Jens Tiedtke im Gespräch: „Wetzlar ist eine runde Sache für mich!“

Ab nächster Saison regelmäßig in der RITTAL Arena: Neuzugang Jens Tiedtke.

DKB Handball-Bundesliga

Ex-Nationalspieler ist begeistert von der RITTAL Arena und freut sich auf die „grüne Wand“

Die Weltmeisterschaft 2007 im eigenen Land hatte Jens Tiedtke wegen einer schweren Operation noch verpasst, zwei Jahre später holte er mit der Nationalmannschaft einen fünften Platz bei den Titelkämpfen in Kroatien. Mit dem TV Großwallstadt stand der gebürtige Koblenzer 2011 im Finale des EHF-Pokals, welches gegen Frisch Auf! Göppingen verloren wurde. Erlebt hat Jens Tiedtke also schon einiges. Sein neuestes Kapitel in der sportlichen Laufbahn heißt ab 1.Juli 2012 „HSG Wetzlar“. Für zwei Jahre hat der sympathische Kreisläufer bei den Grün-Weißen unterschrieben und soll dort mit seiner Erfahrung von 64 Länderspielen und weiteren zahlreichen internationalen Auftritten der Truppe aus der Domstadt Sicherheit und Stabilität verleihen. Im Interview gibt der 32-Jährige einen Einblick in sein Privatleben, wagt einen Ausblick auf das Sportliche und verrät, was ihn an der HSG Wetzlar so sehr reizt.

Jens, auf Deiner persönlichen Internetseite ist zu lesen, dass Du jeden Tag Sushi essen könntest. Hast Du hier in Wetzlar schon ein gutes Sushi-Restaurant ausfindig machen können?
Jens Tiedtke: „Echt? Steht das da? Naja, ganz so ist es vielleicht doch nicht. (lacht) Ich esse Sushi auf jeden Fall sehr gerne, aber ich wohne hier auf dem Land und da ist es natürlich schwieriger sich gutes Sushi zu besorgen. Wir müssen dafür immer nach Aschaffenburg fahren. Wenn aber in Wetzlar ein guter Laden um die Ecke wäre, dann würde ich es wahrscheinlich auch wieder häufiger essen.“

Du wirst demnächst hier her ziehen. Verlief die Suche nach einer passenden Wohnung denn bisher besser als die nach einem guten Restaurant?

Jens Tiedtke: „Ich hatte schon ein paar Termine, an denen ich mir in Wetzlar und Umgebung einige Appartements und Wohnungen angeschaut habe. Ich denke, dass das alles reibungslos klappt und ich dann schon bald meine eigenen vier Wände habe. Dann bleibt nämlich auch noch genügend Zeit, um sich vor dem Trainingsstart am 11. Juli mal die schöne Wetzlarer Altstadt anzuschauen.“

Deine Familie zieht allerdings nicht mit um. Warum?
Jens Tiedtke: „Das stimmt. Meine Frau, meine kleine Tochter und meine beiden Hunde werden in Großwallstadt bleiben. Dort sind sie verwurzelt, dort sind auch meine Schwiegereltern, die immer eine helfende Hand parat haben. Von daher würde ein Umzug nach Wetzlar für sie zur Zeit wenig Sinn ergeben. Sie werden mich aber so oft wie möglich besuchen kommen. Und in meiner Freizeit werde ich nach Großwallstadt fahren, sofern das nicht zu viel Stress bedeutet. Schließlich kann ich nicht dauernd  auf der Autobahn sein und brauche nach den Trainingseinheiten auch meine Regenerationszeiten – außerdem kann ich in Wetzlar dann auch nachts durchschlafen und werde nicht von meiner kleinen Tochter geweckt.“ (lacht)

Neben Handball und Familie studierst Du an der Universität Mainz Sportmanagement. Wie passt das noch in Deinen Zeitplan?

Jens Tiedtke: „Ja, das stimmt. Ich studiere immer noch. (lacht) Gott sei Dank bin ich mittlerweile scheinfrei und muss keine Kurse mehr besuchen. Ich habe jetzt mit meiner Diplomarbeit angefangen und hoffe, dass ich bis zum kommenden Februar dann endlich fertig bin!“

Richten wir den Blick aufs Sportliche: Warum hast Du dich für einen Wechsel zur HSG Wetzlar entschieden? Was waren die Punkte, die für Dich den Ausschlag gegeben haben?
Jens Tiedtke: „Nachdem die HSG Wetzlar vor ungefähr zwei Jahren in der Krise war, habe ich die Entwicklung seitdem als sehr positiv wahrgenommen. Klar, die letzte Saison war sportlich ein kleiner Rückschritt, aber eigentlich hätte die HSG mit diesem Kader niemals in eine solche Situation geraten dürfen. Mich persönlich hat vor allem das Konzept für die nächsten Jahre überzeugt, dass man sich Stück für Stück vom unteren Tabellendrittel entfernen und in ruhigere Gefilde der Tabelle kommen will. Darüber hinaus stimmt in Wetzlar das Umfeld. Die Stadt und die Fans können sich zu 100 Prozent mit dem Verein identifizieren und sorgen immer wieder für positives Aufsehen. Sogar bis zu uns nach Aschaffenburg! Und dann ist da natürlich noch die RITTAL Arena. Für mich ist es eine der schönsten Hallen in der Bundesliga und ich freue mich riesig darauf, dort als Spieler der Heimmannschaft auflaufen zu können. Vor allem die Stehtribüne hinter dem Tor ist beeindruckend! Schön, dass es so etwas auch im Handball gibt! Natürlich freue ich mich auch darauf mit Spielern, die ich schon besser kenne, zusammenzuspielen, wie z.B. den Müller-Zwillingen. Wetzlar ist für mich einfach eine runde Sache!“

