HSG Wetzlar verliert: "Abstiegskampf beginnt"

DKB Handball-Bundesliga

Rhein-Neckar Löwen - HSG Wetzlar 34:23 (15:11)

Einer der Überflieger der vergangenen Saison in der Handball-Bundesliga ist spätestens am Sonntag auf dem Boden der Tatsachen gelandet: Die HSG Wetzlar hat eine heftige 23:34 (11:15)-Packung bei den Rhein-Neckar Löwen einstecken müssen.

"Die Niederlage war verdient", musste sich Tobias Reichmann nach dem Löwen-Sturm, der in der Schlussphase über die Grün-Weißen gefegt war, erstmal sammeln. "Insgesamt haben wir 50 Minuten nicht schlecht gespielt. Doch zum Ende haben wir zu viele Bälle hergeschenkt", fasste der Rechtsaußen der Spielgemeinschaft aus Dutenhofen und Münchholzhausen zusammen. Auch wenn elf Tore deutlich aussehen, so trifft Reichmanns Analyse zu.

Die Domstädter begannen ohne Kevin Schmidt (Hüftverletzung), Adnan Harmandic (Daumenbruch) und Daniel Valo (Kreuzbandriss) nervös. Doch spätestens mit dem 4:4 von Kent Robin Tönnesen (9.) hatten sie den 5816 Zuschauern in der spärlich besetzten Mannheimer SAP-Arena vermittelt: Wir sind nicht aus Spaß hier. "Wir haben uns vorgenommen, das Tempo rauszunehmen. Das ist uns auch bis kurz vor der Halbzeit gut gelungen", lobte HSG-Trainer Kai Wandschneider. So gut, dass seine Schützlinge beim 10:9 durch Florian Laudt (20.) zwischenzeitlich zum Stolperstein für den Favoriten zu werden drohten, der ohne Oliver Roggisch (Ellenbogenverletzung), Zarko Sesum (Schienbeinkopffraktur), Alexander Petersson und Marius Steinhauser (beide Kreuzbandriss) auskommen musste. Doch die Löwen bissen Ende des ersten Durchgangs eiskalt zurück. Ein Dreierpack von Sergey Gorbok und der überragende Patrick Groetzki zum 15:11 für die Gastgeber sorgten bis zum Seitenwechsel für klare Verhältnisse.

Der pfeilschnelle Rechtsaußen Groetzki teilte die Einschätzung seines Nationalmannschaftskollegen Reichmann: "Der Sieg ist am Ende ein paar Tore zu hoch ausgefallen. Wetzlar hat gute Spieler dazubekommen. Aber sie brauchen noch Zeit."

Über die Fehler in der Schlussphase ärgert sich Wandschneider maßlos

Unter diese Kategorie fällt auch Ivano Balic. Seinen Superstar schickte HSG-Trainer Wandschneider für insgesamt knapp 25 Minuten auf die Platte. Und er deutete wie schon vor Wochenfrist bei der 26:28-Niederlage gegen den TBV Lemgo mit drei cleveren Ballgewinnen seine Klasse an. "Er wird uns helfen, richtig helfen", war Wandschneider auch nach der Klatsche überzeugt. "Doch er ist noch lange nicht bei hundert Prozent." Ein Prädikat, dass der 53-Jährige seiner Truppe insgesamt ausstellte: "Wir sind von der Grundlagenausdauer und der Schnelligkeit her eine Klasse schlechter als zum gleichen Zeitpunkt der letzten Saison."

Und so ließen die Domstädter die Hausherren zwar nicht davonziehen (21:25 durch Sebastian Weber, 51.) - ernsthaft ins Wackeln bringen, konnten sie sie aber auch nicht mehr.

Erst in den letzten Minuten schraubten die Löwen das Ergebnis über Uwe Gensheimer (27:21, 53.) und Groetzki (30:23, 57.) bis zum Endstand durch den eingewechselten Michel Abt nach oben. Mit freundlicher Unterstützung der HSG, was Wandschneider auf die Palme brachte. "Da könnte ich mich schwarz ärgern. Dass wir uns so aufgeben und die Bälle wegwerfen, will ich nie mehr wieder erleben", stellte der gebürtige Sportwissenschaftler klar. Sein Gegenüber Gudmundur Gudmundsson war logischerweise zufriedener: "Die zweite Hälfte war besser, wir haben Geduld gebraucht gegen einen starken Gegner."

Lorbeeren, von denen sich Wandschneider nichts kaufen kann, zumal nach der Partie auch noch Magnus Dahl ins Krankenhaus musste. Dem starken Torhüter war nach einem Siebenmeter Gensheimers der Ball vom Oberarm ans Auge gesprungen und die Kontaktlinse herausgefallen. "Hoffentlich nicht noch ein Verletzter. Ich weiß nicht, was ich in der Sommerpause Schlimmes getan habe. Ich habe eher alten Frauen über die Straße geholfen, als irgendetwas verbrochen", übte sich Wandschneider in Galgenhumor. Um sofort ernst klarzustellen: "Für uns beginnt spätestens jetzt der Abstiegskampf. Das muss jedem klar sein!"

Rhein-Neckar Löwen: Landin, Stojanovic (ab 60. und bei einem Siebenmeter) - Schmid, Gensheimer (6/4), Isaias Guardiola (4), Manoljovic, Sigurmansson (1), Gorbok (5), Myrhol (5), Abt (1), Groetzki (7), Karason (2), Gedéon Guardiola (1), Ekdahl du Rietz (2).

Wetzlar: Wolff (1. bis 11., 21. bis 30. und ab 52.), Dahl - Tiedtke (5), Rompf (1), Weber (2), Tönnesen (4), Reichmann (1), Laudt (1), Fäth (5/3), Bliznac (3), Balic (1), Klesniks.

Schiedsrichter: Brauer/Holm (Hamburg/Hagen) - Zuschauer: 5816 - Zeitstrafen: Löwen fünf (Gorbok zwei, Gedéon Guardiola zwei, Ekdahl du Rietz), Wetzlar fünf (Reichmann zwei, Laudt, Bliznac, Balic) - verworfene Siebenmeter: Gensheimer (Löwen) scheitert an Dahl (21.), Fäth (Wetzlar) scheitert an Landin (35.).

Quelle: Wetzlarer Neue Zeitung