HSG Wetzlar belohnt couragierte Leistung

DKB Handball-Bundesliga

Grün-Weißen besiegen TuS N-Lübbecke mit 31:28 - Daniel Valo spielt stark auf

Mit einer überzeugenden Vorstellung im vorletzten Heimspiel fuhren die Mannen von Kai Wandschneider die Punkte neun und zehn aus den letzten sechs Spielen ein. Nach der überaus erfolgreichen Hinrunde scheint die HSG Wetzlar auch in der Rückrunde ihren Rhythmus gefunden zu haben. Beim Wiedersehen mit Ex-HSG-Coach Gennadji Chalepo verteilten die Domstädter keine Geschenk an ihren ehemaligen Übungsleiter und sorgten mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung für Begeisterung unter den rund 3600 Zuschauern in der Rittal Arena. „Die Jungs haben heute ein weiteres Mal demonstriert, was für ein eingeschworener Haufen sie sind und haben sich diesen Sieg wahrlich verdient“, so ein hochzufriedener HSG-Geschäftsführer Björn Seipp. Nach dem achten Heimsieg in der laufenden Spielzeit ist das große Saisonziel „einstelliger Tabellenplatz“ nun in greifbarer Nähe.

Bis kurz vor dem Spiel hatte Wandschneider an seiner Aufstellung feilen müssen. Dann konnte der HSG-Trainer mit einer guten Nachricht aufwarten. Der zuletzt angeschlagen Nationalspieler Tobias Reichmann war fit für einen Einsatz. Auf Steffen Fäth konnte Wandschneider, wie schon in Essen, nicht zurückgreifen. Diesen Ausfall kompensierte die HSG jedoch mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung und im Rückraum sprangen Philipp Müller und Daniel Valo in die Bresche.

Starker Blazicko sieht Rot

Die Gegner aus Lübbecke erwischten den besseren Start und gingen nach fünf Minuten mit 4:1 in Führung. Immer wieder scheiterten die Grün-Weißen in der Anfangsphase am massiven Mittelblock der Gäste oder am stark aufspielenden Tormann Nikola Blazicko. Die HSG ließ sich jedoch vom frühen Rückstand nicht beirren und konnte in der zehnten Minute durch Kevin Schmidt per Tempogegenstoß zum 5:5 Ausgleichen. Wie vor Spielbeginn von HSG-Trainer Kai Wandschneider prognostiziert, entwickelte sich eine hart umkämpfte Partie. Beiden Teams war anzumerken, dass sie diese zwei Punkte nicht herschenken wollten. Die Hausherren hatten ihre Mühe mit der stabilen 6:0-Deckung der Chalepo-Schützlinge, während Lübbecke häufig am gut aufgelegten Nikola Marinovic scheiterte.

Nachdem der TuS zur Mitte der ersten Halbzeit leicht Oberwasser bekam und immer wieder drei Tore in Front gehen konnte, stabilisierten sich die Mittelhessen und glichen in der 23. Minute zum 11:11 aus. Drei Minuten vor Halbzeitende wuchtete Daniel Valo einen seiner gefürchteten Rückraumwürfe in das Netz der Gäste, was die zweite Führung in Hälfte eins für seine Farben bedeutete. In Folge dieses Führungstreffers zogen die Grün-Weißen das Tempo nochmals an und gingen mit 17:14 in die Kabine. Eine Minute vor der Halbzeitsirene mussten die Lübbecker einen schweren Verlust hinnehmen, da ihr Schlussmann Blazicko nach einem groben Foulspiel an Tobias Hahn glatt die rote Karte sah. „Wir haben zum Ende der ersten Hälfte noch einmal einen Gang hoch geschaltet und konnten somit mit einem wichtigen Polster in die Halbzeit gehen“, so der agile Kevin Schmidt.

