HSG Wetzlar feiert gegen Neuhausen achten Saisonsieg!

DKB Handball-Bundesliga

Wandschneider-Truppe schlägt guten Aufsteiger mit 35:25 - Reichmann-Show mit elf Treffern.

Als Tobias Reichmann Sekunden vor dem Schlusspfiff seinen Wurf von der Rechtsaußenposition nicht im Tor des TV 1893 Neuhausen unterbringen konnte, brach in der Rittal Arena zu Wetzlar eine Welt zusammen. Diese war aber zum Glück für HSG Wetzlar nur marginal klein. Denn hätte Neunationalspieler Reichmann auch diesen Versuch verwandelt, dann hätte er seine „weiße Weste“ für diesen Abend behalten. So markierte der gebürtige Berliner „nur“ elf Treffer bei zwölf Versuchen, konnte sich aber mit dem 35:25 (18:13)-Heimsieg seiner Mannschaft gegen die schwäbischen Gäste über die knapp verpasste 100-prozentige Wurfausbeute hinwegtrösten – zumal Reichmann schon in den letzten Minuten der Begegnung durch lautstarke „Tobi Reichmann! Tobi Reichmann!“-Sprechchöre der HSG-Fans zum Spieler des Spiels gekürt worden war.

Ein wenig wurmte es den sprunggewaltigen Rechtsaußen nach Abpfiff aber doch, dass er das Dutzend an diesem Abend nicht hatte vollmachen können: „Ein bisschen ärgert es mich schon, dass ich mir mit dem letzten Wurf die Quote kaputtgemacht habe, aber entscheidend ist, dass wir als Mannschaft heute wieder ein hervorragendes Spiel gemacht haben“, erklärte Reichmann nach Beginn der Siegesfeierlichkeiten. Lob bekam der 24-Jährige auch von seinem Trainer Kai Wandschneider, der dem Flügelflitzer einen „phänomenalen“ Auftritt bescheinigte. Den Auftakt für den Reichmann-Torreigen machte das 3:2 (5.) per Gegenstoß. Linksaußen Kevin Schmidt und wieder Tobi Reichmann nutzten ebenfalls die erste Welle, um nach zehn Minuten auf 6:4 zu stellen und knüpften damit an die Leistungen der letzten Wochen an, in denen die HSG immer wieder „einfache“ Tore über den Gegenstoß erzielen konnten.

Dass sich die Hausherren aber nicht schon früher höher absetzen konnten als beim 8:5 (12.) durch Philipp Müller, hatten sich die Grün-Weißen selbst anzukreiden. Trotz der besseren Spielanlage machten die Wetzlarer in der ersten Viertelstunde unerklärlicherweise zahlreiche einfache Fehler. In der Abwehr fehlte in den ersten 15 Minuten die nötige Aggressivität und somit zumeist der entscheidende letzte Schritt, um die gefährlichen Rückraumschützen Nico Büdel und Andreas Schröder am Einnetzen zu hindern. Trainer Wandschneider führte die Lücken im 6:0-Deckungsverbund auf Überengagement seiner Mannen zurück: „Anfangs wollten wir zu viel und möglichst alle Schritte gleichzeitig machen. Beispielhaft war die Situation, als wir hintereinander vier Abpraller nicht erreicht haben, weil alle schon beim Gegenstoß waren. Allerdings hatten wir heute in Bobby Marinovic wieder einen Torwart, der mit seinen Paraden der Mannschaft viel Rückhalt gegeben hat“, lobte der gebürtige Hamburger den österreichischen Nationalkeeper, der insgesamt 22 Bälle parieren konnte.

Im zweiten Abschnitt zeigte sich den 3723 Zuschauern in der Rittal Arena ein ähnliches Bild. Die HSG dominierte das Spiel, verwertete ihre Chancen und stand zudem in der Abwehr sicherer. Nach 40 Minuten erhöhte Tobi Reichmann auf 24:16 und sorgte damit für die frühe Vorentscheidung. „Wir hatten uns als Ziel für die zweite Hälfte vorgenommen, den Fünf-Tore-Rückstand aus der Pause zu halten. Das hat leider nicht geklappt. Ich denke wir haben gute 20 Minuten im ersten Durchgang gehabt und sind dann durch zwei, drei blöde Fehler weiter in Rückstand geraten. Das ist ein bitterer Moment heute, aber ich hoffe, dass wir auch aus dieser Niederlage unsere lehrreichen Schlüsse ziehen werden“, erklärte TVN-Trainer Markus Gaugisch, der in Abschnitt zwei auf den verletzten Andreas Schröder verzichten musste, nach Schlusspfiff.

Die Grün-Weißen erlaubten sich auch in der Schlussphase keine Schwäche mehr und brachten den Sieg in souveräner Art und Weise und mit fein herausgespielten Treffern nach Hause – angeführt vom erneut starken Spielmacher Ado Harmandic, der gegen die jugoslawische 3:2:1-Deckung von Neuhausen seine spielerischen Stärken voll präsentieren konnte. Einziger Wehrmutstropfen an diesem Abend blieb der letzte Wurf von Tobias Reichmann, der seinen Weg ins Tor nicht fand, der guten Stimmung in der Rittal Arena aber keinen Abbruch tat. 

HSG Wetzlar: Marinovic (1.-52), Weber (52.-6.); Schmidt (5/1), Fridgeirsson (1), Tiedtke (1), Rompf, Mraz, Philipp Müller (3), Reichmann (11), Fäth (4/1), Michael Müller (3), Harmandic (4), Kristjansson (3).

TV 1893 Neuhausen: Bauer, Magnus Becker; Theilinger (5), Alexander Becker (2), Schuldt (1/1), Keinath (1), Trost (1), Reusch, Schiller (4/2), Michalik (3), Büdel (5), Seitle, Schröder (3), Bader.

 

Stimmen zum Spiel:

 

Tobi Reichmann: „Wir können heute sehr zufrieden sein, wir haben ein gutes Spiel abgeliefert und verdient gewonnen. Die Mannschaft hat mich sehr gut in Szene gesetzt und ich konnte die gegnerischen Torhüter gut ausgucken, da sie sich meiner Meinung nach relativ früh bewegt haben. Irgendwann hatte ich mir die Keeper schon ein bisschen zurecht gelegt, sodass das Treffen leichter wurde. Ich freue mich über meine Leistung und den Sieg der Mannschaft. Jetzt können wir ein bisschen feiern.“

Philipp Müller: „Wir wussten, dass Neuhausen Qualität im Kader hat. Das haben ihre letzten Ergebnisse mit dem Sieg gegen Balingen und dem Punkt gegen den HSV gezeigt. Auch wir haben uns in der Anfangsphase etwas schwer getan, haben in der Deckung zu oft spekuliert und waren dann gegen die Rückraumschützen zu passiv. Später haben wir das besser gemacht und auch im Angriff flüssig kombiniert. Persönlich freut es mich, dass sich – neben der starken Leistung von Bobby – auch Niko Weber im Tor auszeichnen konnte.“

Nikola Marinovic: „Das war heute kein leichtes Spiel, auch wenn es vielleicht so ausgesehen hat und obwohl wir mit zehn Toren Differenz gewonnen haben. Ich muss Neuhausen ein Kompliment machen, sie haben wirklich gut gespielt und uns gezwungen 60 Minuten Tempo zu gehen – so, wie wir das auch erwartet hatten. Mit 25 Gegentoren kann man natürlich sehr zufrieden sein, wir haben defensiv, besonders in der zweiten Halbzeit, gut gestanden.“