HSG Wetzlar sorgt für „Paukenschlag“ gegen Flensburg!

DKB Handball-Bundesliga

Mittelhessen bezwingen Meisterschaftsanwärter in eigener Halle mit 24:21 (10:10) – Torhüter Andreas Wolff ragt aus grün-weißen Kollektiv heraus

Die HSG Wetzlar hat in der DKB Handball-Bundesliga für einen „Paukenschlag“ gesorgt. Die neuformierte Mannschaft von Trainer Kai Wandschneider schlug am Dienstagabend den Meisterschaftsanwärter SG Flensburg-Handewitt in eigener Halle mit 24:21 (10:10) und kletterte in der Tabelle somit zwischenzeitlich auf den fünften Platz.

„Oh, wie ist das schön“, schallte es nach dem, auch für Gästetrainer Ljubomir Vranjes, „verdienten“ Erfolg aus den Kehlen von 3.568 Zuschauern in der Rittal Arena, von denen sicherlich nur die kühnsten Optimisten einen solchen Endstand erwartet hatten. 

Wetzlars „Held des Abends“ war Nationaltorhüter Andreas Wolff, der den Flensburger Angreifern mit über 20 Paraden den Schneid abkaufte und in der zweiten Halbzeit reihenweise klarste Einwurf-Chancen der Spieler des amtierenden DHB-Pokalsiegers vereitelte. „Es war eine unglaubliche Mannschaftsleistung“, feierte Wolff nach dem Abpfiff seine Mitspieler, die eine sichere Abwehr gestellt und ein glänzendes Rückzugverhalten an den Tag gelegt hatten. „Ich hatte von Anfang an ein richtig gutes Gefühl und habe irgendwie nie daran gedacht, dass wir das Spiel verlieren könnten“, so der überragende Keeper. 

Wetzlars Trainer Kai Wandschneider war in der Pressekonferenz voll des Lobes. „Diese Mannschaft ist eine echte Einheit. Es macht Riesenspaß, mit diesem Team zusammenzuarbeiten", so der 55-jährige. „Ich bin hochzufrieden. Alles hat geklappt. Die Jungs sind sehr lernwillig und unheimlich ehrgeizig, anders wäre es solches Ergebnis auch am sechsten Spieltag nicht zu erreichen gewesen.“ Nur die Nachfrage, ob man denn nunmehr die Saisonziele neu stecken müsse, ließ den Coach den Kopf schütteln. „Wir wissen, dass wir heute feiern dürfen, aber es wartet noch viel harte Arbeit auf uns. Die Rückschläge werden kommen. Ich bin nur froh, dass wir heute den Zweiflern, die vor wenigen Tagen noch lautstark Gehör gefunden haben, den Wind aus den Segeln genommen haben.“

Ohne ihren Spielmacher Filip Mirkulovski, den eine Leistenzerrung am Einsatz hinderte, dafür aber mit viel Herzblut gingen die Wetzlarer vom Anpfiff weg ins Spiel. Steffen Fäths früher Führungstreffer blieb bis zur sechsten Minute das einzige Tor des Spiels, ehe der Favorit von der Förde durch Holger Glandorf ausglich.

Vor allem der Linkshänder war es danach, der gemeinsam mit Lasse Svan über die rechte Flensburger Seite für ordentlich Betrieb sorgte und den Meisterschaftsanwärter einige Minuten später mit 7:5 in Führung hielt. Ansonsten stand Wetzlar im Abwehrverbund sehr massiv und lies durch konzentriert vorgetragene Angriffe den üblichen „Gegenstoßhagel“ der Norddeutschen nicht zu.

Trotzdem brauchten die Gastgeber einige Zeit, um Mittel und Wege zu finden, die massive Abwehr des Champions League-Teilnehmers auszuhebeln. Erst als Junioren-Nationalspieler Jannik Kohlbacher mit Kreisanspielen erreicht werden konnte, fand Wetzlar mehr und mehr Optionen. Zwei schnelle Treffer des 20-jährigen führten zum 8:8-Ausgleich in der 24. Spielminute. Kurz später sorgte der zuvor als Anspieler glänzende Kristian Bliznac für die vielumjubelte 9:8-Führung der Mittelhessen. Auch den Treffer zum 10:10-Halbzeittreffer erzielte der Schwede per Unterhandwurf ins kurze Eck.

Nach dem Wechsel änderte sich zunächst wenige in diesem „low score game“! Die Partie blieb Spitz auf Knopf. Immer wieder versuchte Flensburg Coach Ljubomir Vranjes neue taktische Kniffe, brachte in Unterzahl einen zusätzlichen Feldspieler für Mattias Andersson, doch die Hausherren standen in der Abwehr sicher und hatten mit Andreas Wolff einen mehr als sicheren Rückhalt, der nach und nach zum „Turm in der Schlacht“ wurde.

Einen 12:14-Rückstand (40.) drehten die Grün-Weißen dank des immer stärker werdenden Jannik Kohlbacher binnen drei Minuten zu einer 15:14-Führung. Und nachdem Andreas Wolff auch noch einen Strafwurf von Anders Eggert abwehren konnte, war jedem in der Rittal Arena klar, dass eine Sensation in der lärmgeschwängerten Luft lag.  

Die  Evars Klesniks und Co. ackerten nunmehr bis zum Umfallen und hatten die Flensburger irgendwann tatsächlich mental "klein bekommen". Nachdem HSG-Linksaußen Christian Rompf in einen Flensburger Querpass stach und per Gegenstoß zum 22:18 traf (57.), war klar: Die HSG Wetzlar schafft die Sensation und bringt dem Starensemble aus dem Hohen Norden die zweite Saisonniederlage bei. Der Rest ging im Jubelsturm der glückseeligen Fans der Mittelhessen unter. Sie waren Zeuge eines weiteren denkwürdigen Handballabends in der Rittal Arena geworden.

Stenogramm:

HSG Wetzlar: Wolff, Nikolai Weber; Holst (1/1), Rompf (2), Fäth (5), Bliznac (2), Klesniks, Ferraz (4), Lipovina (n.e.), Hahn, Joli (2), Sebastian Weber (1), Prieto, Kohlbacher (6), Kraft (n.e.), Laudt (1).

SG Flensburg-Handewitt: Andersson, Möller; Eggert (3/2), Wanne (n.e.), Djordjic (n.e.), Lauge (3), Mogensen (3), Gottfridsson (2), Glandorf (3), Jakobsson (n.e.), Svan (3), Karlsson, Toft Hansen (n.e.), Zachariassen (4).

Schiedsrichter: Baumgart/Wild (Altenheim/Elgersweier). – Zuschauer: 3968. – Zeitstrafen: 6:10 Minuten. – Siebenmeter: 1/1:3/2.