Interview mit Spielmacher Ivano Balic

DKB Handball-Bundesliga

Zweifacher Welthandballer stellt sich den Fragen des Pressedienstes der DKB Handball-Bundesliga

Ivano, seit etwas mehr als einem Jahr bist Du nun für die HSG Wetzlar in der DKB Handball-Bundesliga aktiv. Wie sind Deine Eindrücke von Liga (im Vergleich zur spanischen und kroatischen Liga) und Land?

Balic: „Ich habe bislang tolle Eindrücke gesammelt. Hier in Deutschland wird auf einem anderen Level Handball gespielt, viel intensiver und körperbetonter als in anderen Ländern. Dafür leidet manchmal etwas die taktische Finesse. Es ist toll, dass man fast immer in vollen Hallen spielt. Die Menschen hierzulande lieben und unterstützen den Handball, allen voran durch ihren Besuch der Spiele. Das ist nicht überall so! Für uns Spieler ist die DKB Handball-Bundesliga eine echte Herausforderung, denn Du musst immer 60 Minuten konzentriert und engagiert spielen, ansonsten hast Du kaum eine Chance Spiele zu gewinnen – und das wollen wir doch alle.“ 

Vor Deinem Engagement in Wetzlar warst Du bei drei Vereinen in Deiner kroatischen Heimat und zwei Clubs in Spanien unter Vertrag? War der Schritt nach Deutschland für Dich ein großer und würdest Du ihn im Rückblick wieder gehen? Was hat Dich zum Wechsel nach Deutschland bewogen?

Balic: „Für mich war es kein großer, aber ein wichtiger Schritt! Ich wollte unbedingt noch einmal in der stärksten Liga der Welt spielen und diese Chance hat mir Wetzlar gegeben. Es ist toll dadurch auch Deutschland und eine andere Art des Handballs kennenlernen zu können. Zum Wechsel hat mich auch bewogen, dass mich die HSG-Verantwortlichen wirklich überzeugt haben. Sie wollten mich unbedingt haben, haben dafür aber keine Versprechungen abgegeben, die sie nicht einhalten konnten. Hier in Wetzlar habe ich ein sehr professionelles Umfeld, gute Trainer und Mitspieler - ich bin sehr froh hier zu sein.“

Nach 13 Monaten in Deutschland: Was hast Du in Deiner neuen Heimat besonders schätzen gelernt? 

Balic: „Ich glaube sagen zu können, dass ich hier vieles sehr schätze! Die Menschen in Wetzlar sind respektvoll, wirklich sehr nette Leute. Es ist ein schönes Umfeld, eine hohe Lebensqualität und der Club weiß mit seinen Spielern umzugehen. Ich vermisse einzig das Meer. Ich bin am Meer geboren und habe dort 20 Jahre gelebt. Zum Glück haben wir eine längere Sommerpause gehabt, in der ich nach Hause fahren und über einige Wochen Meer und Sonne genießen und Kraft tanken konnte.“ 

Wie zufrieden warst Du mit dem Abschneiden mit der HSG Wetzlar in der Vorsaison?

Balic: „Ich denke, dass wir letztlich eine gute Saison gespielt haben, mit der der Club und die Fans zufrieden waren. Wir sind mit einem komplett neuen Team gestartet, hatten dann noch große Verletzungsprobleme und es hat Zeit gebraucht, bis sich die Mannschaft gefunden hat. Wir hatten einen wenig erfolgreichen Start, dabei auch etwas Pech gehabt, haben dann aber nach und nach besser gespielt. Am Ende haben wir die Spiele gewonnen, die wir für den Klassenerhalt dringend gewinnen mussten und sogar noch für die ein oder andere Überraschung gesorgt, zum Beispiel in Magdeburg oder Melsungen. Alles in allen konnten wir zufrieden sein!“  

Im Frühjahr hast Du um ein weiteres Jahr in Wetzlar verlängert. Was waren die Beweggründe?

Balic: „Ich habe den Vertrag verlängert, weil ich mich sportlich und privat in Wetzlar sehr wohl fühle. Außerdem hat der Club mich weiterhin gewollt (lacht). Nachdem ich tief in meinen Körper reingehorcht habe, um zu wissen, ob ein weiteres Jahr auf diesem hohen Level für mich möglich ist, habe ich für ein weiteres Jahr zugesagt und ich kann schon heute sagen, dass es die richtige Entscheidung war.“

Du hast am 1. April Deinen 35. Geburtstag gefeiert. Welches Körperteil schmerzte nach der Vorbereitung am meisten? Welche Tricks helfen dabei, eine weitere lange Saison ohne große Beschwerden zu überstehen?

Balic: „Alles tut weh! Ich denke bei Spielern in meinem Alter ist das aber ganz normal, denn Handball ist ein kampfbetonter Sport, in dem man immer an seine körperlichen Grenzen gehen muss. Tricks habe ich keine, aber eine große Liebe zu unserem Sport. Ich liebe es in einem guten Team auf dem Spielfeld zu stehen und mit Spaß Handball zu spielen, dass pusht meinen Körper und Geist immer wieder.“

Am vergangenen Wochenende stand das Hessen-Derby gegen die MT Melsungen auf dem Programm, das 28:28-Unentschieden endete. Haben Sie den besonderen Stellenwert dieser Partie in der Region gemerkt? Und haben Sie eigentlich schon ein typisches hessisches Wort gelernt?

Balic: „Ich kann ein hessisches Wort: ‚Gude‘ (lacht). So begrüßt man sich hier! Ich glaube das muss man nicht übersetzen. Das versteht hoffentlich jeder. Ja, das Spiel am Wochenende: Es war das Hessenderby, auf das wir zusammen mit unseren Fans lange hin gefiebert haben. Melsungen ist finanzstärker als wir, hat in den vergangenen Jahren einige Spieler aus Wetzlar verpflichtet und wir wollten uns, wie im vergangenen Jahr, in Kassel beweisen. Ich denke, das ist uns gelungen!"

Welche Perspektive hast Du mit der HSG Wetzlar sportlich in dieser Saison? Und darüber hinaus: Bleist Du Handball-Deutschland auch nach Deinem Karriereende in einer anderen Funktion erhalten?

Balic: „Wir haben gerade einmal den Saisonbeginn absolviert und ich weiß heute noch nicht, was ich nach Saisonende machen werde. Darüber will ich auch noch gar nicht nachdenken, sondern mich voll auf unsere Leistung auf dem Spielfeld konzentrieren. Wir wollen dieses Jahr besser und erfolgreicher als in der vergangenen Saison spielen – das ist unser Ziel und das können wir schaffen. Wir sind als Team größtenteils zusammengeblieben, kennen uns auf und abseits des Spielfelds nun deutlich besser. Das hilft enorm! Wenn wir gesund bleiben und gewillt sind, uns stetig zu verbessern, dann werden wir unsere Ziele erreichen. Wir haben ein ehrgeiziges, gutes Team und sensationelle Fans, die es verdient haben, dass wir immer an unsere Grenzen gehen.“