HSG vergibt fünf Sieben-Meter

Die HSG kam konzentriert aus der Kabine und konnte sich auch in den ersten Minute der zweiten Hälfte auf ihren Rückhalt „Bobby“ Marinovic verlassen. „Nikola hat uns heute in der wichtige Phase im Spiel gehalten“, sagte der sechsfache Torschütze Daniel Valo. Der „Ösi“ im Kasten der HSG konnte nicht nur die Würfe aus der zweiten Reihe sondern auch freie Würfe entschärfen, woraufhin die Gastgeber nach 38 Minute auf 21:16 leicht davonziehen konnten. Gäste-Trainer Gennadji Chalepo blieb nichts anderes übrig als ein frühes Time Out zu nehmen. In Folge dieser kurzen Verschnaufpause spielte die HSG im Angriff ihre Konzeptionen nun geduldig aus und kamen somit immer häufiger zu einfachen Treffern über Philipp Müller. Trotz einer mäßigen Chancenverwertung, vor allem vom Siebenmeter-Punkt, konnten die Domstädter ihren Vorsprung verteidigen, so dass es nach 44 Minute 22:19 für die Heimsieben stand. Neben Philipp Müller setzte nun Daniel Valo im Offensivspiel die Akzente und brachte seine Mannen in der 49. Minute mit 24:20 ins Vordertreffen. In der Schlussphase machte sich die zurückgewonnen Souveränität der HSG bemerkbar, da sie keine überhasteten Abschlüsse suchten, sondern jeden Treffer lange ausspielte.

Mit diesem Sieg über Ex-Coach Gennadji Chalepo und seine Schützlinge steht die HSG Wetzlar kurz davor eine historische Saison zu veredeln. Zum Punkterekord fehlt lediglich noch ein Zähler und das große Ziel des einstelligen Tabellenplatzes ist den Mittelhessen kaum noch zu nehmen. Ob das Ziel schon am kommenden Spieltag erreicht werden kann, scheint jedoch fraglich, da es zum Serienmeister nach Kiel geht. Dass die Mannen um Kapitän Michael Müller den THW ärgern können, bewiesen sie im Hinspiel, als man in eigener Halle nur mit einem Tor Differenz verlor und den übermächtigen Gegner zeitweise am Rande einer Niederlage hatte.

Kai Wandschneider: Ich bin sehr zufrieden mit dem heutigen Ergebnis. Wir konnten uns nie sicher sein das Spiel gewonnen zu haben, weil wir es einfach nicht geschafft haben uns mehr abzusetzen, da wir zu viel Chancen haben liegen lassen. Daniel möchte ich heute hervorheben, da er heute eine herausragende Leistung gezeigt hat. Die Jungs haben alle wieder ein Mal bis zur letzten Minute gekämpft und ein weiteres Mal Moral bewiesen. Ich freue mich sehr über diesen Heimsieg, da sich die Jungs das echt verdient haben.

Daniel Valo: Lübbecke ist eine sehr starke Mannschaft, weshalb es ein hartes Stück Arbeit war. In der ersten Hälfte haben wir unsere Chancen nicht genutzt und Lübbecke war einfach gut. Spätestens war die rote Karte der Knackpunkt, da Nikola Blazicko sehr stark gehalten hat bis dato. Er ist wahrlich ein Torhüter mit Weltklasse-Niveau.

Gennadji Chalepo: Wir haben gut angefangen und liegen fast die komplette erste Halbzeit in Führung. Die rote Karte war dann der Knackpunkt. In der zweiten Hälfte war es dann nur noch ein Krampf und ein Kampf von uns. Ich gratuliere der HSG Wetzlar zu ihrem Heimsieg.

Arne Niemeyer: Ich kann mir selbst nicht erklären was in der ersten Halbzeit abgelaufen ist. Wir waren klar das bessere Team und liegen trotzdem mit drei Toren zur Halbzeit zurück. Eigentlich hätten wir führen müssen. Diesem Rückstand sind wir dann das komplette Spiel hinterher gelaufen.

HSG Wetzlar: Marinovic, Weber - Schmidt (6), Fridgeirsson (3/2), Valo (6), Philipp Müller (5), Reichmann (1), Michael Müller (2), Hahn, Harmandic (3/3), Mraz (2), Rompf, Zörb. Tiedtke (3).

TuS N-Lübbecke: Quenstedt, Blazicko - Schöngarth (4), Tluczynski (3/2), Vukovic (3), Svensson (4), Niemeyer (5), Wilke (2/1), Remer (2), Loke (3), Gartmann, Niewrzawa (1), Arnaudovski, Gustafsson (1).

Zeitstrafen: 4:4 Minuten: HSG (Tiedtke 2x, P. Müller, M. Müller) – TuS N-Lübbecke (Svensson, Gustavsson 2x, Niemeyer) – Strafwürfe: 8:3/5:3 -Schiedsrichter: Schultz/Tönnies –Zuschauer: 3555.