HSG Wetzlar chancenlos bei den Rhein-Neckar Löwen

Bildquelle: www.sportfoto-vogler.de

DKB Handball-Bundesliga

HSG Wetzlar verliert mit 27:20 in der SAP-Arena - Andreas Wolff mit 22 Paraden bester Wetzlarer Spieler

Die HSG Wetzlar verliert beim Handball-Bundesliga-Spitzenreiter Rhein-Neckar Löwen mit 20:27. Dabei liefert Torwart Andreas Wolff eine starke Leistung ab, sonst hätten die Löwen noch höher gewonnen.

Die Szene war symptomatisch. Völlig freistehend von sechs Metern vergab Christian Rompf Mitte der zweiten Hälfte die Chance, den Rückstand seiner HSG Wetzlar gegen den Spitzenreiter der Handball-Bundesliga zu verkürzen. Doch er scheiterte am überragenden Schlussmann der Rhein-Neckar Löwen Niklas Landin. Die Reaktion: Frustriertes und ungläubiges Kopfschütteln. Für die Grün-Weißen war es über die kompletten 60 Minuten zum Verzweifeln gewesen, denn der Däne zog mit seinen 20 Paraden nicht nur dem Langgönser den Zahn, sondern parierte – gestützt auf eine extrem stabile Abwehr – auch gegen den Rest der Truppe von Trainer Kai Wandschneider. Am Ende konnten sich die Gäste aus Mittelhessen bei ihrem eigenen Keeper Andreas Wolff bedanken, dass sich die 20:27 (12:15)-Niederlage noch im Rahmen gehalten hatte. »Mit minus sieben ist alles okay«, erklärte Wandschneider nach dem Spiel. »Es hätten auch zehn, elf oder zwölf Tore Unterschied sein können. Wir waren über die gesamte Partie chancenlos«, fügte der HSG-Coach an, der den Grund für die Niederlage in der Abwehr der Hausherren sah. »Die Rhein-Neckar Löwen haben eine bärenstarke Deckung gestellt, an der wir uns die Zähne ausgebissen haben.«

Dabei startete die HSG voller Tatendrang und ging, gestützt auf den hellwachen Wolff, mit 3:1 in Führung. Zunächst hatte Rückraum-Shooter Steffen Fäth zweimal eingenetzt, nachdem Ivano Balic ihn sehenswert in Szene gesetzt hatte. Im Anschluss war der deutsche Nationalspieler selber Passgeber und bediente Sebastian Weber am Kreis, der eiskalt abschloss.

Doch die Hausherren zeigten sich ob des forschen Auftritts der Gäste wenig beeindruckt. Konnte sich die HSG in den ersten Angriffen stets eine gute Wurfposition erarbeiten, stellten sich die Schützlinge von Löwen-Coach Nikolaj Jacobsen schnell auf die Abläufe der Grün-Weißen ein. Nach sieben Minuten nutzte Stefan Kneer einen erweiterten Gegenstoß zum 3:3-Ausgleich. Wenig später erzielte Kapitän Uwe Gensheimer beim 5:4 die erste Führung für den Tabellenführer.
In der HSG-Abwehr versuchten Evars Klesniks und Kristian Bliznac, die den Mittelblock bildeten, die Deckung zusammenzuhalten, doch das schnelle Spiel der Löwen generierte immer wieder gute Wurfpositionen für die Hausherren. Nachdem zunächst Alexander Petersson mit einer sehenswerten Körpertäuschung Bliznac ins Leere hat laufen lassen (6:4/11.), war es wenig später Spielmacher Andy Schmid, der per Hüftwurf vorbei am langen HSG-Schweden auf 7:4 erhöhte. 

Bis zur Halbzeit war es immer Andreas Wolff (19 Paraden), der die Wetzlarer im Spiel hielt. Erst hielt der hochgewachsene Schlussmann einen Gensheimer-Siebenmeter inklusive Nachwurf, anschließend scheiterte Linkshänder Harald Reichkind an Wolff, der den Ball postwendend in Richtung des durchgestarteten Rompf passte, der kurz vor der Pause zum 12:14 verkürzen konnte.

Nach dem Seitenwechsel rührten die Löwen in der Deckung Beton an. Mit der flexiblen 5:1-Abwehr kam die HSG überhaupt nicht zurecht, und so war es nicht verwunderlich, dass die Hausherren bis zur 43. Minute auf 21:13 wegziehen konnten. »Wir haben uns in der zweiten Halbzeit noch mal in der Abwehr gesteigert. Das war der Grundstein für den Sieg«, bilanzierte »Löwen-Dompteur« Jacobsen, der trotz »sehr guten Handballs« etwas zu kritisieren hatte: »Wir haben ein paar Chancen zu viel liegen gelassen.« In den letzten Minuten spielten die Gastgeber dann noch für die Galerie und die 5657 Zuschauer in der Arena – auch wenn nicht alles gelang. Und so konnte auch Wandschneider mit der Niederlage leben und stellte klar: »Unser Fokus liegt auf dem wichtigen Spiel am Sonntag in Balingen.«

Rhein-Neckar Löwen: Landin, Rutschmann (n.e.); Gensheimer (8/2), Sigurmannsson, Ekdahl du Rietz, Kneer (1), Larsen (2), Schmid (3/1), Petersson (3), Reinkind (1), Groetzki (4), Steinhauser, Myrhol (2), Guardiola (3).

HSG Wetzlar: Hombrados (n.e.), Wolff; Rompf (2/1), Fäth (7), Bliznac (1), Harmandic (1), Balic, Laudt (3), Lipovina (2), Klesniks, Joli (1/1), Hahn (1), Weber (2), Tiedtke.

Im Stenogramm: Schiedsrichter: Brodbeck/Reich (Metzingen). – Zuschauer: 5657 . – Zeitstrafen: 0:4 Minuten. – Siebenmeter: 5/3: 3/2.

Quelle: Gießener Allgemeine Zeitung