HSG Wetzlar fehlt in Kiel die letzte Überzeugung!

DKB Handball-Bundesliga

Mittelhessen verlieren nach 4:0-Blitzstart bei THW Kiel mit 25:34 - Stefan Cavor mit starkem Spiel!

Nach zehn Minuten war es mit der Handball-Herrlichkeit der HSG Wetzlar am Sonntag im Bundesliga-Auswärtsspiel beim THW Kiel vorbei. Dem hoffnungsvollen 4:0-Blitzstart der Grün-Weißen in der ausverkauften Sparkassen-Arena folgte ein ebenso hoffnungs- und überzeugungsloser Auftritt, der über das 18:28 nach 50 Minuten in eine deutliche, den Leistungen entsprechende 25:34-Niederlage mündete.

»Wir haben nach dem schnellen 4:0 im Angriff zu viele Bälle weggeworfen und Kiel förmlich zu Gegenstößen eingeladen«, übte HSG-Kreisläufer Jannik Kohlbacher auf Sport 1 Selbstkritik, »dabei haben wir zu oft den Kreis gesucht, anstatt den Ball laufen zu lassen.« Torhüter Andreas Wolff, in der zweiten Halbzeit starker Rückhalt der Kieler, wertete den Neun-Tore-Erfolg gegen seine ehemaligen Teamkollegen als »auch in der Höhe in Ordnung, denn wir haben über 50 Minuten hinweg gut gespielt.« Selbst nach dem 0:4-Rückstand habe er sich keine großen Sorgen gemacht, konstatierte der Nationaltorhüter selbstbewusst.

Am Ende konnte man es der HSG Wetzlar beim hohen Favoriten sogar noch zugute halten, nicht restlos in ein Ergebnisdebakel geschlittert zu sein. Nach dem 18:28 in der 51. Minute durch den siebenfachen THW-Torschützen Niclas Ekberg drohte dem Team von Trainer Kai Wandschneider noch größeres Ungemach. Zweimal Anton Lindskog vom Kreis sowie zweimal Philipp Pöter über Eins-gegen-eins-Situationen sorgten aber toremäßig bis zum 25:34-Endstand einigermaßen für Gegenwehr.

Verkehrte Handball-Welt aber zunächst nach acht Minuten. Ein Kohlbacher-Hattrick zum frühen 4:0 der Wetzlarer beim Rekordmeister ließ die 10 285 Zuschauer erst einmal verstummen. Danach aber waren die Kieler durch die Einwechslung von Christian Zeitz endlich körperlich präsenter, erhöhten die Schlagzahl und ließen den Ball besser laufen.

Umgekehrt die HSG Wetzlar, die mit Philipp Pöter auf der Mitte begonnen hatte und bei der Benjamin Buric bis zum parierten Siebenmeter gegen Niclas Ekberg (4:6, 12.) bereits drei Paraden aufwies. Die dynamischen Eins-gegen-eins-Aktionen von Christian Zeitz, die Gegenstöße von Rune Dahmke sowie die übertriebenen Wetzlarer Anspielversuche an den Kreis wendeten schnell das Blatt. Der 6:6-Ausgleich von Rene Toft Hansen in Überzahl nach einer Zwei-Minuten-Strafe gegen Philipp Weber, der einzigen im gesamten Spiel, bedeutete nur noch eine Zwischenstation auf dem Weg zur Stabilisierung des Kieler Spieles. Stefan Cavors Treffer zum 10:9 nach 18 Minuten war somit die letzte Wetzlarer Führung der Partie.

Danach verließ die Weber und Co. der Mut im Angriff, vor allem aber fehlte die Geduld, die Konzepte auf den Punkt zu spielen. Die Deckung wirkte zu passiv, weshalb immer öfter der Zugriff auf die einwurfbereiten Duvnjak oder Wiencek fehlte. Über das Pausen-13:17 aus Wetzlarer Sicht war die Partie im Norden spätestens nach dem 22:13 durch Kiels Rechtsaußen Niclas Ekberg in der 37. Minute verloren. Drei verworfene Siebenmeter in Serie (Weber, Björnsen, Berggren) sowie ein immer stärker werdender Andreas Wolff im Kieler Gehäuse ließen zu diesem Zeitpunkt Schlimmes für die Grün-Weißen erahnen. Die Auszeit-Ansprache von Trainer Kai Wandschneider beim 13:22, bei der er wieder einfacheren Handball einforderte, fruchtete dann aber und so wurde nach dem 18:28 (51.) eine noch höhere Niederlage vermieden.

»Bei uns haben heute Licht und Schatten gewechselt«, sagte Philipp Pöter auf Sport 1, »wir haben uns das Leben mit unseren vielen technischen Fehlern aber selber schwer gemacht.« Spätestens nach dem 17:13 von THW-Spielgestalter Duvnjak mit dem Pausenpfiff fehlte bei Wetzlar die Überzeugung komplett, dem Favoriten analog zu Hinserie Paroli bieten zu können. Diese wird kommenden Samstag im Heimspiel gegen den SC Magdeburg aber wieder notwendig sein.

Kiel: Landin (n.e.), Wolff; Duvnjak (4), Toft Hansen (3), Lackovic, Dissinger (2), Wiencek (2), Ekbwerg (7), Zeitz (6), Dahmke (2), Vujin (1), Bilyk (3), Nilsson (2), Santos (2).

Wetzlar: Buric, Nikolai Weber; Kneer (2), Björnsen (1), Pöter (5), Philipp Weber (1), Kraft (1), Hahn, Berggren, Kvist (3), Klesniks, Lindskog (2), Cavor (5), Kohlbacher (5).

Stenogramm / Schiedsrichter: Andreas und Marcus Pritschow. - Zuschauer: 10 285. - Zeitstrafe: Philipp Weber (13., Wetzlar). - Siebenmeter: 3/2:4/1. - Torfilm: 0:4 (6.), 6:6 (14.), 13:10 (22.), 17:13 (Halbzeit); 22:13 (37.), 28:18 (51.), 34:25 (Endstand).

 

Quelle: Gießener Allgemeine Zeitung