HSG Wetzlar kann Topteam aus Hamburg nur kurz ärgern!

DKB Handball-Bundesliga

Mittelhessen verlieren mit 23:26 gegen Champions League-Sieger – Tönnesen mit fünf Toren erfolgreichster Schütze

Nicht nur die Fans fieberten dem Rückrundenauftakt der DKB Handball-Bundesliga entgegen, um ihre Mannschaft endlich wieder auf dem Feld zu sehen. Auch Cheftrainer Kai Wandschneider äußerte bereits im Vorfeld, dass er sich auf die Fans und die Stimmung in der Rittal Arena freue. Und er hatte allen Grund dazu, denn die 4295 Zuschauer zeigten von Beginn an, warum sie den Weg in die Halle gefunden hatten – weil sie das Spiel lieben und ihre Mannschaft lautstark bis zum Abpfiff unterstützen wollen.

Mit dem HSV Handball reiste am 21. Spieltag der amtierende Champions League-Sieger in die Rittal Arena, um wichtige Punkte im Kampf um die internationalen Plätze zu sammeln und den Anschluss an die obere Tabellenhälfte zu halten. Die HSG Wetzlar konnte in der ersten Halbzeit noch gut mit den Gästen mithalten, verlor dann aber in der zweiten Hälfte den Faden. Den Hausherren gelang es nicht, wie es Wandschneider vor der Partie betont hatte, den Torabstand bis kurz vor Schluss so klein wie möglich zu halten. Die Hamburger wurden damit ihrer Favoritenrolle im ersten Pflichtspiel des Jahres gerecht.

Die HSG Wetzlar leistete sich bereits in den ersten Minuten einige unnötige Fehler. Tobias Reichmann konnte Pascal Hens nur noch unfair stoppen und folgerichtig gab es den ersten Strafwurf für die Gäste, den Hans Lindberg sicher vom Punkt zur 2:0-Führung verwandelte (4.). Fünf Minuten dauerte es, bis Evars Klesniks das erste Tor für seine Farben markierte. Die HSG Wetzlar agierte in der Defensive zu statisch und übte zu wenig Druck auf die Hamburger Angriffsreihe aus. Pascal Hens nutzte die freien Räume und erhöhte nach sieben Zeigerumdrehungen auf 4:2. Nach einem zuvor unglücklichen Lattentreffer sorgte Flügelspieler Kevin Schmidt, sehr zur Freude der Fans, drei Minutenspäter per Tempogegenstoß für den 5:5-Ausgleichstreffer.  

HSG-Torhüter Wolff mit sehenswerten Paraden

Doch die Hamburger blieben weiterhin konsequent in ihrem Spiel. Hans Lindberg zeigte von außen seine individuelle Klasse und stellte nach dreizehn Minuten den Abstand erneut auf zwei Tore (7:5) her. Die Domstädter spielten in dieser Phase der Partie zu unüberlegt und suchten immer wieder zu früh den Abschluss. Die Gäste nutzten dagegen ihre Chancen und bauten durch Kreisläufer Andreas Nilsson die Führung auf drei Tore nach einer viertel Stunde aus. Auf Seiten der HSG zeigte besonders Andreas Wolff eine gute Präsenz im Tor. Die Hamburger scheiterten mehrmals an dem Wetzlarer Keeper, der mit der fünften Parade im bisherigen Spiel seine Vordermänner weiter in der Partie hielt.

Auf der Gegenseite konnten diese allerdings ihre Chancen nicht nutzen und scheiterten ebenfalls des Öfteren an Torhüter Johannes Bitter. Nach einer sehenswerten Aktion vom „Kopf der Mannschaft“, wie ihn Wandschneider in der anschließenden Pressekonferenz charakterisierte, stellte Ivano Balic mit dem Treffer zum 8:9 wieder den Anschluss her. Dem HSV unterliefen nun auch zunehmend mehr Fehler im Spiel, doch die Hausherren verpassten es durch Steffen Fäth, der nach seiner achteinhalb Wochen Pause erstmals wieder auf der Platte stand, abermals den Spielstand zu egalisieren. „Es freut mich dass Steffen wieder ins Spielgeschehen eingreifen konnte. Er hatte einen guten Start gehabt, aber er wird noch ein bisschen Zeit brauchen“, zeigte sich Trainer Wandschneider dennoch zufrieden mit der Leistung des Rückraumspielers.

