HSG Wetzlar sagt am Freitag sechs verdienten Spielern „goodbye“!

Bildquelle: Oliver Vogler

DKB Handball-Bundesliga

Welthandballer Ivano Balic und Ex-Nationalspieler Jens Tiedtke beenden erfolgreiche Karrieren – José Hombrados, Kent Robin Tönnesen, Dejan Manaskov und Adnan Harmandic werden ebenfalls verabschiedet

Einem letzten Heimspiel sehen die Fans im Sport zumeist mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen! So ist es diesmal auch beim Handball-Erstligisten HSG Wetzlar. Zum einen freuen sich die Anhänger der Grün-Weißen auf den letzten Heimauftritt ihrer Mannschaft in einer alles in allem erfolgreichen Saison. Zum anderen heißt es an diesem Tag Abschied von verdienten Spielern zu nehmen, die die Anhänger in den vergangenen Monaten und Jahren in ihr Herz geschlossen haben. Mit Dejan Manaskov, Adnan Harmandic, José Hombrados, Kent Robin Tönnesen, Jens Tiedtke und Ivano Balic sagen am Freitagabend, nach dem ausverkauften Heimspiel gegen Frisch Auf! Göppingen (Anwurf: 20.00 Uhr, Rittal Arena Wetzlar) gleich sechs Akteure „goodbye“!

„Für sie und unsere fantastischen Fans wollen wir in diesem letzten Heimspiel noch einmal alles reinhauen und dieses Spiel gewinnen“, so Wetzlars Coach Kai Wandschneider. „Der Club wird die sechs Spieler nach dem Ende der Partie, wie immer, sehr feierlich und gebührend verabschieden. Im Vorfeld müssen wir das allerdings ausblenden und uns voll auf dieses Spiel konzentrieren, denn Göppingen ist ein ganz harter Brocken. Sie verfügen über eine sehr aggressive und kompakte Abwehr mit zwei starken Torhütern dahinter. Im Angriff sind sie auf allen Positionen sehr stark besetzt und strahlen von jeder Position enorme Torgefahr aus“, analysiert Wandschneider die Stärken der Gäste, bei denen mit Torhüter Nikola „Bobby“ Marinovic ein ehemaliger Wetzlarer ein Wiedersehen mit den Fans feiert. Personell hofft Wandschneider, dass er am Freitag alle Mann an Bord haben wird. „Die Einsätze von Sebastian Weber, der in Flensburg einen Schlag auf den Oberschenkel bekommen hat, und Ivano Balic  entscheiden sich wahrscheinlich erst kurz vor Spielbeginn“, verrät der Trainer. Balic, der wegen Rückenproblemen in den vergangenen beiden Erstligaspielen gegen Gummersbach und Flensburg nicht dabei sein konnte, möchte aber unbedingt spielen. „Es ist das letzte Spiel meiner Karriere, da muss ich dabei sein“, so der Kroate.

Nach 20 Jahren auf höchstem Handballer-Niveau ist für den zweifachen Welthandballer (2003 und 2006), Weltmeister (2003) und Olympiasieger (2004) nach Freitagabend Schluss mit dem aktiven Handball. Der zweifache Familienvater wird danach die Stelle des Sportlichen Leiters im kroatischen Handballverband besetzen. „Man muss wissen, wann es Zeit ist! Mein Körper schmerzt überall und ich habe gemeinsam mit meiner Familie und meinen Freunden lange gesprochen, danach stand mein Entschluss fest, am Ende dieser Saison aufzuhören. Klar bin ich vor Freitag unheimlich nervös, denn dann ist es endgültig, dass Schluss ist. Aktuell ist das schon noch ein komisches Gefühl“, so Balic, der im August 2013 für viele überraschend zur HSG Wetzlar in die DKB Handball-Bundesliga gewechselt war. Seitdem verzückt der heute 36-jährige die Fans mit seiner besonderen Art Handball zu spielen. und ist aktuell mit 86 Assists und 64 Ballgewinnen Führender in diesen Statistiken der Liga. Dutzende kroatische Handballfans haben sich bereits für sein letztes Spiel in Wetzlar angekündigt und wollen genauso, wie zahlreiche in- und ausländische Fernsehstationen live mit dabei sein, wenn der „Mozart des Handballs“ am Freitag letztmals als Spieler aufläuft.

