HSG zeigt Charakter

DKB Handball-Bundesliga

Wetzlar verliert nach Leistungssteigerung in Wuppertal 22:23

Kampf, Spannung, Hektik, aber kein Happy End: Die HSG Wetzlar hat sich gestern Abend im "Vier-Punkte-Spiel" der Handball-Bundesliga beim Bergischen HC nach einer enormen Leistungssteigerung hauchdünn mit 22:23 (8:12) geschlagen geben müssen."Wir hatten aufgrund der zweiten 30 Minuten einen Punkt verdient", sagte Ex-Manager Rainer Dotzauer mit versteinerter Miene. Der Krimi hatte auch bei ihm Spuren hinterlassen. Denn nach indiskutabler Vorstellung vor der Pause hatten sich die Grün-Weißen in die Partie zurückgearbeitet und den 10:16-Rückstand (36.) über die Stationen 13:16 (40.) und 14:19 (43.) beim 19:19 (52.) wettgemacht. Die "Löwen" wackelten. Erst der Isländer Rune Karason beendete die zehnminütige Torflaute der Hausherren mit dem 20:19 (52.).

Fortan "brannte" die Luft in der mit 2915 Zuschauern nicht ganz ausverkauften Uni-Halle in Wuppertal. Fabian Böhm legte Tor Nummer 21 für die Bergischen nach, doch die HSG gab sich nicht auf. Ein Doppelschlag von Kari Kristjan Kristjansson und Steffen Fäth bedeutete den erneuten Gleichstand. Das 22:21 von Jens Reinarz (58.) beantwortete Alois Mraz zum 22:22 (59.), ehe die Schiedsrichter das Zünglein an der Waage spielten. Sie verhängten gegen Giorgos Chalkidis wegen einer Nichtigkeit 52 Sekunden vor dem Ende die dritte Zeitstrafe, die Karason zum entscheidenden 23:22 nutzte. Den finalen Wurf von Mraz parierte der starke Mario Huhnstock. Aus. Vorbei. Wetzlar hatte zwei wichtige Punkte auf dem Weg zum Klassenverbleib liegen gelassen.

Chalepo ist traurig und findet die Niederlage ein wenig ungerecht

"Ich bin traurig", erklärte Trainer Gennadij Chalepo, der die Niederlage ein wenig "ungerecht" fand, um dann genau zu analysieren: "In der ersten Halbzeit lief der Ball bei uns nicht und vorne klappte rein gar nichts. Da haben wir den Bergischen HC zu Tempogegenstößen eingeladen."

Das änderte sich nach Wiederbeginn. Jetzt kämpfte sich die HSG ins Spiel zurück, zeigte Leidenschaft und Siegeswillen. Die zuvor vollkommen gefehlt hatten. Als die Grün-Weißen nach dem 6:5 durch einen mächtigen Rückraumwurf von Steffen Fäth (15.) gegen die robusten auftretenden Gastgeber über 6:8 (18.) mit 7:11 (24.) ins Hintertreffen gerieten. "Die Wurfquote war ganz schlimm", bekannte Kari Kristjan Kristjansson hinterher freimütig. Derweil bemängelte der mit zwölf Paraden überragende Torhüter Nikolai Weber: "Das war zunächst undiszipliniert, dann haben wir aber gezeigt, dass wir es doch können."

Fast schon verloren schien die Partie, als Rückraumschütze Philipp Müller nach einer Abwehraktion gegen Jiri Vitek in Minute 30 die rote Karte vor die Nase gehalten bekam. Kopfschüttelnd verließ er das Feld. Und auch bei drei, vier weiteren Szenen mussten sich die Gäste aus der Domstadt benachteiligt gefühlt haben, als die Schiedsrichter Robert Schulze und Tobias Tönnies aus Magdeburg auf HSG-Stürmerfoul, auf der Gegenseite aber auf Freiwurf für den aus der SG Solingen und dem LTV Wuppertal gebildeten Bergischen HC entschieden.

"Aber die Mannschaft hat Charakter gezeigt und an ihre Chance geglaubt", erklärte HSG-Geschäftsführer Björn Seipp. Dies sollte den Grün-Weißen Mut machen. Denn bereits am Mittwoch steht gegen die SG Flensburg-Handewitt in der Rittal-Arena das zweite Match der englischen Woche an. Dann hoffen die Gäste auf ein Happy End, das gestern dem BHC vorbehalten blieb. "Das war ein ganz wichtiger Sieg für uns", befand "HaDe" Schmitz, der Trainer des Aufsteigers. "Er hat uns gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Mittlerweile ist unsere Deckung mit dem hervorragenden Innenblock Carlos Prieto und Hendrik Pekeler dicht. Jetzt muss nur noch der Angriff zu seiner Lockerheit finden."

Bergischer HC: Huhnstock, Stochl (n.e.) - Vitek, Klev (1), Moen, Nippes, Oelze (6/2), Weiß, Wöss (6), Reinarz (2), Böhm (2), Pekeler (2), Karason (4), Prieto
Wetzlar: Weber, Marinovic (n.e.) - Schmidt (2), Salzer (2), Valo (4), Jungwirth (1), Mraz (3), Müller, Chalkidis (1), Fäth (5), Hahn (1), Harmandic (1/1), Friedrich, Kristjansson (2)
Schiedsrichter: Schulze/Tönnies (Magdeburg) Zuschauer: 2915 Zeitstrafen: Bergischer HC fünf (Klev drei/rote Karte 42., Weiß, Prieto), Wetzlar vier (Chalkidis drei/rote Karte 60., Jungwirth) rote Karte: Müller (30., Wetzlar) wegen groben Foulspiels

Gerhard Collinet