„Jeder zieht vorbildlich mit“

DKB Handball-Bundesliga

Wetzlars neuer Trainer gibt Einblick in seine Eingewöhnungszeit bei der HSG und zeigt private Seiten

Die ersten Tage seit dem Amtsantritt von Trainer Kai Wandschneider beim Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar sind geschafft und auch der erste Auftritt mit der neuen Mannschaft in Mannheim bei den Rhein-Neckar Löwen ist trotz einer 25:28-Niederlage achtbar verlaufen. Vor seinem ersten, richtungsweisenden Heimauftritt gegen den Tabellennachbarn TSV Hannover-Burgdorf (am Dienstag um 20.15 Uhr in der Rittal-Arena) stellt sich der Nachfolger von Gennadij Chalepo zum Interview.

Kai Wandschneider war am 19. März von den Wetzlarer Verantwortlichen verpflichtet worden, nachdem er zum Ende der vergangenen Saison nach zehneinhalb Jahren beim DHC Rheinland (vormals Bayer Dormagen) eine schöpferische Pause genommen hatte.

Die ersten Tage sind vergangen, wie haben Sie sich in Ihrer neuen Heimat eingelebt?

Wandschneider: Das habe ich. Das fiel auch nicht so schwer, denn ich bin sehr herzlich und offen von allen, Mannschaft und Umfeld empfangen worden. Ich spüre eine gewisse Offenheit, das drückt sich für mich in einer guten Kommunikation und diversen Rückmeldungen aus und das macht es leicht. Auch sind die einzelnen Wege Halle, Unterkunft, Geschäftsstelle und Einkaufsmöglichkeiten mittlerweile gut drin. Wir arbeiten sehr gut und den Rest macht das immer besser werdende Wetter.

Wie gestaltet sich Ihr Tagesablauf in der neuen Umgebung?

Wandschneider: Das ist im Moment recht einfach und schnell beschrieben: Früh raus, Training, Videoanalyse vieler Wetzlarer Spiele sowie einige der kommenden Gegner. Mittagessen, wieder Training und wieder Video

Was für ein Mensch ist Kai Wandschneider, was für Leitsätze und Prinzipien hat er?

Wandschneider: Puh, das sollen und müssen, so denke ich, andere beurteilen. Was ich von mir sagen und behaupten kann, dass ich ein recht umgänglicher aber auch sehr konsequenter Mensch bin, besonders beim Bruch gemeinsam festgelegter Regeln. Ich setze sehr hohe Maßstäbe an mich, den Umgang mit anderen Menschen und gelte als akribischer Arbeiter. Ich prüfe und schaue lieber einmal mehr als zu wenig. Im Gegenzug erwarte ich Loyalität, Offenheit. Ein Leitsatz oder Prinzip könnte lauten „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ von Kästner. Für mich bedeutet das immer so viel wie, man kann viel reden, schlussendlich muss man anpacken und es tun.

Was macht Kai Wandschneider, wenn er nicht in der Halle steht oder Videos analysiert?

Wandschneider: Ich lese sehr gerne, besonders auch Sachliteratur, Sport, Philosophie, Wirtschaft. Dabei geht es mir hauptsächlich immer wieder um den Umgang mit Menschen, Führungsprozesse. Bei anderen Sportarten schaue ich gerne über den Tellerrand und versuche mir Anregungen zu holen, was sehr gut aus dem Basketball geht; und auch der Fußball hat mittlerweile sehr gute Sachen verschriftlicht.

Was denken Sie über die HSG Wetzlar, das Team, das Umfeld und die Fans?

Wandschneider: Ich denke, einen entscheidenden Schritt hat es hier mit dem Bau der Arena gegeben. Ich finde sie sehr schön und schon als Gegner kam ich sehr gerne hierher. Das bietet dieser handballbegeisterten Region, mit den tollen Fans, attraktiven Sport. Das Umfeld, so scheint es mir bisher, arbeitet sehr professionell, schafft sehr gute Rahmenbedingungen und bemüht sich täglich, den Status zu halten und zu verbessern. Allein daher wäre ein Klassenerhalt immens wichtig. Die Mannschaft jedenfalls signalisiert mir, dass sie sich richtig reinhängt und jeder zieht vorbildlich mit.

Was sind Ihre größten Wünsche, sportlich und privat?

Wandschneider: Das Wichtigste überhaupt ist Gesundheit. Egal ob privat oder im Beruf, im Sport, ich habe schon einige Dinge erlebt, da lernst du das zu schätzen. Alle Handballfans erinnern sich sicher noch an Sebastian Faist; wenn du so etwas miterlebst, dann hat Gesundheit einen ganz besonderen Stellenwert. Handballerisch halte ich mich ganz an einen alten Grundsatz, der besagt „wenn du Gott zum Lachen bringen willst, dann mache einen Plan“, mein Plan ist es, mit der HSG den Klassenerhalt zu schaffen.

Wie und wo entspannen Sie sich vom Alltags- und Handballstress?

Wandschneider: In den vergangenen zehn Jahren war diese Zeit immer recht rar gesät, aber wenn es sie gab und gibt, dann genieße ich gerne die Sonne in einem netten Café bei einem leckeren Latte und nem guten Buch. Spazierengehen oder Kanu fahren, ein wenig Gitarre spielen oder einfach stumpf DVD schauen, all das lässt mich entspannen, genauso wie Sport in verschiedenen Formen. Das habe ich im letzten Jahr gemerkt. Diese Pause hat mir richtig gut getan, sowohl vom Kopf aber auch körperlich, diese ganze Situation in Dormagen, so etwas geht eben nicht spurlos an dir vorüber. Jetzt aber bin ich wieder voller Energie und Kraft und freue mich auf die, wenn auch schwere Aufgabe mit der HSG. Ich kann nicht versprechen oder vorhersagen, wie es ausgeht, aber ich kann versprechen, dass jeder hier kämpfen wird und Vollgas gibt. Der Funke, der entfacht werden muss, der muss von uns, vom Team auf die Fans überspringen - und nicht umgekehrt. Mit gegenseitigem Vertrauen und Respekt werden wir das auch schaffen.