„In Wetzlar will ich den Sprung in die A-Nationalmannschaft schaffen!“

DKB Handball-Bundesliga

Neuzugang Tobias Reichmann hofft auf erfolgreiche Zeit in Wetzlar und persönliche Weiterentwicklung.

 

Liest man sich den sportlichen Werdegang von Tobias Reichmann durch, kann man eigentlich nur zu einem Ergebnis kommen: Dieser junge Handballer hat in seiner Vereinskarriere schon alles gewonnen. Zweimal Champions League-Sieger, zwei DHB-Pokal Titel, zwei Deutsche Meisterschaften sowie Super-Cup-Sieger 2011. Und das alles in drei Jahren beim THW Kiel. Dennoch war die Zeit in Schleswig-Holstein für den gebürtigen Berliner nicht immer das pure Vergnügen, schließlich stand mit Christian Sprenger der bis vor wenigen Monaten Stamm-Rechtsaußen der Nationalmannschaft im Kader und erhielt meist den Vorzug. Nichtsdestotrotz hat sich der 24-Jährige beim Deutschen Meister zu einem kompletten Rechtsaußen entwickelt, der in Wetzlar ein neues Kapitel, das unter dem Motto „mehr Spielzeit gleich Weiterentwicklung“ stehen könnte, aufschlagen will. Im Interview spricht „Ippe“ über sein Privatleben, seine persönlichen Ziele und die Freundschaft zu HSG-Spieler Kevin Schmidt.

Tobias, Deine Hobbies sind unter anderem Ski- und Snowboardfahren. Jetzt sind Berlin, wo Du geboren bist, und Kiel nicht gerade dafür bekannt, dass sie die besten Pisten haben. Wie bist Du dazu gekommen?
Tobias Reichmann: „Nee, das stimmt. (lacht) Seit ich vier Jahre alt bin, bin ich mit meinen Eltern immer in den Skiurlaub nach Österreich gefahren. Dort habe ich dann gelernt Ski und Snowboard zu fahren und das macht mir bis heute großen Spaß. Leider kann ich es aufgrund des Handballs jetzt nicht mehr so intensiv ausführen, wie früher.“

Uns ist bekannt, dass Du gut mit unserem Spieler Kevin Schmidt befreundet bist. Woher kennst Du ihn und war das auch ein Punkt, der Dich dazu bewogen hat, nach Wetzlar zu kommen?
Tobias Reichmann: „Klar, dass ich mit Kevin befreundet bin hat schon in die Entscheidung mit reingespielt. Wir kennen uns gut aus der Juniorennationalmannschaft und sind zusammen Vize-Europameister geworden. Aber ich finde es generell gut, dass bei der HSG Wetzlar viele junge deutsche Spieler unter Vertrag stehen. Das war mit ausschlaggebend.“

Du sagst „mit ausschlaggebend“. Was waren denn die anderen Punkte, die Dich bewogen haben nächstes Jahr das Trikot der HSG Wetzlar überzustreifen?
Tobias Reichmann: „Beim THW Kiel habe ich leider nicht so viele Spielanteile bekommen, weil wir mit Christian Sprenger einen weiteren richtig guten Rechtsaußen haben. Bei der HSG erhoffe ich mir jetzt natürlich wesentlich mehr Spielanteile. Die sind für mich persönlich enorm wichtig, um mich sportlich weiterzuentwickeln. Schließlich will ich irgendwann in der Nationalmannschaft spielen!“

Das sind selbstbewusste Worte, die aber durchaus berechtigt sind. Martin Heuberger hat Dich in den letzten Monaten immer wieder für die B-Nationalmannschaft, die dafür bekannt ist, junge Spieler zu fördern, eingeladen. Wie waren da Deine Erfahrungen?
Tobias Reichmann: „Das waren super Erlebnisse für mich. Es macht riesig Spaß für sein Land zu spielen und macht einen persönlich auch stolz. Die beiden Spiele gegen Dänemark waren einfach super! Und ich denke, dass der B-Kader durchaus ein gutes Sprungbrett sein kann.“

Mit Johannes Sellin und Markus Richwien von den Füchsen Berlin sowie Patrick Groetzki von den Rhein-Neckar Löwen ist die Konkurrenz in der A-Nationalmannschaft durchaus groß. Schaffst du trotzdem den Sprung?
Tobias Reichmann: „Ich werde natürlich alles dafür geben, mit der HSG Wetzlar erfolgreich zu sein, auch um diesen Traum zu realisieren. Deswegen bin ich ja auch nach Mittelhessen gewechselt – um mich weiterzuentwickeln und zu empfehlen. Ob es dann am Ende des Tages klappt, das müssen wir abwarten.“

Neben dem Handball warst Du auch an der Universität in Kiel eingeschrieben, Deine Freundin, die Dich nach Wetzlar begleitet, ist Arzthelferin. Wie ist der Stand der Dinge bezüglich Uni und Arbeit?
Tobias Reichmann: „Stimmt, ich habe in Kiel Sportwissenschaften und Pädagogik studiert. Das werde ich auch – wenn auch in etwas anderer Form – in Mittelhessen weiterführen. Ich habe mich an der Justus-Liebig-Universität in Gießen eingeschrieben und werde dort den Studiengang „Bewegung und Gesundheit“ aufnehmen, weil ich mir neben dem Handball unbedingt noch etwas aufbauen will. Meine Freundin ist Arzthelferin, stimmt. Sie hat dank der Unterstützung des Clubs auch bereits einen Job in Wetzlar bekommen, sodass wir positiv in Zukunft gucken können.“

In Kiel hattest Du das Trikot mit der Nummer 19. Die wirst Du nun auch hier in Wetzlar bekleiden. Was verbirgt sich hinter dieser speziellen Nummer?
Tobias Reichmann: „Ich muss ehrlich zugeben, dass ich in Kiel eigentlich eine andere Nummer wollte. Diese war aber leider schon vergeben und ich musste mich anderweitig umschauen. Ich habe dann die Nummer 19 gewählt, die allerdings keinen besonderen Hintergrund hat. Mittlerweile ist sie aber irgendwie zu „meiner“ Nummer geworden, deswegen ist es schön, dass diese in Wetzlar noch nicht vergeben war. Da habe ich dann direkt zugeschlagen.“

Deine Freunde nennen Dich „Ippe“. Eine klare Ableitung von Deinem Namen Tobias lässt sich da nicht gerade herstellen. Wie bist Du zu diesem Spitznamen gekommen und was bedeutet er?
Tobias Reichmann: „Das weiß ich gar nicht mehr so genau. Ich habe mir in einem Winterurlaub mal mehrfach das Schienbein gebrochen und irgendwie ist daraus dieser Name entstanden. Seitdem werde ich so gerufen. Eine nähere Bedeutung hat der Name aber nicht – und, was viel wichtiger ist: Ich kann mit ihm leben. (lacht)“