HSG Wetzlar erkämpft sich Remis

Steuerte drei Teffer zum 25:25-Unentschieden bei: Kari Kristjan Kristjansson.

DKB Handball-Bundesliga

"Sind wieder aufgestanden" - Grün-Weißen machen Acht-Tore-Rückstand wett.

Sie waren schon mausetot. Mit acht Toren lag Handball-Bundesligist HSG Wetzlar am Samstagabend beim TuS N-Lübbecke zurück, doch die Grün-Weißen erkämpften sich mit einer tollen Moral einen Zähler, der im Abstiegskampf noch Gold wert sein kann. Beim 25:25 (12:17) hatten die Gäste sogar die Möglichkeit, im letzten Angriff den Siegtreffer zu erzielen.

"Ich bin überglücklich über dieses Unentschieden", sagte HSG-Trainer Kai Wandschneider, der seiner Truppe ein großes Kämpferherz attestierte: "Wir haben nie aufgegeben und sind nun wieder aufgestanden."

Die Spieler waren sich nach Schlusspfiff nicht einig, ob sie sich über die Aufholjagd freuen oder doch der großen Chance nachtrauern sollten, nicht noch gewonnen zu haben. "Kleinvieh macht auch Mist", tröstete sich der in der Deckung bärenstarke Philipp Müller, nachdem er sich gemeinsam mit seinen Mitspielern von den 100 mitgereisten Fans feiern ließ.

Beim 1:7 muss Trainer Kai Wandschneider schon früh eine Auszeit nehmen


Die lautstarken Anhänger trauten zu Beginn ihren Augen nicht. Drei Tage lang hatte sich das Team im Trainingslager abgeschottet, um die Konzentration zu bündeln für dieses wichtige Match im Abstiegskampf. Und um auf dem Spielfeld eine Antwort zu geben für die am Donnerstag erlittene Niederlage am grünen Tisch. All das, was sich die Truppe aus dem Wetzlarer Osten in Dormagen vorgenommen hatte, war schon nach acht Minuten Makulatur.

Wandschneider musste eine Auszeit nehmen. Mit 1:7 lag seine Mannschaft in Rückstand. Im Angriff erarbeiteten sich die Grün-Weißen zwar Chancen, doch sie nutzten diese nicht. "Wir stehen eben auch unter einem großen Druck", suchte der Coach nach Erklärungen für den miesen Start. "Unser Problem lag in der Deckung", erkannte Timo Salzer vollkommen richtig.

20 Minuten lang war der Tabellen-15. in der Abwehr nicht mehr als ein Hühnerhaufen. Erst nach einer Viertelstunde gelang es dem Abstiegskandidaten aus Mittelhessen das erste Mal, einen Angriff der Ostwestfalen unbeschadet zu überstehen. Als Lübbecke dennoch auf 14:6 davonzog (20.), schien die HSG in ein Debakel zu schlittern. Was aber auch an den Gastgebern lag, die in der Anfangsphase "viel Druck auf den Gegner gemacht hatten", wie TuS-Trainer Markus Baur später sagte. Der Ex-Wetzlarer klagte jedoch auch: "Wir müssen zur Pause deutlicher als mit fünf Toren führen. Wir haben es versäumt, den Sack zuzumachen." Denn urplötzlich ging ein Ruck durch die Wetzlarer Mannschaft. Steffen Fäth, nach 20 Minuten eingewechselt, erzielte das 9:14 (24.) und hielt seine Farben so im Rennen.

Nach Wiederbeginn drehte die HSG immer mehr auf. Von Verunsicherung war keine Spur mehr. "Wir sind als Mannschaft aufgetreten", erklärte Torwart Nikolai Weber, der in den ersten acht Minuten keinen Ball hielt und für den starken Nikola Marinovic Platz machte. Der Österreicher war der Rückhalt hinter einer Deckung, in der im zweiten Durchgang einer für den anderen kämpfte. Und vorne war es Fäth, der groß auftrumpfte. "Er begeistert mich", lobte Wandschneider seinen besten Mann. Denn entweder traf der Junioren-Weltmeister von 2009 selbst oder setzte Kreisläufer Kari Kristjan Kristjansson in Szene.

Beim 19:20 war der Anschluss geschafft (43.), beim 23:23 (51.) erzielte Adnan Harmandic den Ausgleich. Die Partie war nun an Spannung nicht zu überbieten. Mehrmals hatten die Gäste die Chance in Führung zu gehen, ließen sie aber liegen. So auch in den letzten beiden Angriffen. Erst hielt Lübbeckes eingewechselter Torwart Dario Quenstedt mit einem sensationellen Reflex gegen Timo Salzer, und als die Wetzlarer nach einem schwachen Wurf des zwischen Genie und Wahnsinn wandelnden Daniel Svensson nochmals in Ballbesitz kamen, scheiterte erst Fäth und dann Lars Friedrich am Keeper der Hausherren.

Dennoch: "Der Punkt hilft uns in der Tabelle weiter", meinte Wandschneider, überlegte kurz und fügte noch an: "Und vor allem moralisch." Denn eigentlich war sein Team am Samstagabend schon mausetot.

N-Lübbecke: Blazicko, Quenstedt (bei einem Siebenmeter und ab 52.) - Verjans (2), Gustafsson (1), Loke (2), Vukovic (2), Siodmiak, Schröder (1), Tluczynski (9/4), Daniel Svensson (4), Just, Niemeyer (3), Remer (n.e.), Kristian Svensson (1).

Wetzlar
: Marinovic, Weber (bis 8. und bei einem Siebenmeter) - Schmidt (1), Salzer (2), Valo (2), Wallwaey (n.e.), Jungwirth (1), Mraz, Müller (2), Chalkidis, Fäth (7), Harmandic (4/3), Friedrich (3/2), Kristjansson (3).

Schiedsrichter: Brauer/Holm (Hamburg/Hagen) - Zuschauer: 1863 - Zeitstrafen: N-Lübbecke vier (Vukovic zwei, Tluczynski, Daniel Svensson), Wetzlar zwei (Müller, Fäth) - verworfene Siebenmeter: Friedrich (Wetzlar) scheitert an Blazicko (7., 19.), Harmandic scheitert an Blazicko (42.).

 

Quelle: Wetzlarer Neue Zeitung