HSG Wetzlar holt Auswärtspunkt bei Bergischen Löwen!

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DKB Handball-Bundesliga

Kampfbetontes Spiel endet gerecht 18:18-Unentschieden - Abwehrreihen und Torhüter bestimmen Krimi in Unihalle in Wuppertal - 2.815 Zuschauer erleben Achterbahn der Emotionen

„Nach so einem Spiel bräuchte man eigentlich einen Schnaps“, sagte Kai Wandschneider mit einem Lächeln kurz vor dem Beginn der Pressekonferenz nach dem Duell gegen den Bergischen HC, das nach 60 hart umkämpften Handballminuten mit 18:18-Unentschieden geendet hatte. Die 2.815 Zuschauer in der Wuppertaler Uni-Halle hatten zuvor eine Achterbahn der Emotionen miterlebt und von den Rängen für ein stimmungsgewaltiges Event gesorgt.

Die Gäste aus Mittelhessen, die ohne ihre beiden Nationalspieler Jannik Kohlbacher und Kristian Björnsen (beide Muskelfaserriss) antreten mussten, fanden im Bergischen Land gut ins Spiel. Gestützt auf einen einmal mehr starken Benjamin Buric erzielte Linksaußen Kasper Kvist per Siebenmeter das 1:0 für seine Farben, da waren aber schon vier Minuten gespielt. Nach und nach zogen die Schützlinge von Kai Wandschneider, der sein Team gut auf die offensive Abwehr des BHC eingestellte hatte, davon. Anton Lindskog hatte in der 11 Minute vom Kreis zum 5:2 getroffen.

Bis zur 25 Minute konnte der Tabellensechste den 3-Tore-Vorsprung verteidigen (10:7, Tor durch Siebenmeter Kasper Kvist). Doch die Bergischen Löwen ließen nicht locker, auch weil Wetzlar bereits in der ersten Halbzeit mit zahlreichen freien Würfen am starken BHC-Keeper Björgvin Gustavsson scheiterte und sich deshalb nicht deutlicher absetzen konnte.  So war es Arno Gunnarsson, der per verwandeltem Siebenmeter kurz vor dem Halbzeitpfiff den 9:10-Anschlusstreffer für die Hausherren erzielen konnte.

Mit etwas mehr Konzentration im Abschluss wäre eine deutlichere Halbzeitführung für die Grün-Weißen drin gewesen, doch die Konsequenz beim Torwurf schien auch nach dem Wechsel wie weggeblasen. Kasper Kvist, der einen rabenschwarzen Tag erwischt hatte, warf direkt nach dem Anpfiff der zweiten Hälfte frei über das Tor. Dazu kamen ein Fehlwurf von Anton Lindskog, ein Stürmerfoul von Filip Mirkulovski und ein Lattentreffer von Stefan Cavor. In den ersten acht Minuten der zweiten Halbzeit blieb Wetzlar ohne Treffer, verwarf sogar noch einen Siebenmeter, und die Bergischen Löwen nutzen diese lange Schwächephase der Philipp Weber & Co. um auf 13:10 davon zu ziehen.

Erst ein verwandelter Siebenmeter von Spielmacher Philipp Weber ließ die Wetzlarer Abschlussblockade bröckeln. Dazu packte Trainer Kai Wandschneider einen weiteren taktischen Kniff aus und spielte einige Angriffe mit siebtem Feldspieler, was den BHC aus dem Defensivkonzept und die Gäste zurück ins Spiel brachte. Gestützt auf Paraden von Benjamin Buric, der insgesamt 19 Würfe entschärfte, kamen die Mittelhessen wieder Tor um Tor heran und erneut Philipp Weber war es, der zehn Minuten vor dem Ende  den 16:16-Ausgleichstreffer markierte. 

Tobias Hahn und Anton Lindskog waren es, die Wetzlar mit ihren Treffern (18:16, 54. Minute) auf die vermeintliche Siegerstraße brachten. Die Gastgeber waren bis dahin 17 Minuten ohne eigenen Treffer geblieben. „Doch wir haben es dann nicht geschafft, den Sack zu zumachen“, brachte es ein letztlich trotzdem zufriedener Kai Wandschneider nach dem Abpfiff auf den Punkt. Linksaußen Kasper Kvist verwarf einen Gegenstoß, der wohl die endgültige Entscheidung gebracht hätte und so waren es zwei technische Fehler der Mittelhessen, die der kampf- und nervenstarke BHC zum Ausgleich und zum gerechten Unentschieden nutzte.

„Wenn man das ganze Spiel sieht, dann geht dieses Remis absolut in Ordnung“, bilanzierte auch HSG-Geschäftsführer Björn Seipp. „Natürlich ist es ärgerlich, dass wir in der Schlussphase nicht den Deckel drauf gemacht haben. Aber auf der anderen Seite haben wir zu Beginn der zweiten Halbzeit ein ganz tiefes Loch gehabt, aus dem man auch nicht mehr hätte rauskommen können. Da hat die Mannschaft einmal mehr eine beachtliche Moral gezeigt und deshalb brauchen wir uns über das Ergebnis nicht zu ärgern. Ganz im Gegenteil: Wenn man überlegt, in welcher Situation sich der BHC befindet, welchen Druck das Publikum gemacht hat und wie das Spiel gelaufen ist, dann ist es ein Punktgewinn.“

Stenogramm:

Bergischer HC: Gustafsson, Rudeck (bei 2 Siebenmetern); Preuss, Hoße (1), Gunnarsson (3/2), Nippes (2), J. Artmann, A. Hermann (1), Babak (2), Gutbrod (4), Vilovski, Jonovski, Nourouzinezhad (3), Criciotoiu (2).

HSG Wetzlar: Buric, N. Weber (bei einem Siebenmeter); Kneer, Pöter, Mirkulovski (2), P. Weber (4/2), Kraft, Hahn (4), Berggren (1), Kvist (3/2), Klesniks, Lindskog (3), Cavor (1).

Schiedsrichter: Matthias Brauer/Kai Holm - Zuschauer: 2.815. - Siebenmeter: 5/2 - 5/4. - Strafminuten: 6/4.