblemen gestern sein Comeback feierte und als torgefährlicher Linkshänder dem Angriff viel Schwung verlieh. 

Zugleich verlor der HSG-Angriff, zuvor schon erfolglos auf der Suche nach einem Schlüssel gegen die aggressive GWD-Abwehr, nun vollends den Zugriff auf das Spiel. Michael Müller rieb sich an Mindens Junioren-Nationalspieler Nis Torbrügge auf und wurde von Wandschneider nach 52 Minuten gegen Daniel Valo getauscht. Als nach 56 Spielminuten die 1630 Zuschauer in der Kampa-Halle aufstanden und feierten, gingen bei den Gästen die Köpfe nach unten. Nichts ging mehr, und Minden legte zum 35:26 nach. 

GWD Minden: Vortmann (1. – 60., 11/1 Paraden), Persson (bei zwei Siebenm.); Steinert (2), Südmeier (n. e.), Torbrügge, Tesch (1), Svavarsson (1), A. Schmidt (11), Svitlica (6/2), Doder (7), Klesniks (1), Bilbija (6).
HSG Wetzlar: Marinovic (1. – 30., 5 Paraden),Weber (31. – 60., 4 Paraden); Kevin Schmidt (11/8), Fridgeirsson (4), Tiedtke (3), Pompf, Valo, Reichmann (1), Fäth (4), Michael Müller (1), Hahn (1), Harmadic, Kristjansson (1).
Im Stenogramm: Schiedsrichter: Baumgart/Wild (Altenheim/Elgersweiler). - Zeitstrafen: 4:6 Minuten (Svavarsson/14., Steinert/35. – Kevin Schmidt/18., Hahn/27, Reichmann/44.). Siebenmeter: 2/2:9/8 (Vortmann hält gegen Kevin Schmidt/15.). - Torfolge: 1:0, 1:1, 2:1, 2:2 (3.), 4:2, 4:3, 5:3, 5:4 (8.), 6:4, 6:6 (11.), 7:6, 7:7, 8:7, 8:9 (16.), 11:9 (20.), 13:10 (25.), 17:11 – 17:15 (34.), 18:15, 18:16, 19:16, 19:17 (37.), 20:17, 21:19 (41.), 21:20, 23:20 (43.), 23:21, 24:22, 26:22 (46.), 26:23, 28:23 (50.), 28:24, 30:24, 30:25, 32:25 (56.), 32:26, 35:26.

Quelle: Gießener Allgemeine Zeitung