HSG Wetzlar unterliegt beim TV Großwallstadt

DKB Handball-Bundesliga

28:26 Niederlage in Aschaffenburg - Galia ist Matchwinner

Es bleibt dabei: Die HSG Wetzlar kann einfach nicht beim TV Großwallstadt gewinnen. Der letzte Erfolg der Spielgemeinschaft aus Dutenhofen und Münchholzhausen bei den Mainfranken datiert vom 14. Dezember 2002. Denn die Grün-Weißen versemmelten auch den Auftakt zur Rückrunde der Handball-Bundesliga am Freitagabend in der Frankenstolz-Arena in Aschaffenburg mit 26:28 (10:13).

Und das verdient, wie HSG-Trainer Kai Wandschneider fand: "Großwallstadt hat viel mehr in dieses Spiel investiert. Das hat man auch an der Körpersprache gesehen." Selbstbewußt traten sie auf, die Gastgeber. All ihre bisherigen fünf Punkte hatten die Mainfranken vor heimischem Publikum geholt. Und dies hatte ihr Coach Peter David ihnen offenbar vor der Partie noch einmal zugeflüstert, entsprechend motiviert legten sie los. Von der schnellen 2:0-Führung ließen sich die Grün-Weißen zunächst nicht beeindrucken. Spielmacher Adnan Harmandic gelang schnell der Anschluss und als Michael Müller (4:4) und Kevin Schmidt (5:5) ausglichen, lag das Momentum eigentlich auf Seiten der Gäste. Das spürten auch der größte Teil der 4250 Zuschauer, die Fans des TVG. Frenetisch peitschten sie den Altmeister nun nach vorne. Vor allem die Müller-Zwillinge ließen sich von der hitzigen Atmosphäre anstecken. Die beiden gebürtigen Oberfranken wurden schnell vom unterfränkischen Publikum als Buhmänner ausgemacht, mit Pfiffen bedacht und drohten, heiß zu laufen. Folglich gönnte Kai Wandschneider seinem Kapitän Philipp Müller eine Pause und das Schiedsrichtergespann per Zwei-Minuten-Strafe auch seinem Bruder.

HSG-Keeper Nikolai Weber hatte nun alle Hände voll zu tun, um seine Farben im Spiel zu halten. Viermal parierte er - und doch zogen die Gastgeber bis zur 21. Minute auf 9:5 davon, weil die Grün-Weißen vorne zu zaghaft, zu ungenau, zu kraftlos agierten. Bis zur 23. Minute gelang der Wandschneider-Sieben kein Treffer, ehe Steffen Fäth auf 6:9 verkürzte. Die Drei-Punkte-Führung gaben die David-Schützlinge bis zum Seitenwechsel nicht mehr aus der Hand, so dass es mit 13:10 in die Kabinen ging. Dort musste Kai Wandschneider deutliche Worte gefunden haben, konnte ihm doch das pomadige Angriffsspiel seiner HSG nicht gefallen haben. Denn endlich zeigten die Gäste das, was sie in der erfolgreichen Hinrunde ausgezeichnet hatte: frechen Tempohandball. Kevin Schmidt mit feinem Schlenzer und Tobias Reichmann brachten Wetzlar auf 12:13 heran (32.). Diese zwei Minuten mittelhessischer Glückseligkeit unter den etwa 60 mitgereisten Schlachtenbummlern verpuffte aber wie ein Strohfeuer, denn nach 37 Minuten hieß es bereits wieder 17:14. Auch, weil Martin Galia im Großwallstadter Tor parierte, was das Zeug hielt. 16 Mal scheiterten die Grün-Weißen an ihm, "ein echter Teufelskerl", lobte Wandschneider nach der Schlusssirene.

Auch auf Philipp Müllers herrlichen Heber hat der TVG eine Antwort parat

Nun folgte erneut ein Leerlauf wie in Durchgang eins - mit dem Unterschied, dass diesmal auch der TVG erfolglos blieb. Erst in der 44. Minute der nächste Treffer, und was für einer: Einen herrlichen Heber von Philipp Müller verwandelte dessen Bruder aus der Luft zum 15:17. Doch wieder hatten die Gastgeber eine Antwort parat: Maximilian Holst per Siebenmeter gegen den zur Halbzeit eingewechselten Nikola Marinovic (18:15).

Auch er sorgte mit starken Paraden dafür, dass die HSG dranblieb. Einen Doppelschlag von Joakim Larsson und Steffen Bühler (50., 22:16) konterten Kari Kristjan Kristjansson und Kevin Schmidt zum 18:22 (52.).

Als Fannar Thor Fridgeirsson in der 57. noch einmal auf 21:24 verkürzte, keimte kurz grün-weiße Hoffnung auf. Doch ausgerechnet der Ex-Wetzlarer Chen Pomeranz machte diese im Gegenzug mit dem 25:21 zunichte. Zwar ließen sich die Wandschneider-Schützlinge davon nicht entmutigen, allein, es reichte an diesem Abend einfach nicht, um mit einem Sieg aus Unterfranken die Heimreise anzutreten. Auch wenn erneut Fridgeirsson 70 Sekunden vor dem Ende das 24:26 erzielte, so behielt der TVG in Person von Michael Spatz die Nerven. Er, Pomeranz und Maximilian Holst ließen dem inzwischen wieder aufs Parkett gekommenen Niko Weber keine Chance. Großwallstadts Coach Peter David war folglich zufrieden mit seinem Team: "Alle haben heute alles abgerufen."

Auf Wetzlarer Seite fiel die Rückschau freilich anders aus. "Ich habe heute keinen bei uns gesehen, der 99 Prozent gegeben hat", kritisierte Kai Wandschneider. Das wird das Minimum sein, um nach einer starken Vorrunde mit herbem Abgang nicht erneut zur Überraschung der Liga zu werden - diesmal im negativen Sinne.

Großwallstadt: Galia, Wolff (n. e.) - Spatz (4), Bühler (1), Graubner (1), Eisenkrätzer, Holst (5/1), Larsson (3), Jakobsson, Köhrmann, Karason (4), Maas (2), Pomeranz (6), Kaufmann, P. Schmidt (2).

Wetzlar: Marinovic (31. bis 55.), Weber - K. Schmidt (4), Fridgeirsson (3), Tiedtke (1), Rompf (n.e.), Valo (1), Philipp Müller (3), Reichmann (4), Fäth (3/2), Michael Müller (3), Hahn, Harmandic (1), Kristjansson (3), Mraz.

Schiedsrichter: Schulze/Tönnies (Magdeburg) - Zuschauer: 4250 - Zeitstrafen: Großwallstadt drei (Pomeranz, Larsson, Holst) , Wetzlar sechs (M. Müller, Ph. Müller zwei, Mraz drei/rote Karte, 60.) - verworfene Siebenmeter: K. Schmidt (Wetzlar) wirft übers Tor (2.), und scheitert an Galia (20.).

Quelle: Wetzlarer Neue Zeitung