HSG Wetzlar „verdaddelt“ Siegchance gegen Berlin!

Bildquelle: www.sportfoto-vogler.de

DKB Handball-Bundesliga

Füchse siegen dank Treffer in der Schlussminute mit 25:24 (15:14) in Rittal Arena – Gastgeber leisten sich vor 4.222 Zuschauern deutlich zu viele Unkonzentriertheiten

Einen Sieg im vorletzten Heimspiel gegen Berlin, einen der „Big Five“ der DKB Handball-Bundesliga, so lautete der Wunsch von Kai Wandschneider im Vorfeld auf die Partie gegen die Füchse. 

Doch zunächst waren es vor 4.222 Zuschauern in der Rittal Arena die Berliner, die deutlich besser ins Spiel kamen und schnell 3:1 (3.) vorne lagen, ehe die Wetzlarer den Faden aufnahmen. Das Spiel der Gastgeber nun deutlich konzentrierter, geduldiger, erfolgreicher. Tolle raumöffnende Kreuzungen und der gute Blick für den, meist am Kreis befindlichen, freien Nebenspieler bescherten den Grün-Weißen einen Lauf zum 8:5 (15.). Doch nun schienen die Wetzlarer ungeduldig, wollten es mit der Brechstange erzwingen, den Vorsprung weiter zu erhöhen. Das Berlin diese Phase nur wenig für sich nutzen konnte lag indes daran, dass die ebenfalls ersatzgeschwächten Gäste ihrerseits völlig neben sich zustehen schienen. Zahlreiche Fehlwürfe der sonst so treffsicheren Rückraumreihe und zudem eine ordentliche Wetzlarer Deckung brachten die Hausherren wieder in die Spur und durch einen sehenswerten Konter, der über Christian Rompf auf Linksaußen abgeschlossen wurde, mit 12:8 (23.) in Front.

Wie verunsichert der EHF-Finalist in dieser Phase agierte zeigt der Wechselfehler in der 21. Minute. Fabian Wiede, der das Spielfeld zu Gunsten von Torhüter Petr Stochl wieder verlassen wollte, kehrte, nach Rückeroberung des Balles aufs Feld zurück, obwohl Stochl dieses bereits betreten hatte.  Wetzlar schien alle Trümpfe in den Händen zu halten. Doch auch als Kent-Robin Tönnesen zum 14:11 (26.) netzte, ließen sich die Füchse nicht abschütteln. Beim Stande von 14:12 (28.) waren es dann fünf Wetzlarer Fehlwürfe in Folge und als letztlich der Ex-Wetzlarer „Smöre“ Christophersen anfing zu treffen, war die überraschende 15:14-Pausenführung der Berliner perfekt.

Auch nach der Pause blieben die Gäste spielbestimmend, doch zeichnete sich bereits früh ab, das beide Teams weniger Gegentreffer als noch in Halbzeit eins zulassen wollten. Besonders die Wetzlarer Defensivabteilung, allen voran Evars Klesniks, leistete tolle Arbeit und ließ sich auch durch den konsequent eingesetzten siebten Feldspieler der Berliner nicht bezwingen. Die Füchse indes mühten sich und variierten ihr Angriffsspiel, kamen jedoch nur selten zum Erfolg und machten einige leichte technische Fehler. Das Problem der Gastgeber in dieser Phase, die Grün-Weißen versäumte es aus den Fehlern der Gäste und den eigenen Ballgewinnen Kapital zu schlagen. Erst Mitte der zweiten Hälfte legten die Hausherren wieder vor und führten beim 20:18 (45.) ebenso mit zwei Zählern, wie auch beim 24:22 (55) durch den starken Klesniks.

Doch Berlin behielt die Ruhe und hatte das Glück des Tüchtigen. Bei 24:23 und 24:24 aus Sicht der HSG Wetzlar war es der, bis dahin gut aufspielende Ado Harmandic, der mit drei Fehlwürden und -abspielen in Folge zum „Unglücksraben“ avancierte. Berlin mit der Cleverness einer Spitzenmannschaft und der internationalen Klasse eines Konstatin Igropulo schafft sieben Sekunden vor der Schlusssirene das glückliche, aber nicht unverdiente 25:24 für den EHF-Finalisten. „Diese Niederlage tut doch weh, denn sie war unnötig“, brachte es HSG-Geschäftsführer Björn Seipp nach der Partie auf den Punkt. „Drei Würfe, die nach Ballgewinnen, als Berlin die siebten Feldspieler gebracht hatte, das leere Tor nicht treffen, zwei Gegenstoßpässe in Berliner Hände und einige vergebene Hundertprozentige – da kannst Du schwer ein Bundesligaspiel gewinnen. Letztlich müssen wir uns den Vorwurf gefallen lassen, dass wir den Sieg ‚verdaddelt‘ haben!“

Stenogramm:

HSG Wetzlar: Dahl, Wolff; Prieto, Tiedtke (4), Rompf (5), Tönnesen (1), Reichmann, Laudt, Fäth (5), Kraft, Bliznac (1),  Hahn (1), Harmandic (3), Klesniks (4).

