HSG Wetzlar gewinnt Hessenderby!

Bildquelle: www.sportfoto-vogler.de

DKB Handball-Bundesliga

Wetzlarer Jungs gewinnen mit 28:25 in Melsungen - Wandschneider: "Nerven bewahrt"

Im Hessenderby der Handball-Bundesliga setzte sich die HSG Wetzlar mit 28:25 (12:11) bei der MT Melsungen durch und schiebt sich damit an der MTM vorbei auf den siebenten Tabellenplatz. »Unsere Jungs, die heute das erste Mal hier gespielt haben, wussten, dass man hier Vollgas geben muss – und haben das herausragend gemacht«, freute sich HSG-Geschäftsführer Björn Seipp.

Nervöser Beginn von beiden Seiten. In der ersten Hälfte sahen die 4300 Zuschauer in der ausverkauften Rothenbach-Halle fast mehr technische Fehler als Tore. »Wir hatten nach acht Toren sieben technische Fehler«, hatte HSG-Kapitän Nikolai Weber mitgezählt. So resultierte auch das 2:1 von Kasper Kvist per Gegenstoß in der fünften Minute aus einem Ballverlust der Melsunger. Die Gastgeber griffen in der Abwehr beherzt zu, und so blieb Philipp Weber gleich nach acht Minuten mit einem Pferdekuss liegen. Den fälligen Siebenmeter verwandelte Kristian Björnsen sicher zur 3:1-Führung. Weber musste zunächst das Feld verlassen, kam aber mit dick bandagiertem rechten Oberschenkel bald wieder zurück und markierte vom Punkt die erste Drei-Tore-Führung (5:2). So langsam fand auch die MTM in die Partie, angetrieben von Michael Müller, der per Doppelpack den Anschluss zum 6:7 markierte. Zudem lieferte er sich auch ein Scharmützel mit HSG-Keeper Benjamin Buric, dem er beide Bälle nahe am Kopf vorbeizog. Der 7:7-Ausgleich von Marino Maric bedeutete gleichsam die erste Auszeit von HSG-Trainer Kai Wandschneider, der in der Folge munter durchwechselte.

Aus der Start-Sieben blieben lediglich Buric und Kasper Kvist, die auch den Pausenpfiff auf dem Parkett erlebten. Bis dahin blieb die Partie ausgeglichen, in der die MTM in der 28. Minute durch Johannes Sellin mit 11:10 erstmals die Führung übernahm. Doch zwei Kracher von Emil Berggren und zwei Paraden von Buric bedeuteten die 12:11-Pausenführung für Wetzlar.

Im Verlauf der Begegnung nahmen die Nickeligkeiten auf beiden Seiten zu, doch letztlich waren die Fouls in einem durchaus fairen Rahmen. Und die Partie blieb in der zweiten Hälfte spannend. Sellin knallte in der 34. Minute einen Siebenmeter an die Unterkante der Latte, verpasste somit den 14:14-Ausgleich, den er aber im darauf folgenden Angriff per Abpraller erzielte. Melsungen agierte in Unterzahl mit der Herausnahme des Torhüters zugunsten eines weiteren Feldspielers, doch daraus konnte die HSG kein Kapital schlagen. Dennoch brachte Björnsen seine Farben bei Zeitstrafe von Anton Lindskog mit 17:15 in Führung. In der Folge agierte Wetzlar zu hektisch, hatte zwei Ballverluste zu verzeichnen, die die MTM zum 17:17-Ausgleich nutzte und sogar mit 18:17 durch Nenad Vuckovic (40.) in Führung ging.

Die Partie schien gedreht, die Halle tobte – doch Wetzlar bewahrte Ruhe. »Wir haben uns auch von dem zwischenzeitlichen Rückstand erholt und immer weiter am Kabel gezogen, woran die ganze Mannschaft beteiligt war«, freute sich Seipp. MT-Trainer Michael Roth sah das ganz anders. »Wir sind zu oft einem Rückstand hinterhergelaufen. Haben in der zweiten Halbzeit fast den Bock umgeworfen, dann aber wieder zu viele technische Fehler gemacht. Wir spielen nicht befreit auf, haben einige Spieler, die ihrer Form hinterherlaufen. Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen, sie hat gekämpft. Aber Philipp Müller hat gefehlt, um in entscheidenden Phasen Impulse zu setzen.«

Diese Impulse kamen auf Wetzlarer Seite von Neuzugang Stefan Cavor. Er zeichnete mit ordentlichen Krachern für das 20:19, 22:20 und 23:21 verantwortlich und hielt die Grün-Weißen im Spiel. Es ist beeindruckend, wie sehr Cavor bereits ins Spiel der HSG eingebunden ist und seine Stärken ausspielt. Beim 25:21 durch Philipp Weber (52.) schwante den etwa 100 mitgereisten HSG-Fans, dass es mit dem Derby-Sieg an diesem Abend etwas werden könnte. Weber kam bei den letzten beiden Siebenmetern in den Kasten, Sellin knallte den ersten an die Unterkante der Latte, Weber hielt den zweiten. Und so blieb es in der 58. Minute beim 27:23 – die Partie war gelaufen. »Wir sind natürlich sehr glücklich, hier gewinnen zu können«, freute sich Wandschneider. »Starke Torhüterleistung von Buric, starke Deckungsleistung. Wir haben die Nerven bewahrt, als Melsungen in Führung gegangen ist, und unser Spiel durchgezogen.«

MT Melsungen: Sjöstrand, Villadsen; Maric (2), Sellin (9/3), Golla, Fahlgren (4), Danner (1), Rnic (2), Schneider, Allendorf, Vuckovic (3), Jaanimaa (1), Müller (3).

HSG Wetzlar: Buric, Nikolai Weber; Kneer, Lipovina (1), Björnsen (7/3), Mirkulovski (2), Philipp Weber (5/1), Hahn, Berggren (3), Kvist (1), Klesniks, Lindskog, Cavor (7), Kohlbacher (2).

SR: Behrens/Fasthoff (Wuppertal/Neuss). – Z: 4300. – Zeitstr.: 6:8 Min. – Siebenm: 6/3:4/4.    

Quelle: Gießener Allgemeine/Daniela Pieth