Interview mit Dennis Krause vor Auswärtsspiel in Gummersbach!

DKB Handball-Bundesliga

Abwehrchef: "Wir müssen punkten und am besten schon morgen"

Mit der deutschen U21-Handball-Nationalmannschaft wurde er bereits Europameister (2006) und Vize-Weltmeister (2007). Mit seinem derzeitigen Verein HSG Wetzlar strebt der 25 Jahre alte gebürtige Lörracher ebenfalls große Ziele an. Wenn es am Sonntag allerdings zu seinem Ex-Club VfL Gummersbach geht, dann sind die Ziele eher einfacher Natur. Nach einem wenig erfolgreichen Start mit 2:8 Punkten und einer förmlichen Verletzungsseuche wollen Dennis Krause und die Mittelhessen unbedingt ein Erfolgserlebnis feiern und damit das eigene Selbstvertrauen stärken. Vor der Partie gegen die Oberbergischen sprachen wir mit dem groß gewachsenen Abwehrspezialisten.

Gut vier Monate sind Sie nun in Wetzlar, wie haben Sie sich eingelebt?

Dennis Krause: Sehr gut, ich bin von allen, Mannschaft, Trainer, Umfeld und Fans super aufgenommen worden. Mittlerweile wohnt auch meine Freundin bei mir und wir fühlen uns wohl. Ich finde es auch wahnsinnig toll, dass trotz der familiären Atmosphäre alles hier so professionell läuft.

Was ist in Wetzlar anders als bei Ihren vorherigen Stationen in Gummersbach, Magdeburg und Bernburg?

Krause: Das kann man so nicht sagen, es gibt immer Vor- und Nachteile. Auch in Gummersbach und in Magdeburg in der ersten Liga gab es schöne Momente. Was auf jeden Fall super hier ist, das ist der Umgang, den der Trainer mit den Spielern pflegt. Das Training ist sehr abwechslungsreich und trotzdem fordernd und spielnah. Das macht, so denke ich, allen großen Spaß. Jetzt brauchen wir eben nur noch die Erfolgserlebnisse und Punkte.

Euer Start in die laufende Saison war nicht so zufriedenstellend, sieben Abgänge, mittlerweile zehn Neuzugänge, viele Verletzte, darunter mit Harmandic und Valo zwei Langzeitrekonvaleszente. Wie geht Ihr als Mannschaft mit dieser Pechsträhne um?

Krause: Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir enger zusammenrücken müssen. Das ganze Wehklagen hilft nichts. Wir müssen die Ausfälle so gut es geht ersetzen und nach vorne schauen, hart arbeiten und das Beste draus machen. Bisher haben wir dies auch recht gut hinbekommen, nichtsdestotrotz hoffen alle natürlich auf eine baldige Rückkehr der Verletzten.

Wenn denn alle fit zur Verfügung stehen und Ihr komplett an den Start gehen könnt, was trauen Sie Ihrem Team noch alles zu?

Krause: Ich gebe ungern Prognosen ab, aber sicher werden wir dadurch noch variabler und schwerer auszurechnen. Allein durch die verschiedenen Spielertypen und die daraus resultierenden Möglichkeiten. Aber das braucht eben Zeit, und die ist eben knapp, schließlich wollen und müssen wir punkten und das am besten schon am Sonntag gegen Gummersbach.

Was sind denn Ihre persönlichen Ziele in Wetzlar?

Krause: Für mich ist es wichtig, dass ich mich wohlfühle, und das tue ich, das ist für mich und meine persönliche Entwicklung sehr wichtig. Sportlich möchte ich meine Defensivstärke einbringen und damit der Mannschaft helfen. Ich weiß, dass ich mit Kristian Bliznac und Steffen Fäth zwei sehr starke Mannschaftskameraden auf meiner Position im Angriff habe. Ich sehe sie aber weniger als Konkurrenten, aber auch dort will ich meine Chance bekommen und mich beweisen. Ich weiß aber auch, dass dies wohl der schwierigste Schritt wird – und dafür will ich arbeiten.

Sie kamen angeschlagen aus Gummersbach nach Wetzlar, wie fit sind Sie mittlerweile, ist alles ausgeheilt?

Krause: (lacht verbittert) Ganz und gar nicht. Wie sich nun herausgestellt hat, war es ein Muskelbündelteilriss. Grundsätzlich brauche ich eine etwas längere Reha zur Stärkung und zum Wiederaufbau der Muskulatur. Ich habe dort noch immer große Defizite, und dies, weil mir beim VfL nicht geglaubt wurde und ich keine Pause bekommen habe. Das alles macht mir schwer zu schaffen, und wir schauen von Woche zu Woche, wie es geht. Da unsere Verletztenmisere so groß ist, ist es schwierig, das zu realisieren, und solange es geht, werde ich weiterspielen und hoffe damit der Mannschaft zu helfen.

Bei Ihrem vorherigen Verein VfL Gummersbach lief, Gerüchten zufolge, zuletzt nicht alles so rund für Sie. Besonders gesundheitlich soll man Sie dort hängen gelassen haben. Was genau ist passiert?

Krause: Nach dem Spiel mit dem VfL gegen Balingen hatte ich Schmerzen im Oberschenkel bis hin zum Knieansatz. Ein Arztbesuch ergab, es sei nicht weiter schlimm und ich solle weitermachen. Ich hatte riesige Schmerzen, bekam aber immer vorgehalten, ich würde, weil mein Wechsel nach Wetzlar bereits fix war, nicht alles geben und mich schonen. Das hat mich sehr verletzt und fertiggemacht. Permanent hat man mich versucht unter Druck zu setzen, und so wollte ich zeigen, dass ich alles gebe. Das hat die ganze Sache natürlich nicht besser gemacht. Nun war ich vor drei Wochen in München bei Dr. Müller-Wohlfahrt, und der hat nur den Kopf geschüttelt. Zum einen, wie man diese Verletzung nicht diagnostizieren kann und zudem, wie man mit solchen Schmerzen überhaupt spielen kann. Mario Götze hat damit drei bis vier Monate Pause. Müller-Wohlfahrt hat mir dringend empfohlen, schnellstmöglich zu pausieren und Reha zu machen. Sicher kann man da verstehen, dass ich ziemlich gefrustet bin und unbedingt am Sonntag gegen den VfL Gummersbach gewinnen will.

Quelle: Gießener Anzeiger