HSG Wetzlar will Punkte "hierbehalten"!

DKB Handball-Bundesliga

Fäth und Laudt wieder mit dabei - Joli weiterhin verletzt

Die Situation am kommenden Samstag könnte schöner kaum sein: Endlich können auch die Handballer die Feiertage mal genießen, Ostern steht vor der Tür, eine dreiwöchige Spielpause kommt gleich hinterher. Mit einem Heimsieg kann die HSG Wetzlar am Samstag (19 Uhr, Rittal Arena) den siebten Tabellenplatz in der Handball-Bundesliga festigen. Der Gegner heißt TVB Stuttgart, ein zäher Kontrahent, machbar aber für die Wetzlarer in dieser Saison.

Die Freude über die lange Schaffenspause nach dem Samstag hält sich bei den Wetzlarer Verantwortlichen aber in Grenzen. »Eine einzige Katastrophe«, sei der Spielplan, sagt HSG-Geschäftsführer Björn Seipp. »Darüber müssen wir dringend nachdenken.« Erst stehen die Länderspiele am ersten April-Wochenende an, dann folgen die Final-Four-Partien, bei denen die Wetzlarer nach dem frühen Ausscheiden nicht vertreten sind. HSG-Trainer Kai Wandschneider weiß: »Man kommt in keinen Rhythmus, ein Spannungsabfall ist bei drei Wochen ohne Pflichtspiel gar nicht zu vermeiden.«

Wie geht die HSG in die Partie gegen den TVB Stuttgart? Zumindest bis zur Samstagspartie wird die Spannung hochgehalten. Die Wetzlarer wollen ihre starke Heimbilanz ausbauen, die letzten vier Partien vor eigenem Publikum wurden gewonnen. Die Statistik von neun Siegen und zwei Niederlagen lässt Kai Wandschneider zum Schluss kommen: »Wir haben die Rittal-Arena zu einer Festung gemacht.« Der Tenor ist klar: Die Wetzlarer gehen als Favorit in die Partie, gehen damit auch gelassen um. »Die Erwartungshaltung im kompletten Umfeld und der Region, aber auch bei uns selbst ist, dass wir die Punkte hierbehalten«, sagt der HSG-Trainer.

Wie ist die personelle Lage?  Helfen sollen dabei im Rückraum wieder Steffen Fäth und Florian Laudt. Beide sind einsatzbereit, im Gegensatz zu Rechtsaußen Guillaume Joli. Für den Franzosen kommt die Partie gegen die Stuttgarter nach seinem Muskelfaserriss wahrscheinlich noch zu früh.

Wie stark ist der Kontrahent am Samstag einzuschätzen? Mit dem TVB Stuttgart kommt der Tabellen-13. in die Rittal-Arena. Gegen Teams auf Augenhöhe (Bergischer HC, Lemgo) wurden zuletzt Siege eingefahren. In den letzten beiden Partien gab es allerdings zwei Niederlagen (in Leipzig und gegen die Rhein-Neckar Löwen). Man darf einen Gegner mit viel Wucht erwarten, nicht nur aufgrund der Körpergröße, auch aufgrund der Einstellung. »Wir müssen von der ersten Minute an hellwach sein, mit viel Kampfgeist und Engagement ins Spiel gehen«, fordert TVB-Trainer Thomas König.
   
Im Tor: Bitter vs. Wolff
   
Ihm stehen einige erfahrene Bundesligakteure zur Verfügung. Michael Schweikardt agierte jahrelang als Regisseur in Göppingen, Lars Friedrich hat eine Wetzlarer Vergangenheit. Der Mann aus dem rechten Rückraum spielte von 2010 bis 2012 an der Lahn, »mit ihm haben wir noch den Abstiegskampf bestritten«, erinnert sich Kai Wandschneider. Auch Rechtsaußen Michael Spatz zählt zu den erfahrenen Akteuren. Wetzlars Trainer warnt: »Wenn Joao Ferraz die Bälle nicht konzentriert weiterspielt, müssen wir damit rechnen, dass Spatz sie abfängt. Die haben schon Qualität.«

Auf welches Duell kann man sich besonders freuen? Ganz klar auf das der Torhüter. Der mittlerweile 33-jährige Johannes Bitter wechselte im Januar von Hamburg nach Stuttgart – und ist den Wetzlarern nicht gerade in bester Erinnerung. Im November unterlag die HSG den Hamburgern mit 23:29, Bitter stand im Tor und gewann das Duell gegen Wetzlars Andreas Wolff klar. »Es wird momentan viel über Andi geredet, auch zu Recht. Aber Johannes Bitter hat schon eine andere Stufe erreicht, er ist unter anderem Weltmeister, Champions-League-Sieger und Pokalsieger. Also all das, was Andi Wolff im nächstes Jahr erreichen wird«, flachst der Trainer, um dann ernst zu werden: »Das wird ein interessantes Duell zwischen den beiden.«

Worauf wird es taktisch ankommen? Vor Bitter steht bei den Stuttgartern meist eine 6:0-Deckung, die sich auch in ein offensives 3:3 verwandeln kann. Auch eine Manndeckung gegen Steffen Fäth käme nicht überraschend. »Wir kennen diese Sachen«, sagt Wetzlars Trainer, der die zuletzt deutliche Niederlage in Flensburg abgehakt hat. »Die haben einfach Bock gehabt, uns wegzuhauen. Worüber wir reden müssen, ist die bedingungslose Bereitschaft, sofort zurückzulaufen.« Das sei manchmal gar keine Frage von Geschwindigkeit, sondern von Konzentration. »Wir haben uns auf Video angeschaut, wie Spieler bei uns stehen und zugucken, ob unser Wurf ein Tor ist – aber da ist es schon zu spät. Im Vergleich hat man Flensburger Spieler gesehen, die schon zurücklaufen, obwohl sie nicht wissen, ob der Ball im Netz ist.«

Unter anderem das wollen die Wetzlarer am Samstag verbessern – um die Heimstärke nachzuweisen, um mit einem guten Gefühl in die dreiwöchige Pause zu gehen und: Um den einstelligen Tabellenplatz zu festigen. »Den wollen wir auf jeden Fall erreichen. Wir spielen eine sehr gute, für unsere Verhältnisse überragende Saison«, sagt Wandschneider. »Das soll sich am Ende auch in der Tabelle ausdrücken.«

Quelle: Gießener Allgemeine