Auf eine erfolgreiche Handballer-Karriere kann am Freitagabend auch Kreisläufer Jens Tiedtke zurückschauen, der vor nunmehr drei Jahren vom TV Großwallstadt an die Lahn gewechselt war und seit zwei Spielzeiten das Kapitänsamt bei den Grün-Weißen inne hat. Aus gesundheitlichen Gründen konnte der zweifache Familienvater in dieser Spielzeit nur in 15 Saisonspielen im Kader der Mittelhessen stehen. Im Sommer musste sich der 35-jährigen, der Ende 2006 eine Tumor-OP am Kopf hatte, erneut neurologischen Behandlungen unterziehen. 64 Mal hat der gebürtige Koblenzer, der mit seiner Familie in Großwallstadt wohnt, für die deutsche Handball-Nationalmannschaft gespielt, mit der er bei der WM 2009 in Kroatien den fünften Platz belegte. Seit 1999 spielt der Kreisläufer durchweg im deutschen Handball-Oberhaus und hat in insgesamt 458 Spielen 1.328 Treffer erzielt. Nun beendet der Kreisläufer seine Profikarriere. „Nach der Zeit als Profi beginnt für ‚Tito‘ jetzt ein neuer Lebensabschnitt. Wir wünschen ihm viel Erfolg im Berufsleben und ihm und seiner lieben Familie für die Zukunft nur das Beste – allen voran natürlich Gesundheit“, so HSG-Geschäftsführer Björn Seipp.  

Abschied nehmen heißt es für die grün-weißen am Freitagabend auch von Kent-Robin Tönnesen. Der Norweger, der Freitag seinen 24. Geburtstag feiert, war vor zwei Jahren vom schwedischen Club Sävehof an die Lahn gewechselt und hatte sich schnell zum einem Top-Torjäger der Mittelhessen entwickelt. In dieser Saison gelangen dem Linkshänder bereits 131 Treffer. Nach dieser Spielzeit wechselt Tönnesen zum EHF-Pokalsieger Füchse Berlin und bildet dort künftig mit Nationalspieler Fabian Wiede das Gespann im rechten Rückraum. „Kenny hat sich hier in Wetzlar unter Kai Wandschneider unglaublich toll entwickelt. Er ist ein fleißiger Spieler, der hart an sich arbeitet und dem sicherlich noch eine große Karriere bevorsteht. Wir hätten es gerne gesehen, wenn er länger in Wetzlar geblieben wäre, wünschen ihm aber für die Zukunft viel Erfolg“, so Seipp.

„Adios“ sagt nach dem letzten Heimspiel auch José Hombrados zu den Wetzlarer Anhängern. Der spanische Weltmeister (2005), der in seiner Karriere gleich fünf Mal die Champions League gewonnen hat, kehrte im August nach Wetzlar zurück, nachdem er den Mittelhessen auch bereits in der Saison 2013/2014 für einige Wochen auf der Torhüter-Position ausgeholfen hatte. Gemeinsam mit Nationalspieler Andreas Wolff bildete der 43-jährige in der nunmehr beinahe abgelaufenen Spielzeit ein zuverlässiges Torhüter-Gespann. „Jota ist ein toller Typ, der auf und abseits des Spielfeldes eine wichtige Rolle in unserer Mannschaft ausgefüllt hat“, so Björn Seipp. „Welches Ansehen er im weltweiten und allen voran spanischen Handballsport hat, zeigt auch, dass sich zu seinem letzten Spiel der spanische Konsul angekündigt hat. Wir danken Jota an dieser Stelle für seinen Einsatz für die HSG Wetzlar.“

Viereinhalb Spielzeiten hat Adnan Harmandic nunmehr das Trikot der Domstädter getragen. Der 31-jährige Spielmacher war im November 2011 vom dänischen Erstligisten Silkeborg an die Lahn gewechselt und hat seitdem 124 Mal für die HSG Wetzlar gespielt. Dabei gelangen dem zweifachen Familienvater insgesamt 232 Treffer, einige davon vom Siebenmeter-Punkt. Spielwitz, Kreativität und Torgefahr zeichneten den gebürtigen Bosnier dabei aus, der bis zu seinem Rücktritt 78 Länderspiele für sein Heimatland bestritten hat. In der kommenden Saison geht der Spielmacher für den ambitionierten Zweitligisten HSG Coburg auf Torejagd. „Es gilt Ado ein großes Dankeschön auszusprechen! Er ist in den vergangenen Jahren mit der HSG Wetzlar durch Höhen und Tiefen gegangen. Jetzt wünschen wir ihm für seine neue Aufgabe viel Erfolg“, so Björn Seipp.

„Last but not least“ nimmt auch Linskaußen Dejan Manaskov am Freitag seinen Abschied. Der gebürtige Mazedonier war erst im Februar diesen Jahres quasi als „last minute“-Transfer nach Wetzlar gewechselt und machte sich durch seine Schnelligkeit und Torgefahr schnell einen Namen. In 14 Liga-Spielen gelangen dem 22-jährigen Mazedonier bislang stolze 69 Tore. Nunmehr geht es für den Nationalspieler zurück in seine Heimatstadt. Ab der kommenden Saison wird Manaskov für den ambitionierten Champions League-Teilnehmer Vardar Skopje auf Torejagd gehen. „Dejan hat sich mit seinem spektakulären Spiel hier schnell in die Herzen der Fans gespielt und war eine echte Bereicherung für unser Team“, so Björn Seipp. „Er besitzt eine hohe sportliche und menschliche Qualität und wird seinen Weg gehen. Auch von Dejan wird man im Welthandball noch viel hören, da sind wir uns hier in Wetzlar sicher.“