HSG Wetzlar verkauft sich gegen Spitzenreiter teuer!

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Wetzlar verliert zu Hause gegen THW Kiel mit 24:28 Viele technische Fehler verhindern Überraschung!

Es gab einmal Zeiten, da war die HSG Wetzlar in eigener Halle so etwas wie der Angstgegner des THW Kiel. In den ersten fünf Jahren in der Handball-Bundesliga verloren die Grün-Weißen nicht eine Partie gegen den deutschen Rekordmeister. Doch mittlerweile liegt der letzte Erfolg gegen die "Zebras" über neun Jahre zurück. Denn auch gestern kassierte das Team aus der Domstadt gegen das Starensemble aus Norddeutschland eine 24:28 (11:13)-Niederlage, zeigte sich aber formverbessert.

 

"Wir haben eine Reaktion abgeliefert auf die schlechten Spiele der letzten Wochen", sagte Wetzlars Linksaußen Kevin Schmidt. "Wir waren eine Mannschaft, haben uns gegenseitig keine Vorwürfe gemacht", ergänzte Kapitän Niko Weber, und auch Trainer Gennadij Chalepo fand sein Team von der Körpersprache her "viel besser als zuletzt".

Die Partie begann ohne Paukenschlag. Die Anhänger des HSG-Fanclubs Grün-Weiß bestraften ihre Mannschaft nach der schwachen Leistung am vergangenen Samstag bei der TSV Hannover-Burgdorf (24:30) mit einem zehnminütigen Liebesentzug und weigerten sich in der Anfangsphase, die Gastgeber zu unterstützen. Die Trommeln blieben stumm, und das Spiel der Wetzlarer war zunächst erschreckend schwach.

Erst nach sechs Minuten und 48 Sekunden erzielte Kevin Schmidt das erste Tor für den Tabellen-14., der Glück hatte, dass die Kieler an der Lahn so wenig Kräfte wie möglich verschwenden wollten und bis zu diesem Zeitpunkt auch erst dreimal trafen. Als die treuen Fans wieder zum Schlagwerk griffen und es in der bis dato seltsam ruhigen Rittal-Arena lauter wurde, legte die HSG ihren Respekt ab und ging nach einer Viertelstunde sogar mit 7:5 in Führung.

Der Tabellenführer, der neben Marcus Ahlm (Innenbandanriss im Knie) auch auf Linkshänder Kim Andersson (Hodenprellung) verzichten mussten, schlug durch den - wie so oft - zwischen Genie und Wahnsinn wandelnden Christian Zeitz beim 11:8 zurück (21). Aber die seit sechs Pflichtspielen auf ein Erfolgserlebnis wartenden Husherren, bei denen Timo Salzer 60 Minuten auf der Bank schmorte, ließen sich nicht abschütteln, auch wenn sie zwischendurch wieder acht Minuten ohne Torerfolg blieben. Kari Kristjan Kristjansson beendete nach tollem Anspiel von Adnan Harmandic mit dem Treffer zum 9:11 die kurzzeitige Angriffsflaute (25.). Und hätten die Wetzlarer die technischen Fehler von Zeitz und Milutin Dragicevic konsequenter ausgenutzt, sie hätten zur Pause näher dran sein können als nur auf 11:13.

Als Jungwirth zum 22:23 trifft, schnuppern die Gastgeber am großen Coup

Wer dachte, die Kieler würden im zweiten Durchgang einen Gang höher schalten und die Begegnung früh entscheiden, sah sich getäuscht. Als Peter Jungwirth direkt nach dem Seitenwechsel per Kempa-Trick zum 12:13 traf, legten die 4026 Zuschauer so langsam ihre Zurückhaltung ab. Zwar ließen sich die Norddeutschen nicht aus der Ruhe bringen und spulten mit der Souveränität eines 16-fachen Deutschen Meisters ihr Programm herunter. Doch den großen Glanz versprühte der gestern Abend uninspirierte THW nicht.

Was auch an den Hausherren lag, die vor allem in der Abwehr überzeugten und acht Minuten vor dem Ende am großen Coup schnupperten. Jungwirth verkürzte mit einem Doppelschlag auf 22:23. Die Stimmung in der Arena kochte plötzlich. Die Sensation blieb jedoch aus. Wenn es eng wurde, konnte sich der zweifache Champions-League-Sieger auf seine starken Individualisten Filip Jicha und Daniel Narcisse verlassen. So war es Jicha, der beim 27:23 (55.) alles klarmachte.

"Ich bin froh, dass wir beide Punkte haben", atmete THW-Coach Alfred Gislason tief durch. Die "Zebras" blieben im 13. Bundesligaspiel trotz mäßigem Auftritt ohne punktverlust und feierten sogar den 18. Sieg in Folge gegen die HSG. Wetzlar ist eben längst kein Kieler Angstgegner mehr.

Wetzlar: Weber, Marinovic (n.e.) - Schmidt (5/2), Salzer (n.e.), Valo (2), Jungwirth (5), Mraz (1), Müller (4), Chalkidis (1), Hahn (n.e.), Harmandic (1), Friedrich, Kristjanssoon (5), Fäth

Kiel: Omeyer, Palicka (n.e.) - Lundström, Dragicevic, Sprenger (6), Kubes, Reichmann (n.e.), Zeitz (6), Palmarsson, Narcisse (3), Ilic (2/2), Klein (2), Jicha (9)

Schiedsrichter: Harms/Mahlich (Magdeburg/Stendal)
Zuschauer: 4026
Zeitstrafen: Wetzlar drei (Müller drei/rote Karte 47.,) Kiel sechs (Kubes, Jicha zwei, Sprenger, Zeitz zwei)
verworfener Siebenmeter: Friedrich (Wetzlar) wirft neben das Tor (20.)

Arne Wohlfarth