Welthandballer Domagoj Duvnjak indessen überzeugte immer wieder mit seiner individuellen Klasse, gegen die auch die grün-weiße Abwehr kein Mittel fand. Nach 24 Minuten erzielte er das 11:9 für die Hanseaten. Der Hamburger Trainer Schwalb legte in der Folgeminute die grüne Karte auf den Tisch, nachdem Lindberg zuvor vom Siebenmeterpunkt gegen Wolff scheiterte und die Domstädter zudem immer besser ins Spiel fanden.  

Die Defensive der HSG Wetzlar agierte aber auch nach der Auszeit weiterhin aggressiv und setzte die Gäste zunehmend mehr unter Druck. Der HSV war nun mehrim Angriff gefordert und musste den Abschluss aus ungünstigen Positionen suchen. Wetzlar konnte sich jedoch für die gute Abwehrarbeit nicht belohnen. Der Truppe um Kapitän Jens Tiedtke unterliefen unnötige Fehler, die die Hamburger konsequent bestraften. Lindberg erzielte in der 30. Minute den 13:11-Pausenstand, nachdem die Grün-Weißen zuvor den Ball auf der Gegenseite verloren hatten.

4:0-Lauf bringt frühzeitige Entscheidung

In Hälfte zwei dauerte es keine 30 Sekunden, bis die Hausherren zum vierten Mal dezimiert auf der Platte standen. Dieses Mal erwischte es Kreisläufer Carlos Prieto, der für zwei Minuten auf die Bank geschickt wurde. Torhüter Wolff knüpfte an seine bisherige Leistung an und parierte den ersten Wurf der Gäste. Kent Robin Tönnesen erzielte in der 33. Minuten das 12:14. Es sollte das einzige Tor in den kommenden fünf Minuten für die HSG Wetzlar bleiben. Nach einem 4:0-Lauf der Hamburger, die ihre Führung erstmals durch Nilsson auf sechs Tore ausbauen konnten (18:12, 37.), nahm Wandschneider folgerichtig die Auszeit. Balic beendete dann mit etwas Glück, nachdem Johannes Bitter der Ball durch die Hände gerutscht ist, die torlose Phase der Mittelhessen. Die Hamburger kamen deutlich besser aus der Kabine und konnten sich so sukzessiv im Spiel absetzen.

Tobias Hahn verkürzte in Minute 45 zum 16:22, nachdem die Gastgeber  mit einer so genannten "schnellen Mitte" spielten und die Abwehr der Hamburger mit Tempohandball erfolgreich überraschten. Die Hausherren taten sich aber in den darauffolgenden Minuten erneut schwer gegen die gutstehende Abwehr der Hamburger und die individuelle Klasse der HSV-Spieler. Im Angriff scheiterten die Grün-Weißen an sich selbst, nachdem Sebastian Weber versuchte Johannes Bitter per Heber zu überwinden, dieser den Ball aber abfangen konnte und so den Gegenstoß über Lindberg einleitete. Doch auch der Däne zeigte in der Endphase Nerven und fand im starken Magnus Dahl seinen Meister.  

Fünf Minuten vor Spielende nutzte Wandschneider noch einmal die Gelegenheit und zitierte seine Männer zur Seite, um letzte Instruktionen zu geben. In Minute 57 machte es Sebastian Weber dann im zweiten Anlauf besser und brachte den Heber gegen Bitter erfolgreich im Tor unter (20:26). Der letzte Treffer zum 23:26-Endstand gebührte ebenfalls dem Wetzlarer Kreisläufer. „Ein großes Kompliment an die Mannschaft, die sehr gut bis zum Schluss gekämpft hat und sich nicht aufgegeben hat,“ zeigte sich Trainer Wandschneider trotz der Niederlage gegen den HSV Handball zufrieden mit der Leistung seines Teams.