Füchse Berlin: Heinevetter, Stochl; Löffler (4), Wiede (2), Thümmler (1), Spoljaric, Richwien (1), Siewert (1), Zachrisson (1), Igropulo (7/2), Nielsen, Christophersen (6), Petersen (2), Hövels.

Schiedsrichter: Matthias Brauer/Kay Holm (Hamburg) – Zuschauer: 4.222  – Zeitstrafen: 0:2  (Berlin: Wiede wegen Wechselfehler) – Strafwürfe: 0:2

Stimmen zum Spiel:

Dagur Sigurdsson (Trainer Füchse Berlin): „Danke erst einmal für eine faires und sehr emotionales, stimmungsreiches Spiel. Das ist immer sehr schwer hier zu bestehen und die Punkte zu holen. Wir sind nicht so gut reingekommen und hatten in der Abwehr und auf der Torhüterposition Probleme, das ist im Laufe der Partie immer besser geworden. Auch in der Deckung mussten wir einige Dinge umstellen und improvisieren. Wetzlar war gut vorbereitet und hat sich besonders auf den siebten Feldspieler sehr gut eingestellt, daher hat dies in der zweiten Hälfte nicht mehr so geklappt wie zuvor. In der zweiten Halbzeit war es dann eine ausgeglichen Partie, in der wir zum Schluss ein wenig cleverer waren und so die Punkte holen konnten. So ein Spiel tut uns natürlich sehr gut für das EHF-Finale am kommenden Wochenende.“

Kai Wandschneider (Trainer HSG Wetzlar): „Schade, die Chance, einen der „Großen zu schlagen, war lange nicht so groß wie heute. Wir waren zu Beginn variabel im Angriff und hatten auch nach der Umstellung der Berliner Deckung gegen Steffen Fäth spielerisch gute Lösungen, waren da nur im Abschluss zu schwach. Wir hätten nie mit einem 14:15-Rückstand in die Pause gehen dürfen. In der zweiten Halbzeit war das dann zwar wieder etwas besser, aber die Fehlerzahl im Angriff war einfach zu hoch. Dass wir bei Ballgewinn gegen den siebten Feldspieler oft das verwaiste Tor nicht treffen, das ist sicher eine Kopfsache, aber aus solchen Situationen müssen wir mehr machen. Ich bin einfach nur enttäuscht, dass wir heute den Sieg so fahrlässig haben liegen lassen.“

Sven Sören Christophersen (Spieler Füchse Berlin): „Wir mussten heute einige Verletzte ersetzen und insofern können wir mit dem Spiel durchaus zufrieden sein. Die Variante, mit zwei Linkshändern im Rückraum, spielen wir noch nicht so lange und auch in der Abwehr mussten wir einige Dinge improvisieren. In der ersten Halbzeit haben wir, trotz der teilweise hohen Rückstände, das Gefühl gehabt, nicht so viel falsch gemacht zu haben. Wetzlar hat da recht gut gespielt und wir ein paar zu leichte Gegentreffer zugelassen. Die Umstellung der Deckung in Halbzeit zwei war sicher die richtige Maßnahme. Der Sieg ist sicher etwas glücklich, aber eine gelungene Generalprobe für das Final-Four am Wochenende.“

Björn Seipp (Geschäftsführer HSG Wetzlar): „Diese Niederlage tut doch weh, denn sie war unnötig! Wir hatten über die gesamte Spielzeit und allen voran in der zweiten Halbzeit ausreichend Gelegenheiten, um uns deutlich von Berlin abzusetzen, aber einfach zu viele unnötige Fehler gemacht. Drei Würfe, die nach Ballgewinnen, als Berlin den siebten Feldspieler gebracht hatte, das leere Tor nicht treffen, zwei Gegenstoßpässe in Berliner Hände und einige vergebene Hundertprozentige – da kannst Du schwer ein Bundesligaspiel gewinnen. Letztlich müssen wir uns den Vorwurf gefallen lassen, dass wir den Sieg ‚verdaddelt‘ haben. Für die Mannschaft gilt es jetzt sich noch einmal auf das Saisonfinale zu konzentrieren und in den letzten beiden Spielen alles aus sich herauszuholen. Wir hatten in den vergangenen beiden Spielen leider zu viele Spieler, die nicht an ihre Leistungsgrenze gekommen sind! Das ist auch Einstellungssache, die schon in Emsdetten gefordert ist, sonst ist auch dort nichts zu holen. Die Mannschaft muss sich jetzt ihren Lohn  für eine ansonsten guten Saison abholen!“