HSG Wetzlar hat „Bock, das nächste Heimspiel zu gewinnen!“

Wetzlars Kreisläufer Sebastian Weber, der am Dienstag Geburtstag hatte, würde sich am liebsten mit einem Heimsieg über Kiel selbst beschenken.

DKB Handball-Bundesliga

Mittelhessen empfangen am Freitagabend Meisterschaftsfavoriten THW Kiel in Rittal Arena – Wandschneider: „Wir haben uns etwas einfallen lassen!“

Erstliga-Duelle mit der „Weltauswahl“ des THW Kiel müssen immer aus zwei Blickwinkeln betrachtet werden. Zum einen sind diese, aufgrund der individuellen Qualität im Kader der „Zebras“, sicherlich die sportlich schwersten Spiele der Saison. Zum anderen aber auch die leichtesten, denn die Gegner können größtenteils ohne Druck in die Partien gehen, hat man gegen die Jicha, Vujin, Duvnjak, Canellas & Co. doch faktisch nichts zu verlieren. Am morgigen Freitag gastiert der THW Kiel, der dann sein drittes Ligaspiel innerhalb von nur sechs Tagen bestreitet, nunmehr in der Rittal Arena, der stimmungsgewaltigen Heimstätte des aktuellen Tabellenfünften HSG Wetzlar. Anwurf des Duells „Grün-Weiß“ gegen „Schwarz-Weiß“ ist um 19.45 Uhr. Es sind aktuell bereits über 3.800 Eintrittskarten verkauft, jedoch noch Stehplatzkarten im Vorverkauf und an der Abendkesse erhältlich. Geleitet wird die Partie vom DHB-Elitekadergespann Sebastian Grobe und Adrian Kinzel. Die Spielaufsicht hat Berndt Dugall.

„Wir freuen uns auf das Duell mit dem großen THW und haben Bock das nächste Heimspiel zu gewinnen“, gibt sich HSG-Rechtsaußen Tobias Hahn ebenso kämpferisch wie selbstbewusst. „Ich würde mich sehr über mindestens einen Punkt gegen Kiel freuen. Das wünscht man sich natürlich immer. Es hat gegen Kiel bisher leider noch nicht geklappt, aber warum nicht jetzt am Freitag mit unseren tollen Zuschauern im Rücken? Wir geben alle unser bestes, auf dem Spielfeld und den Rängen, und schauen, was dann am Ende dabei rauskommt.“ Vor etwa einem Jahr standen die Mittelhessen bereits kurz vor einem Punktgewinn gegen die „Zebras“ – damals sogar in der Kieler Sparkassen-Arena. Nach großem Kampf unterlagen die Balic, Fäth & Co. am Ende jedoch knapp mit 25:26. Dank eines „last-second-Treffers“ von Filip Jicha. „Das war damals hauchdünn und sehr ärgerlich“, erinnert sich HSG-Trainer Kai Wandschneider zurück.

Exakt 352 Tage später kommt es nunmehr zu der Neuauflage in Wetzlar - jedoch unter etwas veränderten Vorzeichen! Während Wetzlar im vergangenen Jahr einen großen, sportlichen Umbruch zu meisten hatte, steht der THW aktuell vor dieser Aufgabe. Mit Joan Canellas, Domagoj Duvnjak, Steffen Weinhold und Youngster Rune Dahmke muss Kiels Erfolgstrainer Alfred Gislason gleich vier neue Spieler integrieren, die die Abgänge von Christian Zeitz, Gudjon Valur Sigurdsson und Waell Jallouz kompensieren sollen. „Sie sind auf jeden Fall noch nicht so drin in der Saison, das zeigen auch die bisherigen Ergebnisse“, weiß Kai Wandschneider, der sich zur Vorbereitung auf die Partie alle Spiele der „Zebras“ auf Video angeschaut hat. Allen voran die Aufnahmen der beiden Kieler Überraschungsniederlagen (21:27 in Lemgo; 21:22 in Balingen) waren dabei für den 54-jährigen interessant. „Kiel hat eine unglaubliche Qualität, bringt diese aber derzeit nur schwerlich auf die Platte. Wir müssen vor allem bei unserem Passspiel aufpassen, dass Filip Jicha als vorgezogener Abwehrspieler nicht so viele Bälle abfängt. Dazu brauchen wir eine hervorragende Abwehr und starke Torhüter, um über die erste Welle Konter laufen zu können“, erklärt Wandschneider und bemerkt, dass man sich für den nächsten Gast „ein paar Überraschungen habe einfallen lassen“.

Neben Kapitän Jens Tiedtke (neurologische Behandlung) und Adnan Harmandic (Bänderriss im Knie) müssen die Domstädter am Freitag aber auch auf Torjäger Steffen Fäth verzichten. Der 24jährige hatte sich vorgestern im Training zwei Bänder im linken Fuß abgerissen und fällt für sechs Wochen aus. „Das ist natürlich ein Hammer für uns. Er ist unser bester Torschütze und Anspieler“, sagt der HSG-Coach, der auf Rückraum Mitte und links nun auf den schwedischen Hünen Kristian Bliznac, Florian Laudt und Ivano Balic zählt. Allen voran Bliznac hat gute Erfahrungen an den THW Kiel, traf er doch Anfang Februar 2013 in der Champions League (damals noch im Dress von IK Sävehof) gleich neunmal gegen die Zebras. „Solche Rückblicke sind schön, interessieren mich aber nicht. Wir schauen nach vorne, mit dem Wissen, dass wir wesentlich besser sind als zum gleichen Zeitpunkt in der vorherigen Saison“, verrät Wandschneider.

„Duelle mit dem THW Kiel sind immer eine Herkulesaufgabe“, weiß auch HSG-Geschäftsführer Björn Seipp, dem die Niederlage der Zebras am Mittwochabend in Balingen wenig geschmeckt hat. „Nicht, dass wir den Balingen den Sieg nicht gönnen, aber mit jetzt bereits vier Minuspunkten steht der THW bereits ordentlich unter Druck, gewinnen zu müssen, will man im Titelkampf nicht schon früh weit zurückfallen. Ich hoffe nicht, dass wir den ‚Zorn‘ dieses Starensembles abbekommen!“ Alles in allem sieht der 40-jährige die „Grün-Weißen“ aber gut gewappnet für Freitagabend. „Die Halle wird wieder bestens gefüllt sein. Die Fans haben Lust auf Handball, was nicht zuletzt die sensationelle Stimmung im Heimspiel gegen Lemgo deutlich gemacht hat und unsere Mannschaft ist derzeit in einer richtig guten Verfassung. Wir haben im Oktober 2002 den letzten Sieg gegen Kiel eingefahren. Vielleicht ist morgen Abend der Zeitpunkt gekommen, diese ‚schwarze Serie‘ zu beenden. Dass das aber sehr, sehr schwer wird, brauche ich glaube ich nicht zu betonen!“