HSG Wetzlar mit furiosem Auftritt zum Unentschieden!

DKB Handball-Bundesliga

Mittelhessen ringen Champions League-Teilnehmer SG Flensburg/Handewitt 31:31-Remis ab - Harmandic und Reichmann setzen wichtige Akzente.

Es scheint in dieser Saison bei der HSG Wetzlar fast zur Gewohnheit zu werden, dass am Ende der Heimspiele einer der beiden Torhüter zum „Matchwinner“ wird. Gegen den TV Großwallstadt rettete Nikola Marinovic mit einer Parade in letzter Sekunde den Sieg, gegen den TBV Lemgo am vergangenen Samstag war es ebenfalls der österreichische Nationaltorhüter, der mit einer Vielzahl von Paraden den Grundstein zum Erfolg legte. Am gestrigen Mittwochabend avancierte Nikolai Weber zum Helden, als er den letzten Angriff der SG Flensburg/Handewitt zu Nichte machte und den Grün-Weißen das 31:31 (13:14)-Unentschieden rettete.

Es war eines der Spiele, die an Spannung kaum zu überbieten sind. Vom Anpfiff weg entwickelte sich in der Wetzlarer Rittal Arena, die mit 4113 Zuschauern gefüllt war, eine muntere und mitreißende Kopf-an-Kopf-Begegnung, die zunächst vom in der ersten Halbzeit erneut überragend aufgelegten Nikola Marinovic geprägt war. Der HSG-Keeper entschärfte in den ersten 30 Minuten nicht nur sieben Flensburger Torversuche, sondern hielt zusätzlich die ersten drei Siebenmeter in Folge. Die Grün-Weißen nutzten dies, um sich nach knapp zehn Minuten mit 4:3 in Front zu bringen.

Auf Seiten der Flensburger begann Sören Rasmussen im Tor, der ebenfalls einen Strafwurf parieren und weitere Würfe entschärfen konnte. Nichtsdestotrotz gelang es den Hausherren auch in Unterzahl die Führung zu verteidigen. Kapitän Michael Müller markierte nach zwölf Minuten das 6:5. „Wir konnten heute völlig befreit in das Spiel gehen und haben uns wegen des schweren Programms, das die Flensburger in den letzten Tagen zu absolvieren hatten, etwas ausgerechnet“, erklärte HSG-Trainer Kai Wandschneider, der nach Abpfiff „sehr stolz auf die Mannschaft“ war. Und das zu Recht! Denn dem Meisterschaftsanwärter und Champions League-Teilnehmer Flensburg in eigener Halle einen Punkt abzutrotzen, darf in Mittelhessen als ein riesen Erfolg gewertet werden.

Dementsprechend ausgelassen feierten die Spieler gemeinsam mit den Fans den gewonnenen Zähler. „Ich muss dem Publikum wieder einmal ein großes Kompliment aussprechen – das war fantastisch. Sogar ich habe heute die außergewöhnliche Stimmung wahrgenommen, obwohl ich auf der Bank sonst nur das Spielfeld sehe. Das hat die Mannschaft in der entscheidenden Phase noch einmal nach vorne getrieben und Kraft verliehen“, zeigte sich Wandschneider  von der „Festung“ Rittal Arena tief beeindruckt.

Auf dem Spielfeld waren es vor allem Rechtsaußen Tobias Reichmann und Adnan Harmandic, die der Partie ihren Stempel aufdrückten. Neu-Nationalspieler Reichmann zeigte in seinem „Wohnzimmer“ erneut eine Leistung der Extraklasse, während Spielmacher Harmandic immer weiter zum Kopf der Mannschaft heranreift. So verwunderte es auch nicht, dass es nach dem Seitenwechsel immer wieder das Duo war, das die HSG im Spiel hielt (21:21, 42./25:26, 46./27:28, 54.)

In der Crunchtime, in der die Wetzlarer zunächst im Rückstand lagen, stellte Taktikfuchs Wandschneider, wie schon in zahlreichen Begegnungen zuvor, seine Deckung auf die gefürchtete 3:3-Formation um, was sofort Früchte trug. Der bis dato unglücklich agierende Fannar Thor Fridgeirsson eroberte in der Abwehr gleich drei Bälle, von denen er selbst zwei per Gegenstoß im Tor der Norddeutschen unterbrachte und die Partie somit drehte (29:28, 56.). Doch die SG zeigte in der Folge ihre ganze internationale Klasse und ging ihrerseits mit 30:29 in Führung. Beim Stande von 30:31 aus Sicht der Grün-Weißen war es Kevin Schmidt, der vom Siebenmeterpunkt den „HSG Wetzlar Schreck“ der vergangenen Spielzeiten, Matthias Anderson, bezwang, ehe Nikolai Weber den Punkt festhielt.

„Wir haben heute ein spannendes Spiel gesehen, bei dem wir uns den Punktgewinn verdient haben“, erklärte Geburtstagskind Ljubomir Vranjes, Trainer der SG. „Wetzlar spielt eine gute Saison und um hier zu gewinnen, muss man Eier haben. Wir wissen, dass wir einige Sache besser machen können und das werden bis zum nächsten Spiel auch versuchen umzusetzen“, ergänzte der sympathische Schwede in skandinavischer Gelassenheit.

HSG Wetzlar: Marinovic, Weber: Schmidt (3/2), Rompf (n.e.), Philipp Müller (2), Fäth (2), Harmandic (7/4), Mraz, Fridgeirsson (2), Michael Müller (3), Valo (2), Reichmann (7), Kristjansson (3), Tiedtke.

SG Flensburg/Handewitt: Anderson, Rasmussen; Eggert (9/5), Vogt (n.e.), Machulla, Atlason (3), Glandorf (4), Mogensen (4), Weinhold (1), Kaufmann (1), Svan Hansen (4), Karlsson (1), Dibbert, Heinl, Knudsen (4).

 

Stimmen zum Spiel:

Nikolai Weber: "Wir haben heute in den entscheidenden Phasen immer wieder Ruhe bewahrt und haben uns trotz aller Widrigkeiten nicht aus unserem Konzept bringen lassen. Das ist eine unserer neuen Stärken. Insgesamt war es ein Sieg, zu dem jeder etwas beigetragen hat. Wenn man jemanden herausheben will, dann sicherlich Tobi Reichmann und Kevin Schmidt. Die Nerven zu haben, in der entscheidenden Situation den Siebenmeter zu verwandeln - das ist schon beeindruckend. Jetzt hoffen wir, dass wir die Leistung mit ins nächste Spiel gegen den TSV Hannover-Burgdorf nehmen können und dort möglichst noch einen Punkt mehr holen."

Kevin Schmidt: "Die Situation vom Siebenmeterpunkt gegen Matthias Anderson kannte ich noch aus der vergangenen Saison und irgendwie hatte ich gehofft, dass es dazu kommt. Ich bin froh, den Ball versenkt zu haben. Mit entscheidend war heute, dass wir Flensburg mit unseren verschiendenen Deckungsvarianten immer wieder vor neue Aufgaben gestellt haben."

Fannar Thor Fridgeirsson: "Ich bin nicht gut ins Spiel gekommen, aber ich hatte dennoch genügend Selbstvertrauen. In der zweiten Halbzeit war ich wie in einer anderen Welt und habe mich voll fokussiert. Dass ich mit meinen Toren in der Schlussphase meinen Beitrag zum Remis leisten konnte, freut mich sehr."