Du hast die letzte Saison schon kurz angerissen. Die Rückrunde ist für die HSG Wetzlar nicht gerade optimal verlaufen. Hast du trotz deines Vertrages in Großwallstadt auch für Grün-Weiß die Daumen gedrückt?
Jens Tiedtke: „Natürlich habe ich mitgefiebert. Ich muss sagen, dass ich zunächst ziemlich relaxed war. Auch als wir mit Großwallstadt in Wetzlar gewonnen hatten, habe ich mir noch keine größeren Sorgen gemacht, weil die Qualität im Kader der HSG einfach so hoch war. Aber dann kamen Spiele, die knapp verloren wurden und der Entscheid über die Punkte aus dem Göppingen-Spiel, was meiner Meinung nach innerhalb kürzester Zeit hätte geklärt werden müssen. Dieses wochenlange Hin und Her war so nicht in Ordnung. Wenn man sich anguckt, wie schnell im Fußball Entscheidungen vom Sportgericht gefällt werden, dann fragt man sich schon, wieso es im Handball so lange dauert. Gut für Wetzlar war es dann aber, dass der BHC auch geschwächelt und wichtige Punkte hat liegen lassen. Die meisten Spiele habe ich im Internet gesehen oder per Live-Ticker verfolgt. Und als am vorletzten Spieltag dann in Gummersbach gewonnen wurde, war natürlich auch bei mir die Erleichterung groß.“

Du kommst mit der Erfahrung von 64 Länder- und über 350 Bundesligaspielen nach Wetzlar. Man kann also ruhigen Gewissens behaupten, dass Du über sehr viel Erfahrung verfügst. Mit welchen Ambitionen beginnst du das Kapitel Mittelhessen?
Jens Tiedtke: „Zunächst einmal nur, dass ich am Kreis spielen will. (lacht) Nein, ich habe in meiner Karriere natürlich schon viel erlebt und verfüge sicherlich über große Erfahrung. Was allerdings von mir erwartet wird, das wird sich erst in der Vorbereitung zeigen, wenn viel mit dem Trainerteam gesprochen wird. In Wetzlar gibt es eine gesunde Hierarchie und man muss gucken, wie sich die neuen Strukturen entwickeln. Natürlich bin ich gerne bereit, auf und auch neben dem Feld den jungen Spielern zu helfen und meine Erfahrung weiterzugeben.“

„Erfahrung an junge Spieler weitergeben“. Das hört man im Sport sehr oft. Was kann man sich darunter genau vorstellen?
Jens Tiedtke: „Das kommt natürlich auch immer auf den Typ junger Spieler an. Auf der einen Seite gibt es viele Nachwuchsakteure, die auf dich zu kommen und dir Fragen zu bestimmten Situationen stellen, die du dann versuchst, möglichst hilfreich zu beantworten. Auf der anderen Seite gibt es leider auch Spieler, die leider schon in jungen Jahren denken, sie hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen. Da kann man dann in die andere Richtung arbeiten. Erfahrung weitergeben ist immer ein Wechselspiel zwischen jungen und älteren Spielern.“

Was glaubst Du ist für die HSG Wetzlar in der kommenden Saison drin?

Jens Tiedtke: „Ich denke, dass sich die Mannschaft sehr gut verstärkt und positiv entwickelt hat. Für mich persönlich ist es jetzt aber noch zu früh, um über Ziele zu sprechen. Dazu muss erst einmal eine Bindung zur Mannschaft und zum Trainer aufgebaut werden. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass natürlich viel davon abhängen kann, wie man durch die Vorbereitung kommt – verletzen sich Spieler oder bleiben alle gesund, was ich hoffe! Dann wird entscheidend sein, dass man von Saisonbeginn an in ruhiges Fahrwasser kommt.“

Abschließend interessiert uns noch, wie Du zu deinem Spitznamen „Tito“ gekommen bist?
Jens Tiedtke: „Ich glaube der Name stammt aus dem Jahr 2003, in dem ich nach Wallau gewechselt bin. Irgendwie hatten alle Spieler Spitznamen, nur ich nicht. (lacht) Da hat mir Martin Schwalb den Spitznamen Tito verpasst und seitdem werde ich auch so genannt. Ich denke, es hätte mich schlimmer treffen können.“ (lacht)