Stenogramm: 

HSG Wetzlar: Dahl, Wolff; Schmidt (4), Prieto, Tiedtke, Rompf, Weber (4), Tönnesen (5), Reichmann, Laudt (2), Fäth (1), Hahn (1), Harmandic, Balic (4), Klesniks (2), Rompf (n.e).

HSV Handball: Bitter, Cleverly (n.e.); Duvnjak (5), Jansen (1), Lackovic (2), Canellas (5/3), Djordjic, Lindberg (4/2), Nilsson (5), Hens (1), Dominikovic, Pfahl (3), Flohr

Schiedsrichter: Immel/Klein (DHB-Elitekader) –Zuschauer: 4295 – Zeitstrafen: 5:4 – Strafwürfe: 2:7

Stimmen zum Spiel:

Martin Schwalb (Trainer HSV Handball): "Wir haben uns heute vorgenommen aus einer stabilen 6:0-Abwehr zu agieren und aggressiv im Mittelblock zu arbeiten. Unsere Abwehr war weitgehend stabil und Johannes Bitter hat natürlich einen guten Job gemacht. Im Laufe des Spiels konnten wir uns dann absetzen und haben unsere Chancen besonders in der zweiten Hälfte sehr gut genutzt. Zudem verfügen wir über eine individuelle Klasse, das ist schon beeindruckend, was zum Beispiel Domagoj Duvnjak macht. Letztlich verdient gewonnen. Etwas ärgerlich ist es, dass wir in den letzten Minutenein paar Tore hergegeben. Ich bin aber sehr zufrieden, denn es ist nicht selbstverständlich, dass man hier in Wetzlar gewinnt."

Kai Wandschneider (Trainer HSG Wetzlar): "Glückwunsch an den HSV zum verdienten Sieg. Es war das erste Spiel nach der Winterpause, das heißt man ist noch nicht so eingespielt, wie es in ein paar Wochen der Fall sein wird. Daher habe ich gehofft, dass wir den HSV noch mehr und länger ärgern können. In der ersten Halbzeit ist uns das gut gelungen. Der Knackpunkt war dann kurz vor der Halbzeit, als wir zweimal in Folge in Überzahlt scheitern und es verpassen mit einer Führung in die Kabine zu gehen. Der HSV hat gut verteidigt und ist individuell sehr stark. Als es 15:22 stand hab ich nur gehofft, dass das Spiel nicht zweistellig ausgeht. Ein großes Kompliment an die Mannschaft, die sehr gut weitergekämpft hat. Der HSV hat zum Ende hin nachgelassen, das haben wir dann nutzen können. Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden, aber es spiegelt nicht ganz die Überlegenheit der Hamburger wider. Im Eins-gegen-Eins müssen wir mehr aushelfen und auch mehr Zweikämpfe gewinnen. Ein Sonderlob muss ich Sebastian Weber aussprechen. Er hat als einziger Zweikämpfe gewonnen. Jetzt müssen wir sehen, dass wir gegen den Bergischen HC Punkte holen." 

Jens Tiedtke (Kapitän HSG Wetzlar): „Zwischendurch sah es so aus, als ob wie eine deutliche Klatsche gegen Hamburg einfahren, aber wir haben gut weitergekämpft. Am Anfang der zweiten Halbzeit haben wir zu viele Bälle liegen gelassen und der HSV hat das dann clever ausgenutzt. Hamburg hat heute verdient gewonnen, aber wir können trotzdem mit gehobenem Hauptes nach Hause gehen.“ 

Pascal Hens (Kapitän HSV Handball): „Es ist schwer hier zu gewinnen und waren nach der Klatsche in der vergangenen Saison gewarnt. Nach der EM haben einige Spieler bei uns in der Winterpause gefehlt, dass hat man gemerkt. Die Hauptsache ist, dass wir heute gewonnen haben. Johannes Bitter hat uns im Spiel gehalten und besonders in den wichtigen Phasen hat er super Paraden gehabt. Es ist ein bisschen ärgerlich, dass wir die HSG dann noch etwas rankommen lassen am Ende, nachdem wir mit acht Toren zwischendurch geführt haben.“