HSG Wetzlar bleibt nur der Stolz

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27:29-Pokal-Aus nach Verlängerung gegen die SG Flensburg-Handewitt

Das ist der Stoff, aus dem Wetzlarer Handballträume sind. In der engen Dutenhofener hat die HSG gestern Abend wieder einmal einem der ganz Großen Paroli geboten. Aber am bitteren Ende des dramatischen Pokalspiels gegen die SG Flensburg-Handewitt blieb den Grün-Weißen nur der Stolz auf die eigene Leistung und der anerkennende Beifall der 1280 Zuschauer.

 

Mit 27:29 (26:26, 25:25, 12:13) unterlag die Mannschaft von Trainer Gennadij Chalepo der Startruppe von der dänischen Grenze nach Verlängerung. "Flensburg war zum Schluss einfach cleverer", sagte der tief enttäuschte Kevin Schmidt mit leiser Stimme und schüttelte beim Blick auf die Anzeigetafel ungläubig den Kopf. "Ein Riesenlob an meine Jungs", zeigte sich sein Coach dagegen trotz des bitteren Ausscheidens "sehr zufrieden". "Wir haben am Ende einfach Glück gehabt", gab sein Flensburger Kollege Lubomir Vranjes offen und ehrlich zu.

Vor der Partie gegen den hohen Favoriten aus dem hohen Norden hatte die HSG an ihrer alten Wirkungsstätte die Vergangenheit beschworen. Vor zehneinhalb Jahren, am 16. März 2001, war den Grün-Weißen in der Dutenhofener Sporthalle mit 29:23 der bislang einzige Pflichtspielsieg über den DHB-Pokalsieger 2003, 2004 und 2005 gelungen. "Für uns spielt es keine Rolle, wo wir auswärts spielen", hatte SG-Coach Vranjes dagegen vorher behauptet, der die enge und einst selbst von den Großen der stärksten Handball-Liga der Welt gefürchtete "Turnhalle" aus seinen Zeiten als Spielmacher der HSG Nordhorn kannte. "Wir wollen dort gewinnen und ins Achtelfinale des DHB-Pokals einziehen."

Wie ernst der dreimalige Europacupgewinner die Aufgabe genommen hat, unterstreicht die Tatsache; dass die "Nordlichter" bereits am Montagabend angereist waren und im Hotel Blankenfeld Quartier bezogen.

Die bis zu ihrer ersten und bislang einzigen Meisterschaft 2004 als "Mutter aller ewigen Zweiten" verhöhnte SG hatte nach dem 1:0 durch Kevin Schmidt schnell die Nase vorn. Vor allem der Ex-Wetzlarer Lars Kaufmann, an alter Wirkungsstätte herzlich begrüßt und seit einigen Wochen stolzer Vater des Töchterchens Laurien, gab Nikolai Weber, dem gestern 31 Jahre alt gewordenen Geburtstagskind im Gastgeber-Tor, immer wieder das Nachsehen. Dabei spielt der sächsische 1,99-Meter-Hüne seit Saisonbeginn mit einem Sehnenriss im mit einem Tapeverband und Spezialschiene geschützten Daumen der rechten Wurfhand.

Timo Salzer erzwingt Sekunden vor dem Ende die Extraspielzeit

Aber der DHB-Pokalfinalist von 1997 und 2001 hielt dagegen. Ganz anders als noch beim 22:42-Debakel am zweiten Weihnachtsfeiertag des vergangenen Jahres an der Förde. Wenn vor allem die Chancen von Außen besser genutzt worden wären, hätte die Spielgemeinschaft aus Dutenhofen und Münchholzhausen zur Pause wohl nicht mit einem Tor zurückgelegen. Allerdings drohte dem zu Beginn überragenden Torjäger Philipp Müller nach der zweiten Zeitstrafe in der 23. Minute schon früh die rote Karte. Steffen Fäth vertrat ihn fortan im rechten Rückraum jedoch prächtig.

Drei Tage nach der 23:28-Bundesliga-Pleite beim TV Großwalstadt lieferten die Grün-Weißen dem Champions-League-Finalisten von 2004 und 2007 einen leidenschaftlichen Pokalfight. Als die Gastgeber in Überzahl dreimal hintereinander vergaben und der Ex-Wetzlarer Petar Djordjic Flensburg mit 22:18 (47.) in Führung warf, sanken die Hoffnungen auf eine Überraschung. Ehe es dramatisch wurde. Der überragende Linksaußen Kevin Schmidt führte die HSG heran. Daniel Valo glich in der vorletzten Minute zum 24:24 aus. Und auch auf den vermeintlichen K.o.-Schlag durch Knudsen zum 24:25.hatte Timo Salzer noch eine Antwort: das 25:25 Sekunden vor Schluss. Zweimal fünf Minuten Verlängerung.

Nach sechs Siebenmetertoren scheiterte Flensburgs Eggert an Weber. Müller traf für die HSG, der überragende Mogensen für die Schleswiger. Doch dann die Ernüchterung: Weltmeister Holger Glandorf erschoss die HSG im letzten Akt des Dramas von Dutenhofen mit zwei Toren.

Wetzlar: Marinovic (ab 18.), Weber - Schmidt (9/4), Rompf (n.e.), Salzer (3), Valo (2), Mraz, Müller (7), Chalkidis, Fäth (3), Hahn (1), Harmandic (1), Friedrich, Kristjansson (1)

Flensburg-Handewitt: Andersson (bis 34.), Rasmussen - Bastian (n.e.), Karlsson, Eggert (6/6), Glandorf (7), Mogensen (5), Svan Hansen, Djordjic (2), Mocsai (1), Heinl (1), Szilagyi (n.e.), Kaufmann (5), Knudsen (2)

Schiedsrichter: Schaller/ Wutzler (Leipzig/Frankenberg)
Zuschauer: 1280
Zeitstrafen: Wetzlar fünf (Müller zwei, Schmidt, Hahn, Valo); Flensburg-Handewitt acht (Svan Hansen drei, rote Karte 68. Glandorf zwei, Knudsen zwei, Mogensen)
verworfene Siebenmeter: Schmidt (Wetzlar) scheitert an Andersson (26.), Eggert (Flensburg-Handewitt) scheitert an Weber (61.)

Thomas Hain