HSG Wetzlar zeigt tolle Moral und wahres Gesicht!

DKB Handball-Bundesliga

Mittelhessen gewinnen bei heimstarkem GWD Minden mit 27:25 (13:12) – Nach schwacher Anfangsphase und hohem Rückstand im Kollektiv Partie gedreht

 

Die HSG Wetzlar hat am Mittwochabend im Bundesliga-Auswärtsspiel bei GWD Minden wieder ihr wahres Handball-Gesicht 2016/17 gezeigt und mit einem 27:25 (13:12)-Erfolg beide Punkte aus der Kampa-Halle entführt. 

Zum Vorrundenabschluss belegen die Grün-Weißen somit mit sagenhaften 18:16 Punkten den achten Tabellenplatz im Oberhaus, sogar ganze vier Zähler vor dem bislang enttäuschenden Hessenrivalen MT Melsungen.

Die Wetzlarer wollten von Beginn an eine klare Antwort auf die schwache Leistung in Göppingen vor vier Tagen geben. Bei der hohen 25:36-Niederlage hatte wenig gestimmt beim Team von Trainer Kai Wandschneider. Doch nach nicht einmal vier Minuten lagen die Mittelhessen durch das Tor von GWD-Flügelflitzer Aleksandar Svitlica mit 0:4 (3:25) in Rückstand. Kalt erwischt im Ostwestfälischen, der Angriff mit den Gedanken noch in der Kabine, die Abwehr von vier Gegenstößen (!) überrumpelt. Der Göppingen-Schreck saß zunächst doch tiefer als gedacht. Gastgeber GWD Minden wirbelte in der Anfangsphase ähnlich stark wie beim jüngsten Auswärtscoup beim TVB Stuttgart, als es nach acht Minuten 5:1 für das Team um den schwedischen Spielmacher Dalibor Doder hieß.

Zehn Minuten später sah die Handball-Welt der Grün-Weißen aber schon wieder besser aus. Erst zückte Trainer Kai Wandschneider die grüne Karte (9:05), nahm den schwachen Halbrechten Stefan Cavor vom Feld und beschwor noch einmal seine 6:0-Deckung. Zwei, drei Paraden von Torhüter Benjamin Buric (u. a. beim 3:7 gegen den freien Außen Svitlica, 10.), dazu ein, zwei gelungene Abwehrblocks – und schon glich die HSG durch einen Treffer von Linksaußen Kasper Kvist zum 7:7 (15.) aus. Da hatte GWD-Trainer Frank Carstens auch schon die erste Auszeit genommen. Eine Mindener Parallele zum Stuttgart-Spiel, denn auch da war der Vorsprung beim 13:13 (24.) wieder aufgebraucht.

Im Duell des Tabellen-13. gegen den Rangachten schenkten sich beide Kontrahenten nichts. Minden befreite sich wieder etwas und riss beim 10:7 durch Marian Michalczik (22.) die Führung erneut an sich. Wetzlar – von einem starken Spielmacher Filip Mirkulovski angeführt – konterte zum 12:12-Ausgleich durch Nationalkreisläufer Jannik Kohlbacher und setzte nach einem abgefangenen Ball durch Kasper Kvist sogar noch die 13:12-Pausenführung oben drauf, die Benjamin Buric mit seiner bereits siebten Parade gegen Christoffer Rambo absicherte.

Bestnoten im ersten Abschnitt hatten sich auf beiden Seiten die Kreisläufer verdient. Jannik Kohlbacher erzielte für Wetzlar alleine vier Treffer, auf Mindener Seite waren abwechselnd der Norweger Magnus Gullerud und der Schwede Joakim Larsson vom Wetzlarer Innenblock nur schwer in den Griff zu bekommen. Im zweiten Abschnitt gewann der Wetzlarer Kreisläufer dieses Duell dann aber um Längen, was mitentscheidend für den Spielausgang war.

In die zweite Halbzeit ging es gleich andersrum, mit einem Blitzstart der HSG Wetzlar, die nach 34 Minuten durch einen Treffer von Philipp Weber zum 16:12 sowie nach 38 Minuten durch ein Tor von Linkshänder Vladan Lipovina zum 18:14 plötzlich deutlich mit vier Toren in Führung lag. Und diesmal setzten die Mindener zur Aufholjagd an. Benjamin Buric knüpfte zwar weitgehend an seine gute Leistung der ersten Hälfte an, beim 17:18 nach 42 Minuten durch einen von Charlie Sjöstrand verwandelten Siebenmeter waren die Ostwestfalen aber wieder auf Tuchfühlung.

Doch in der Schlussviertelstunde zeigten die Kohlbacher und Co. wieder ihr wahres, sympathisches Gesicht der Bundesliga-Vorrunde 2016/17. Ein Doppelschlag von Philipp Weber zum 20:17 (45.) beruhigte die Gemüter schnell wieder. Das 23:19 von Kasper Kvist zehn Minuten vor dem Abpfiff setzte schließlich sogar die letzten Wetzlarer Reserven nach einer turbulenten, von zahlreichen Rückschlägen heimgesuchten Vorrunde frei.

Auch fünf Minuten vor Schluss, Vladan Lipovina hatte gerade für das 26:22 gesorgt, waren die Gastgeber noch auf Distanz. Minden mühte sich, doch Wetzlar hatte in der Endphase stets eine Antwort parat. Und als Jannik Kohlbacher seine starke Vorstellung mit dem 27:24 zweieinhalb Minuten vor dem Ende krönte, war das Punktepaar eingetütet und das kollektive HSG-Blackout vom Samstag in Göppingen Geschichte.

Mit einer Wurfquote von 61,8 Prozent, den stets vorangehenden Führungsspielern Philipp Weber und Jannik Kohlbacher und einer gewieften Zeitnot-Taktik verdienten sich die Wetzlarer die Punkte beim Aufsteiger.

Trainer Kai Wandschneider war nach der Partie voll des Lobes über seine Mannschaft ob der vorweihnachtlichen Bescherung: "18 Punkte sind sensationell. Wir haben hier noch einmal eine großartige Moral bewiesen. Außerdem haben heute unsere Wechsel gesessen. Tobias Hahn hat seine Sache in der Abwehr großartig gemacht."
 
Frank Carstens, der Mindener Trainer, der mit dem Aufsteiger eigentlich den Rückenwind vom Sieg in Stuttgart nutzen wollte, gestand ein: "Nach dem tollen Beginn haben wir in der Offensive stark nachgelassen. Der frühe Ausfall von Schäpsmeier hat uns hart getroffen. Allerdings hat Wetzlar auch für jede unserer taktischen Maßnahmen Lösungen gehabt."
 
Im Stenogramm:

GWD Minden: Eijlers, Sonne-Hansen; Freitag, Schäpsmeier, Kozlina, Freiman (1), Sjöstrand (8/3), Rambo (1), Südmeier (1), Larsson (2), Jernemyr, Gullerud (3), Michalczik (5), Svitlica (1), Doder (3).

HSG Wetzlar: Buric, Nikolai Weber; Kneer, Lipovina (3), Björnsen (1), Mirkulovski (5), Philipp Weber (5), Hahn (1), Berggren, Kvist (6), Klesniks, Lindskog, Cavor, Kohlbacher (6). 

Schiedsrichter: Loppaschewski/Blümel (Berlin). - Zuschauer: 2.782. - Zeitstrafen: Svitlica (Minden); Klesniks (2), Hahn (2, beide Wetzlar). - Siebenmeter: 3/3:3/2.

Quelle: Gießener Allgemeine