HSG Wetzlar verpasst Einzug ins "Final4" des DHB-Pokals!

DKB Handball-Bundesliga

Mittelhessen verlieren nach großem Kampf mit 19:25 gegen Flensburg – Zu wenig Durchschlagskraft aus dem Rückraum

Hoffnungsfrohe 1.484 Zuschauer waren am Mittwochabend den Weg in die ehemalige Heimspielstätte des Handball-Erstligisten HSG Wetzlar, die Sporthalle Dutenhofen, angetreten, um ihre Mannschaft auf dem Weg ins „Final-Four“ des DHB-Pokals lautstark zu unterstützen und für eine Gänsehaut-Atmosphäre im Viertelfinale gegen den Champions League-Teilnehmer und Ligakonkurrenten SG Flensburg-Handewitt zu sorgen. Bei einer atemberaubenden Stimmung von den Rängen zeigte die grün-weiße Wandschneider-Truppe bis zum Schluss eine kämpferisch starke Leistung, musste sich letztlich aber klar gegen den Favoriten aus dem Hohen Norden mit 19:25 geschlagen geben und verpasste damit den Einzug ins Pokal-Endrundenturnier in Hamburg.

Wetzlars Spielmacher Ivano Balic, der zuletzt aufgrund muskulärer Probleme im Pflichtspiel gegen Kiel passen musste, hatte den Torreigen in Dutenhofen nach zwei Minuten eröffnet. Die SG Flensburg-Handewitt, die zu diesem Zeitpunkt bereits den zweiten Fehler im eigenen Angriff verbuchte, beförderte den Ball durch Nationalspieler Holger Glandorf abermals am HSG-Gehäuse vorbei. Kapitän Jens Tiedtke setzte sich anschließend auf der Gegenseite gegen die kompakte Abwehr der Flensburger durch und traf vom Kreis zum 3:1 (5.). Die Domstädter übten von Beginn an Druck auf die Abwehr der Gäste aus und erkämpften sich so die Lücke in der gewohnt kompakten SG-Defensive. Tobias Hahn baute mit einem sehenswerten Treffer von Rechtsaußen die Führung in der achten Spielminute auf 4:2 aus.

Der starke Auftritt von SG-Keeper Mattias Andersson, an dem die Wetzlarer in drei Angriffen in Folge ihren Meister fanden, verhinderte es, dass die Grün-Weißen ihre Führung in der Folgezeit nicht weiter ausbauen konnten. Aber auch sein Pendant auf der Gegenseite, Andreas Wolff, zeigte Präsenz und parierte in der elften Minute sehenswert gegen Gäste-Kreisläufer Jakob Heinl. Die Fehler im Angriff der Domstädter häuften sich nun jedoch  mehr und mehr, so dass Thomas Mogensen nach einer Viertelstunde per Tempogegenstoß das 7:5 für die Fjordländer erzielte. HSG-Trainer Kai Wandschneider spürte, dass die Wetzlarer etwas an Sicherheit auf dem Parkett verloren hatten und legte folgerichtig die grüne Karte auf den Tisch (15.).

Doch der Gast fanden nun immer besser ins Spiel und abermals war es Andersson, der mit einem gehaltenen Siebenmeter von Kevin Schmidt, erneut für Freude im Gäste-Lager sorgte und so seine Vordermänner ohne Gegentor in Ballbesitz kamen. Doch auch die Hausherren konnten sich weiter auf ihren Schlussmann mit der Nummer 33, Andreas Wolff, verlassen, der den Ball nach vorne zu Balic beförderte und so den wichtigen 7:8-Anschlusstreffer durch den Kroaten einleitete.  

Das Spiel nahm nun immer mehr an Fahrt auf, was sich auch an der aggressiveren Deckungsweise auf beiden Seiten bemerkbar machte. Wandschneider versuchte es in Überzahl mit einer offensiveren Deckungsvariante mit Schmidt an der Spitze, was in einem erfolgreichen Ballgewinn für die HSG Wetzlar endete. Kent Robin Tönnesen nutze diese Chance und hämmerte den Ball in der 26. Minute aus dem Rückraum hinter die Torlinie, was zum 10:10-Ausgleich führte. Die Domstädter hatten ihre kurze Schwächephase überwunden, während die Gäste im Angriff durch einen technischen Fehler von Holger Glandorf die Gelegenheit zur Führung vergaben. Nach einer zwischenzeitlichen Zwei-Tore-Führung für die Grün-Weißen zweieinhalb Minuten vor dem Halbzeitpfiff, konnten die Gäste durch Mogensen und Glandorf den Spielstand bis zur Pause noch auf 12:12 egalisieren.

Den ersten Angriff des zweiten Durchgangs konnten die Gastgeber aufgrund eines Offensivfouls des Norwegers Tönnesen nicht erfolgreich abschließen. Flensburg bestraften diesen technischen Fehler knallhart durch Spielmacher Thomas Mogensen und ging in der 33. Minute dann mit 13:12 in Führung. Nunmehr folgten die drei besten Minuten des HSG-Keepers Wolff, der drei Mal in Folge den Kasten mit akrobatischen Einlagen gegen die SG-Außen dicht hielt. Den verdienten 14:14-Ausgleich für die Hausherren erzielte der gut aufgelegte Spielmacher Florian Laudt nach sieben weiteren Minuten. Im Anschluss zeigte HSG-Youngster Kent Robin Tönnesen jedoch Nerven vom Siebenmeterstrich und scheiterte, wie bereits zuvor sein Vorgänger Schmidt, in der 41. Minute an Andersson. Zwar konnten die Grün-Weißen die Abwehr der Flensburger in den nachfolgenden Minuten durch ihr Kombinationsspiel auseinander reißen, doch im Abschluss fehlte es an der letzten Konsequenz und Genauigkeit.

