In Schlussminuten Remis gegen bärenstarke Gummersbach erkämpft!

DKB Handball-Bundesliga

Duell der Tabellennachbarn endet 30:30-Unentschieden – Europameister Steffen Fäth erzielt sieben Tore – Rittal Arena zum achten Mal in Folge ausverkauft!

Einen über 60 Minuten hochspannenden Schlagabtausch lieferten sich am Samstagabend die HSG Wetzlar und der VfL Gummersbach. Die Gäste lagen über weite Strecken der Partie in Führung - zehn Minuten vor dem Ende sogar mit 26:22. Die Hausherren kämpften sich wieder heran, glichen aus und legten - angetrieben vom siebenfachen Torschützen Steffen Fäth ihrerseits vor. Doch mit seinem neunten Treffer sorgte Florian von Gruchalla dann zehn Sekunden vor dem Ende von der Siebenmeterlinie für die insgesamt leistungsgerechte Punkteteilung. Gummersbach verteidigt durch den Auswärtspunkt den neunten Tabellenplatz. Die HSG Wetzlar rückte auf den sechsten Platz vor und hat weiterhin Anschluss an die Europapokal-Ränge.

Von der ersten Minute an lieferten sich die HSG Wetzlar und der VfL Gummersbach ein packendes Duell. Die Gäste legten durch einen von Magnus Persson verwandelten Strafwurf vor und traten auch in der Folge selbstbewusst auf. Wetzlar hielt allerdings dagegen, Jannik Kohlbacher glich aus, Joao Ferraz antwortete auf den neuerlichen Führungstreffer von Julius Kühn. Als Persson mit dem zweiten Siebenmeter dann aber am stark beginnenden Andreas Wolff scheiterte und Gummersbach die erste Zeitstrafe hinnehmen musste, schien Wetzlar das Spiel in den Griff zu bekommen. Obwohl auch die Hausherren einen Strafwurf ausließen, setzten sie sich beim 4:2 von Joao Ferraz und dem 5:3 von Maximilian Holst auf zwei Tore ab.

Gummersbach zeigte sich aber unbeeindruckt und kam über einige gute Arbeit in der Deckung umgehend wieder ins Spiel zurück. Nach einem von Florian von Gruchalla verwandelten Strafwurf sorgte Andreas Schröder für den Ausgleich und auf den Führungstreffer von Andreas Schindler ließ Schröder dann das 7:5 folgen. Die Gastgeber ließen einige Chancen ungenutzt und offenbarten in der 5:1-Deckung einige Lücken, die die Gäste zu nutzen wussten. Die Gummersbacher Serie war auf vier Tore angewachsen. Nach über fünf torlosen Minuten beendete Maximilian Holst die Durststrecke und Filip Mirkulovski setzte den Ausgleichstreffer. Die Gummersbacher legten aber weiter vor und nahmen ein 15:13 mit in die Kabinen - mit der Sirene hatte Vladan Lipovina eingenetzt.

Den zweiten Abschnitt begannen beide Teams aufgrund von Zeitstrafen mit einem Spieler weniger, Gummersbach behauptete dabei zunächst seine Führung - auch weil Julius Kühn wie im ersten Abschnitt einige wichtige Treffer beisteuerte. Ein Doppelschlag von Steffen Fäth halbierte den Abstand beim 18:16 dann aber und nach einer Dreier-Serie von Florian Laudt, Guilllaume Joli und Jannik Kohlbacher stand beim 19:19 nach vierzig Minuten dann wieder ein Unentschieden auf der Anzeigetafel. Emir Kurtagic reagierte, der Trainer des VfL Gummersbach griff zur Grünen Karte und nahm eine Auszeit.

Diese schien Gummersbach wieder auf Kurs zu bringen, Magnus Persson und der gut aufgelegte Florian von Gruchalla sorgten für das 21:19. Nun nahm Kai Wandschneider seine Auszeit, aber auch die verhinderte die neuerliche Drei-Tore-Führung der Gäste durch Andreas Schröder nicht. Wetzlar geriet mehr und mehr unter Druck: Simon Ernst erhöhte auf 24:21 und Evars Klesniks kassierte zudem noch eine Zeitstrafe. Als Florian von Gruchalla das 25:21 nachlegte, schienen die Punkte für die Hausherren in weiter Ferne. Wandschneider versuchte neue Impulse zu setzen, nahm zehn Minuten vor dem Ende eine erneute Auszeit. Doch bis zum 26:22 blieb Gummersbach auf Kurs. "Ich hatte zu diesem Zeitpunkt ehrlich gesagt nicht mehr wirklich große Hoffnung", gab HSG-Geschäftsführer Björn Seipp in der Pressekonferenz nach dem Spiel zu.

Doch die letzten neun Minuten gehörten dann der HSG Wetzlar, die vor allem von einem glänzenden Steffen Fäth getragen wurde. Dieser gab den Startschuß für die Aufholjagd, Maximilian Holst legte nach. Auf den nächsten Gummersbacher Treffer antworteten dann erneut Fäth und Holst, Kristian Bliznac ließ die heimischen Fans dann sechs Minuten vor dem Ende über den 27:27-Ausgleich jubeln. Damit nicht genug, Filip Mirkulovski warf die Gastgeber wieder in Vorlage. Gummersbach versucht gegenzusteuern, das Momentum schien aber auf Seiten der Hessen. Die Ausgleichstreffer der Gummersbacher wurden umgehend mit der neuerlichen Führung beantwortet, fünfzig Sekunden vor dem Ende erneut durch Steffen Fäth. Aber der letzte Gummersbacher Angriff konnte nur auf Kosten eines Siebenmeters gebremst werden: Florian von Gruchalla übernahm die Verantwortung und behielt die Nerven, sein Treffer zum 30:30 sorgte für eine insgesamt leistungsgerechte Punkteteilung. "Wir freuen uns über den Punkt, es war eine starke Aufholjagd. Aber wir haben insgesamt zu viele Fehler gemacht", bilanzierte HSG-Rechtsaußen Tobias Hahn nach dem Abpfiff.

Sein Trainer Kai Wandschneider zeigte sich begeistert über die abgelaufenen 60 Minuten: "Wir haben heute zwei Mannschaften gesehen, die eine bärenstarke Saison spielen. Das war ein richtig tolles Match. Als wir zwischenzeitlich mit vier Toren zurückgelegen haben, habe ich gedacht, wenn uns jetzt nichts einfällt, dann verlieren wir mit sieben oder acht Toren. Meine Truppe hat dann aber eine sensationelle Moral gezeigt."

"Ich kann über 50 Minuten sehr, sehr zufrieden mit unserem Auftreten sein. Wir haben das Spiel bis dahin voll im Griff. Aber Wetzlar hat nie aufgegeben und uns diesen Sieg nicht gegönnt", meinte VfL-Trainer Emir Kurtagic nach der Begegnung treffend.