HSG Wetzlar unterliegt "bärenstarkem" Tabellenführer!

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DKB Handball-Bundesliga

HSG Wetzlar fehlt nach Aus von Phlipp Weber gegen SG Flensburg/Handewitt die Durchschlagskraft - Trainer Kai Wandschneider gratuliert Kollege Vranjes nach 23:29-Niederlage zu "verdientem Sieg"

In der Handball-Bundesliga ist die SG Flensburg/Handewitt ihrer Favoritenrolle gerecht geworden und hat die HSG Wetzlar in der ausverkauften Rittal-Arena mit 29:23 (13:11) souväern in die Schranken gewiesen. »Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht, von der ersten bis zur 60. Minute«, freute sich Gäste-Coach Ljubomir Vranjes. »Wir haben die erste Halbzeit kontrolliert, waren präsent und unser Spiel hat über 60 Minuten funktioniert.« Noch im Vorjahr hatten die Norddeutschen beide Punkte in Mittelhessen liegen lassen.

Die Flensburger fuhren deshalb personell gleich von Beginn an schweres Geschütz auf. Vranjes gab keinen Millimeter Raum für Experimente und beorderte Anders Eggert und Lasse Svan auf die Außenpositionen, besetzte den Rückraum mit Holger Glandorf, Thomas Mogensen und Jim Gottfridsson. Am Kreis begann Hendrik Toft Hansen und im Tor Altmeister Matthias Andesson. Alle Zeichen standenauf Sturm der Arena, der Titelanwärter wollte zudem kein weiteres Start-Debakel wie kürzlich in der Champions-League gegen Wisla Plock riskieren, als man mit 1:7 hinten lag.

Die Gäste machten von Beginn an Dampf und holten gleich in der ersten Minute einen Siebenmeter heraus, den HSG-Keeper Benjamin »Benko« Buric allerdings entschärfen konnte. Somit schien der Bosnier nahtlos an seine Glanzleistungen der vergangenen Wochen anknüpfen zu können.

Wetzlar vollzog den Angriff-Abwehr-Wechsel wie gewohnt mit Filip Mirkulovski und Philipp Weber für Emil Berggren und Stefan Kneer. Doch die HSG tat sich von Beginn an schwer gegen die sehr aufmerksame Flensburger Abwehr, der vor allem aber Kreisläufer Jannik Kohlbacher Schwierigkeiten bereitete. Der zog nicht nur alle drei Gelbe Karten gegen die SG und etliche Zeitstrafen, sondern sorgte zusätzlich für sechs Tore. Das 1:0 von Evars Klesniks sollte jedoch die einzige Wetzlarer Führung sein, denn die Flensburger holten zwei Mal den überragenden Holger Glandorf und markierten in der neunten Minute das 4:2.

Ein Manko bei den Grün-Weißen war in der ersten Halbzeit das Überzahlspiel, das kaum zufriedenstellend abgeschlossen wurde. Ballverluste und nicht genutzte Einwurfchancen prägten das Bild und so legte Flensburg durch Svan per Gegenstoß in Unterzahl auf 7:4 vor. Zudem agierte Vranjes konsequent mit der Herausnahme des Torhüters zugunsten eines Feldspielers und wurde für diesen Mut belohnt. Im Positionsangriff ging Wetzlar geduldig zu Werke und erarbeitete sich in der 19. Minute den 7:7-Ausgleich (Klesniks).

Nach 20 Minuten wechselte HSG-Trainer Kai Wandschneider durch, brachte Vladan Lipovina für Klesniks und Nikolai Weber für Buric, der nach seinem guten Start kaum mehr eine Hand an den Ball bekam. Aber egal, was die HSG probierte, Flensburg hatte eine Antwort. Kentin Mahé sorgte in der 25. Minute per Doppelpack für die 12:8-Führung, die Wetzlar mit einer Energieleistung zur Pause auf 11:13 herunterschrauben konnte.

In der zweiten Hälfte begann Kneer für Weber im linken Rückraum. Weber hatte einen Schlag auf die rechte Schulter erhalten und wurde mit Schmerzen im Wurfarm auf der Bank behandelt. Als sich der Rückraumlinke in der 42. Minute dann das grün-weiße Sweater überzog und damit signalisierte, dass es für ihn nicht mehr weiter geht, war es um die Gastgeber geschehen. Damit brach die nächste Säule im Rückraum weg. Das 14:15 per Siebenmeter von Kvist (37.) war der letzte Anschlusstreffer der HSG. Flensburg drückte weiter aufs Tempo. Svan mit einem Dreierpack aus Tor vom Kreis, einem Gegenstoß und Tor aus der schnellen Mitte bedeutete die 19:16-Führung der SG.

Aus dem linken Rückraum der HSG kam kaum noch Torgefahr, da Kneer die Verantwortung zunächst auf Lipovina schob. Durch seinen im Gegenstoß über das Tor gesemmelten Ball verunsichert, verlor er zudem das Leder im Angriff. Erst in der 49. Minute nahm er sich ein Herz, hämmerte den Ball an die Unterkante der Latte, von wo er mit etwas Glück hinter der Linie landete und für das 20:24 sorgte. Davor und danach fehlte aber die Durchschlagskraft vollends, kein Wurf ist im Handball-Oberhaus eben keine Lösung.

Die SG Flensburg/Handewitt machte in der Schlussphase auch im Positionsangriff deutlich, welche Qualität in der Mannschaft steckt und erhöhte sicher zum ungefährdeten 29:23-Sieg. »Flensburg war für uns heute extrem schwer zu knacken«, musste Wandschneider eingestehen. »Sie waren gut auf uns eingestellt und so konnten wir beim 11:13 zur Pause noch Hoffnung haben, dass hier wieder Weihnachten und Ostern auf einen Tag fällt.« Das war nicht der Fall. Flensburg war einfach frischer und die Spieler hatten eine super Ausstrahlung.«

HSG Wetzlar: Buric (1), Nikolai Weber; Kneer (1), Lipovina (5), Björnsen, Mirkulovski, Philipp Weber (2), Kraft, Hahn (1), Berggren (2/1), Kvist (3/1), Klesniks (2), Lindskog, Kohlbacher (6).

SG Flensburg/Handewitt: Andersson, Möller; Karlsson, Eggert (2), Glandorf (9), Mogensen (5), Svan (5), Djordjic (1), Jakobsson (1), Zachariassen (2), Toft Hansen, Gottfridsson, Mahé (4).

Im Stenogramm / Schiedsrichter: Brodbeck/Reich (Metzingen). – Zuschauer: 4421. – Zeitstrafen: 6:14 Minuten. – Siebenmeter: 3/2:1/0. 

Quelle: Gießener Allgemeine/Daniela Pieth