In der 43. Minute gingen die Gäste aus dem Norden durch Mogensen erstmals mit drei Toren in Front (17:14). Wandschneider hatte daraufhin erneut Redebedarf und zitierte seine Männer zur Seite. Seine Worte zeigten im Anschluss Wirkung, die HSG Wetzlar verkürzte durch Hahn auf 17:18. Zehn Minuten vor Schluss war es Wolff, der mit einer wichtigen Parade seine Vordermänner im Spiel hielt und der Torabstand durch die Flensburger nicht weiter ausgebaut wurde. Abermals verpassten die Hausherren jedoch die Gelegenheit, einen Treffer in ihren Reihen zu verbuchen. Die SG dagegen nutzte ihre Chancen und markierte, nach einer erneuten Klasseparade von Andersson, in der 52. Minute eine erneute Drei-Tore-Führung durch Lasse Svan (20:17).

In den letzten Spielminuten hatte Flensburg körperlich und spielerisch einfach mehr zu bieten. Die SG ging nach 57 Minuten erneut durch ihren Flügelspieler Svan mit 23:19 in Führung. Doch Wetzlar stemmte sich mit allen Mitteln gegen die drohenden Niederlage, fand jedoch zu oft seinen Meister in dem enorm stark aufspielenden SG-Torhüter Mattias Andersson. Als letzter Spieler im Dutenhofener Viertelfinale des DHB-Pokals trug sich noch Steffen Weinhold wenige Sekunden vor Abpfiff in die Torschützenliste ein und festigte damit den 25:19 Sieg für Champions League-Teilnehmer, der nun zum vierten Mal in Folge am „Final Four“ in Hamburg teilnimmt und dies entsprechend lautstark in der Kabine feierte.

 

Stimmen zum Spiel:

Kai Wandschneider (Trainer HSG Wetzlar): „Herzlichen Glückwunsch an die SG zum Einzug ins Final-Four. Ich möchte mich auch bei den Fans in Dutenhofen bedanken, die uns kräftig unterstütz haben. Sehr zufrieden bin ich mit der kämpferischen Leistung meiner Mannschaft und wir konnten Flensburg lange Paroli bieten. In der zweite Halbzeit ist uns und dann einfach die Luft ausgegangen und man hat gemerkt, dass auch private Dinge eine Rolle gespielt haben. Aus dem Rückraum haben wir zu stumpf agiert und in der Knackpunkt-Phase, als Flensburg auf drei Tore davonzieht, hat Andersson überragend gehalten. Sicherlich haben wir auch nicht optimal geworfen und oft nicht gut abgeschlossen. Es hat sich gezeigt, welche Unterschiede es zwischen starken Abwehr- und starken Angriffsspielern gibt, die aber nur auf einer Seite gut agieren. Durch die vielen Wechsel bekommen wir keine schnelle zweite Welle hin, da diese zu früh abgebrochen wird. Im zweiten Durchgang haben wir nur fünf Feldtore erzielt. Uns fehlt die Entlastung aus der zweiten Welle und die Flensburger haben heute gezeigt, dass sie nicht umsonst die stärkste Abwehr der Liga haben. Im Positionsangriff war bei uns im letzten Viertel dann Sendepause. Loben möchte ich an dieser Stelle Tobias Hahn, der sich das Herz in beide Hände genommen hat. Bis zum Schluss haben aber alle alles gegeben. Klar ist die Mannschaft jetzt geknickt, aber es gibt keinem Grund die Köpfe hängen zu lassen. Mit ein wenig Ironie muss ich auch sagen, dass es gut ist, dass sich keiner verletzt. Wir müssen jetzt alles in die Waagschale werfen im Kampf um den Klassenerhalt.“

Ljubomir Vranjes (Trainer SG Flensburg-Handewitt): „Ich bin sehr zufrieden. Wir haben zwar keine überragende  Leistung gezeigt, aber überragend gekämpft. Ein großes Lob an meine Mannschaft. Es ist nicht einfach hier in Dutenhofen anzutreten, in einer so kleinen Halle. Ich bin wirklich sehr stolz auf den heutigen Sieg. Für uns ist es das vierte Mal, dass wir jetzt nach Hamburg fahren und ich freue mich riesig darauf, die Atmosphäre dort zu erleben.“

Tobias Hahn (Spieler HSG Wetzlar): „Die Enttäuschung ist schon sehr groß. Wir wollten unbedingt weiter kommen und nach Hamburg fahren, aber am Ende hat es eben einfach nicht gereicht. Es war eine einmalige Chance, die wir leider nicht nutzen konnten. Die Flensburger haben sich hier sehr stark präsentiert. In den wichtigen Spielphasen haben wir zu früh den Abschluss gesucht oder zu unpräzise aufs Tor geworfen. Der Blick geht für uns jetzt ganz klar Richtung Bundesliga, in der wir in den kommenden Spielen punkten müssen.“

Stenogramm:

HSG Wetzlar: Dahl, Wolff, Schmidt (5/3), Prieto, Tiedtke (1), Weber, Tönnesen (2), Laudt (4), Fäth(1), Hahn (4), Harmandic, Klesniks, Balic (2).

SG Flensburg-Handewitt:  Andersson – Karlsson, Eggert (7/4), Glandorf (2), Mogensen (6), Svan (5), Weinhold (3), Heinl, Gottfridsson (2), Bogunovic, Knudsen.

Schiedsrichter: Fabian Baumgart/Sascha Wild – Zuschauer: 1.484 – Zeitstrafen: 4:7 –Strafwürfe: 5:4.