Im „verflixten siebten Jahr“: HSG Wetzlar gewinnt erstmals in Bundesliga-Geschichte in Balingen

DKB Handball-Bundesliga

Trainer Kai Wandschneider war "Matchwinner" - Abwehr-Umstellung bringt historischen Erfolg am Rande der "Alb"

Sechs Jahre lang waren die Bundesliga-Handballer der HSG Wetzlar mit großen Zielen in Richtung Balingen aufgebrochen und regelmäßig ernüchtert in die mittelhessische Domstadt zurückgekehrt. Immer hatte es für die Grün-Weißen in der stimmungsvollen Sparkassen Arena eine Niederlage gesetzt – zumeist fiel diese sogar deftig aus. Doch in dieser Spielzeit, der siebten gemeinsamen in der „stärksten Liga der Welt“, ist der Bann gebrochen!

In diesem, gern beschriebenen „verflixten siebten Jahr“ hat die Hölle Süd für die Nikolai Weber & Co. ihren Schrecken verloren. Mit 28:26 (15:11) gewannen die Spieler von HSG-Trainer Kai Wandschneider am gestrigen Abend gegen aufopferungsvoll kämpfende Balinger, die zehn Minuten vor dem Abpfiff sogar noch mit 25:23 geführt hatten, und vollführten nach dem Abpfiff Freudentänze mit ihren mitgereisten Fans auf dem Parkett.

"Ich bin hochzufrieden, dass die schwarze Serie endlich beendet ist", atmete Kai Wandschneider nach der turbulenten Schlussphase tief durch, die die Gäste aus Wetzlar ab der 50. Minute mit 5:1 für sich entschieden. „Der heutige Sieg ist letztlich unserem Trainer zu verdanken“, stellte  Wetzlars Geschäftsführer Björn Seipp in der anschließenden Pressekonferenz fest. „Durch seine Umstellung auf eine 3:3-Deckung in der `Crunchtime` hat er wieder mehr Konzentration und Aggressivität in unsere Reihen gebracht. Durch diesen taktischen Schachzug wurde Balingen überrascht und hat in der Offensive keine Lösungen mehr gefunden.“

Nachdem die Gäste aus Wetzlar ihren „Angstgegner“ vom Rande der schwäbischen Alb in der ersten Halbzeit in Grund und Boden gespielt hatte und zwischenzeitlich, beim Stande von 15:9, mit sechs Toren in Führung gegangen waren, drohte die mitreißende Partie im zweiten Abschnitt noch zu kippen. Zwischen der 37. und 46. Spielminute blieben die Grün-Weißen, die sich nunmehr doch von den Emotionen auf und neben der Platte aus dem zuvor hervorragend funktionierenden Konzept bringen ließen, ohne Treffer. Balingen verkürzte Tor um Tor und die Halle Stand Kopf als dem österreichischen Nationalspieler Roland Schlinger in der 46. Minute der erste Führungstreffer gelang. Zum Sieg reichen sollte es für die tapferen Gastgeber am Ende aber trotzdem nicht!

„Gerade die schwankende Leistung in der zweite Halbzeit hat gezeigt, dass wir - bei aller Freude über den zweiten Sieg imzweiten Spiel - gut daran tun, auf dem Boden zu bleiben“,  sprach HSG-Geschäftsführer Björn Seipp Klartext. „Es war nicht alles Gold, was jetzt vermeintlich glänzt. Die Mannschaft ist naturgemäß noch in der Entwicklungs- und Findungsphase. Wir müssen noch mehr Disziplin und Konstanz in unser Spiel bekommen, erst dann haben wir den nächsten Schritt gemacht.“ 

Den erhofft sich Trainer Kai Wandschneider im nächsten Heimspiel am Mittwochabend gegen den TV Großwallstadt. „In Balingen haben leider nicht alle unserer Spieler ihr volles Leistungsvermögen abrufen können. Das muss am Mittwoch anders werden. Der TVG ist eine Mannschaft, die über das Kollektiv kommt und die man versuchen muss durch konzeptionellen Team-Handball zu schlagen – aber dafür müssen wir auf allen Positionen funktionieren.“ Am heutigen Sonntag gelte es die leichten Verletzungen auf dem Auswärtsspiel in Balingen zu kurieren und ab morgen die volle Konzentration auf das Lahn-Main-Derby gegen den TVG zu richten, verrät der Coach der Grün-Weißen, der hofft, „dass die aktuelle Handball-Euphorie in und um Wetzlar dafür sorgt, dass die Ränge der Rittal Arena auch am Mittwoch wieder gut gefüllt sind – denn gegen Großwallstadt brauchen wir die Fans genauso sehr wie gegen Hamburg. Vielleicht sogar noch mehr!“

Stenogramm:

HBW Balingen/Weilstetten: Putera (ab 26.), Puhle - König (1), Herth (3/1), Tubic (2), Ettwein, Schlinger (1), Theuerkauf (2), Wessig, Häfner (5), Ilitsch (1), Billek (6), Gutbrod (4), Liniger (1/1).

HSG Wetzlar: Marinovic (32. bis 49.), Weber - Schmidt (1), Fridgeirsson, Tiedtke (1), Rompf (1), Valo, Mraz (2), Philipp Müller, Reichmann, Fäth (4), Michael Müller (7), Harmandic (8/5), Kristjansson (4).

Schiedsrichter: Hartmann/ Schneider (Barleben/Irxleben) - Zuschauer: 2000 - Zeitstrafen: Balingen/Weilstetten vier (Wessig, Ettwein zwei, Ilitsch), Wetzlar zwei (Kristjansson, Reichmann) - verworfene Siebenmeter: Herth (Balingen/Weilstetten) an die Latte (28.), Harmandic (Wetzlar) scheitert an Putera (54).