HSG Wetzlar holt Punkt gegen Favoriten aus Flensburg!

DKB Handball-Bundesliga

Mittelhessen führen gegen Champions League-Sieger lange - Nach turbulenter Schlussphase endet die Partie mit einem, für die Gäste glücklichen 22:22-Unentschieden

Nur hauchdünn ist die HSG Wetzlar am Sonntagnachmittag in eigener Halle an einer Sensation vorbei geschrammt. Erst in den letzten Spielminuten konnten die Favoriten aus Flensburg das Spiel drehen und sich ein 22:22-Unentschieden (12:8) erkämpfen.

Vor 4.292 Zuschauern erwischte Wetzlar einen glänzenden Start. Erneut war es HSG-Schlussmann Andreas Wolff, der mit einer überragenden Leistung der Rückhalt seiner Mannschaft war. So konnte der 23-jährige Torhüter alleine in der ersten Halbzeit zwölf Paraden auf seinem Konto verbuchen. Und auch die Abwehr machte ihre Sache von Beginn an sehr gut. Bereits in der achten Minute ging Wetzlar deshalb mit vier Toren in Führung. 
Selbst eine zwei Minuten Zeitstrafe für Florian Laudt in der 10. Spielminute konnte Wetzlar nicht aus dem Konzept bringen. Trainer Kai Wandschneider hatte seine Schützlinge exzellent auf die Flensburger Taktikvarianten eingestellt. Und auch die extrem offensive Deckung der Norddeutschen bereitete Wetzlar in der ersten Halbzeit keine größeren Schwierigkeiten. Angeführt von Steffen Fäth, der an diesem Abend mit sieben Treffern der beste Werfer der HSG war, schaffte es Wetzlar konsequent das Tempo aus dem Spiel zu nehmen und den Ball bis zur passenden Wurfgelegenheit laufen zu lassen. Auf der Gegenseite scheiterten Flensburg ein ums andere Mal an Andreas Wolff. Egal ob Drasko Nenadic beim Tempogegenstoß oder Holger Glandorf frei vorm Tor, an Andreas Wolff gab es kein Vorbeikommen. Beim Stand von 12:8 ging es in die Kabine und die Fans in der Wetzlarer Rittal-Arena rieben sich erstaunt die Augen.

Auch nach der Pause erwischte Wetzlar den besseren Start. Eine Zeitstrafe für Thomas Mogensen nutzten die Mittelhessen und ging innerhalb weniger Minuten mit 16:10 in Führung. Kai Wandschneider warf noch einmal all sein taktisches Geschick in die Waagschale und ließ seine Mannschaft sehr offensiv decken, was die Flensburger weiter aus dem Konzept brachte. Außerdem stand Kent Robin Tönnesen nach seiner Verletzung für zwei Spielzüge wieder auf der Platte und steuerte direkt einen Treffer bei. 

Das Spiel schien für Flensburg endgültig gelaufen. Doch dann schlichen sich Unachtsamkeit in das Wetzlarer Spiel ein. Diese kurze Schwächephase, gut 15 Minuten Schluss, nutze Flensburg eiskalt aus. Mattias Andersson, der für seine erste sehenswerte Aktion fast 45 Minuten gebraucht hatte, trieb seine Jungs an, die sich trotz des Rückstands noch nicht aufgegeben hatten. Der Vorsprung für die HSG schrumpfte dahin und beim Stand von 20:17 ging es in die letzten 10 Minuten des Spiels. 

Es wurde ein munterer Schlagabtausch. Als Thomas Mogensen knapp zwei Minuten vor Schluss zum 21:21 Ausgleich traf, stand das Spiel endgültig auf Messers Schneide. Doch Vladan Lipovina, der erneut ein herausragendes Spiel zeigte, arbeitete sich durch das Flensburger Abwehrbollwerk und traf zum 22:21. Im Gegenzug scheiterte Mogensen zwar erneut an Andreas Wolff, erkämpfte allerdings einen Siebenmeter, den Hampus Wanne 30 Sekunden vor Schluss zum 22:22 verwandelte. Wetzlar hatte noch die Chance zum Siegtreffer auf der Hand, fand aber keine Möglichkeit mehr für einen sauberen Abschluss. So blieb es bei der Punkteteilung, die für den Favoriten aus dem Hohen Norden mehr als glücklich war..

Stimmen zum Spiel:

Andreas Wolff (Torhüter HSG Wetzlar): „Wenn man mit sechs Toren geführt hat, dann ist es sehr ärgerlich am Ende unentschieden zu spielen. Da ist es dann auch egal, ob es Flensburg, Kiel oder Erlangen ist.“

Steffen Fäth (Spieler HSG Wetzlar): „Im ersten Moment ärgere ich mich jetzt erst einmal über einen verlorenen Punkt, aber ich denke, dass wir uns bald darüber freuen werden.“ 

Mattias Andersson (Torhüter SG Flensburg-Handewitt): „Wenn man den Spielverlauf sieht, dann war das ein gewonnener Punkt. Unsere Stärke ist, dass wir nie aufgeben und immer weiter spielen. Du willst ja kein Spiel verlieren!“

Kai Wandschneider (Trainer HSG Wetzlar): „Ich sehe uns hier heute als moralischen Sieger und bin stolz auf unsere Mannschaft.“

Ljubomir Vranjes (Trainer SG Flensburg-Handewitt): „Ich muss sagen, ich bin zufrieden, dass wir hier einen Punkt gewonnen haben, aber nicht wie wir gespielt haben.“

Stenogramm:

HSG Wetzlar: Wolff, Hombrados (n.e.), Fäth (7), Lipovina (5), Weber (4), Joli (2), Bliznac (1), Tönnesen (1), Laudt (1), Rompf (1), Prieto (n.e.), Hahn (n.e.).

SG Flensburg-Handewitt: Andersson, Möller (n.e.), Mogensen (7), Svan (5), Glandorf (3), Nenadic (2), Zachariassen (2), Jakobsson (1), Kaufmann (1, Wanne (1/1), Karlsson, Radivojevic.