HSG Wetzlar stürmt an die Tabellenspitze

Bildquelle: Florian Gümbel

DKB Handball-Bundesliga

32:25-Heimsieg gegen den TBV Lemgo - Neuzugang Guillaume Joli erzielt neun Treffer - 4008 Zuschauer in Rittal Arena begeistert!

"Die Schweden sind keine Holländer", hat Franz Beckenbauer einst die Fußballwelt wissen lassen. Die Handball-Bundesliga ist seit Freitagabend um eine andere Erkenntnis reicher. Die Wetzlarer sind keine Kieler.

Der TBV Lemgo, vor einer Woche sensationeller 27:21-Auftaktsieger über den "unschlagbaren" THW, wurde von der HSG mit 32:25 (17:11) vom Feld geworfen. Nach dem 30:24 in Minden stürmte die Mannschaft von Trainer Kai Wandschneider damit an die Tabellenspitze.

Und die mit 4008 Zuschauern einmal mehr prächtig gefüllte Rittal-Arena hat einen neuen Publikumsliebling. Die grün-weiße Fangemeinde sagt "Merci, Joli!". Der von HB Dunkerque an die Lahn gewechselte neunfache Torschütze wurde am Ende ebenso enthusiastisch gefeiert wie die gesamte Mannschaft. "Oh, wie ist das schön!" klang es noch von den Rängen, als die nach ihrem sensationellen Saisonstart sichtlich ernüchterten Ostwestfalen längst mit hängenden Köpfen in der Kabine verschwunden waren. "Ich war sehr gespannt auf die Zuschauer, ich finde die Atmosphäre klasse", zeigte sich der Franzose nach seiner persönlichen Ouvertüre in der Rittal-Arena überwältigt.

Dieser Freitag hatte für die HSG-Familie schon mit einem freudigen Ereignis begonnen. Um 3.19 Uhr am Morgen brachte Carlos Prietos Ehefrau Alexia das gesunde Töchterchen Nora zur Welt. Dass der Spanier sechzehneinhalb Stunden später auf der Bank blieb, lag nicht etwa am Schlafdefizit. Der junge Vater leidet immer noch an den Nachwirkungen einer im Test gegen das polnische Klasseteam KS Kielce zugezogenen schmerzhaften Rippenprellung.

Die HSG-Abwehr stand aber auch ohne ihren Chef. Und Torhüter Andreas Wolff knüpfte ebenso nahtlos an seine prächtige Leistung beim mit 30:24 gewonnen Auftaktspiel in Minden an. Weil der zum Saisonstart in Ostwestfalen noch ohne Feldtor gebliebene Guillaume Joli beim Heimdebüt sofort Vollgas gab und vom rechten Flügel wie von der Siebenmetermarke gleichermaßen sicher traf und seine Nebenleute teilweise prima kombinierten, lag die Spielgemeinschaft aus Dutenhofen und Münchholzhausen beim 12:6 (18. Minute) erstmals mit sechs Treffern vorn. Dabei traf Linkshänder Evars Klesniks in Unterzahl von der "falschen Seite". Kapitän Steffen Fäth glänzte als Kanonier aus dem Rückraum ebenso wie als genialer Passgeber auf Kreisläufer Sebastian Weber.

Kapitän Steffen Fäth glänzt als Kanonier aus dem Rückraum und als Passgeber

Nach Wiederbeginn legten die Hausherren erneut los wie die Feuerwehr. Nach dem 20:12 durch den zu hundert Prozent erfolgreichen Siebenmeterschützen Joli sah die HSG wie der sichere Sieger aus. Aber "dann keimte Hoffnung", für den Deutschen Meister von 1997 und 2003 auf, wie Trainer Niels Pfannenschmidt hinterher erklärte. Aber immer, wenn der neue Spitzenreiter mal kurz zu schwächeln schien und die Lipperländer bis auf vier Treffer herankamen (17:21, 21:25), scheiterten sie "an der ganz, ganz großen Torwartkunst" des überragenden HSG-Schlussmanns Andreas Wolff, wie Pfannenschmidt den gegnerischen Keeper adelte.

"Das war eine geschlossene Mannschaftsleistung, mit der wir den einen oder anderen Hänger prächtig kompensiert haben", freute sich Wetzlars Trainer Wandschneider "hoch zufrieden" über die "gelungene Heimpremiere".

Im Gefühl des sicheren Sieges zauberte der neue Spitzenreiter am Ende sogar. Zum krönenden (HSG)-Abschluss bediente Joli den unwiderstehlichen Steffen Fäth zum spektakulären Kempa-Trick-Treffer. Das nur noch statistisch halbwegs bedeutsame letzte Tor des Ex-Wetzlarers und Ex-Hütenbergers Timm Schneider in der Schlusssekunde ging im frenetischen Jubel unter. Und Kai Wandschneider scherzte trocken: "Tabelle ausschneiden, aufhängen - Fernziel 2020."

Wetzlar: Hombrados (ab 57.), Wolff - Prieto (n.e.), Rompf (n.e.), Weber (1), Tönnesen (2), Laudt (2), Holst (3), Fäth (7), Hahn (n.e.), Bliznac (4), Joli (9/5), Balic (1), Klesniks (3).

Lemgo: Bauer (ab 18.), Dresrüsse - Lönn (1), Bechtloff (3), Hornke (1/1), Schneider (5), Hermann (1), Pekeler (4), Lemke (6), Herth, Haenen (1), Höning, Zieker (2), Niemeyer.

Schiedsrichter: Immel/Klein (Tönisvorst/Ratingen) - Zuschauer: 4008 - Zeitstrafen: Wetzlar drei (Fäth, Klesniks, Lauth), Lemgo fünf (Schneider zwei, Bechtloff, Hermann, Niemeyer).

Quelle: Wetzlarer Neue Zeitung