Joker heißt diesmal Timo Salzer

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HSG Wetzlar dreht erst in letzter Viertelstunde auf

Im dritten Heimspiel den dritten Aufsteiger zu Gast und den dritten Heimsieg eingefahren. Und zum dritten Mal erhebliche Anlaufprobleme - so lautet das Fazit nach dem 33:28 (14:13)-Erfolg des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar gegen den Bergischen HC. Während ein stotternder Motor die Grün-Weißen gegen Eintracht Hildesheim bis kurz vor Schluss begleitete und gegen den Lokalrivalen TV Hüttenberg eine Halbzeit lang hemmte, lief das HSG-Spiel auch diesmal erst ab der 45. Minute auf Touren.

 

Und wieder hatte Wetzlars Trainer Gennadij Chalepo einen Joker, den er nicht aus dem Hut zauberte, aber von der Bank brachte: Timo Salzer. Erst in der Abwehr, dann auch im Angriff setzte der 27-jährige Spielmacher die Akzente. Der ehemalige Nationalspieler traf nach einem 19:21-Rückstand (43.) zum 21:21-Ausgleich (47.), bediente gekonnt Kari Kristjan Kristjansson am Kreis zum 22:21, erzielte das 23:21 und hatte mit dem Tor zum 25:22 in der 51. Minute seinen Farben den Weg zum doppelten Punktgewinn gewiesen.

„Wir haben Timo Salzer nicht in den Griff gekriegt“, musste auch Gäste-Trainer „HaDe“ Schmitz eingestehen und zielte besonders auf die „schnellen Schlagwürfe“ des Mittelmanns ab. Und „Jimmy“ Chalepo freute sich, dass er seinen Joker „genau zum richtigen Zeitpunkt“ gebracht hatte, nachdem er zuletzt verletzungsbedingt (Haarriss im Zeh) pausieren musste.

Da auch der ebenfalls eingewechselte Wetzlarer Torhüter Niko Weber sich gut einfügte und einige bessere Wurfchancen der Bergischen Löwen vereitelte, war es nach Ansicht von HSG-Assistenztrainer Jochen Beppler eine „geile Nummer von der 45. bis zur 60. Minute“. Was die trotz des warmen Spätsommerwetters über 3500 Zuschauer in der Wetzlarer Arena erfreute und entzückte. Das hatten sie in der Anfangsphase schon für die restlichen 60 Spielminuten erwartet, denn Daniel Valo brachte seine Farben mit einem Doppelschlag bis zur dritten Minute mit 2:0 in Führung. Aber die Gäste hatten sich „akribisch auf den Gegner vorbereitet“, wie Trainer Schmitz anmerkte. Das war bald auf dem Spielfeld und auf der Anzeigetafel zu sehen. Beim 3:3 erzielte Richard Wöss in der siebten Minute erstmals den Ausgleich. Und beim 6:7 (17.) durch Hendrik Knudsen lag der Aufsteiger erstmals in Führung.

HSG Wetzlar - Bergischer HC 33:28

Dass Alois Mraz quasi mit dem Halbzeitpfiff seiner Mannschaft einen 14:13-Pausenvorsprung rettete, darf als glücklich bezeichnet werden. So blieb BHC-Manager Stefan Adam unwidersprochen, der sein Team beim Seitenwechsel „gefühlt in Führung“ liegen sah. Wetzlars Gennadij Chalepo wusste warum. „Wir spielen auswärts ein Stück freier als zu Hause“, blickte er zurück und bemängelte für diese Partie: „Vorne war kein Tordruck und die Abwehr war nicht stabil.“ Auch nach der Pause nicht.

Denn weiter hielt die Spielgemeinschaft aus Wuppertal und Solingen gut mit und sah sich beim 14:15 (34.) und 18:19 (40.) im Vorteil, beim erwähnten 19:21 gar mit zwei Treffern. Doch dann hatte die HSG Wetzlar noch einen Joker. Und Chalepos Erkenntnis: „Dass wir in den letzten 15 Minuten ein Spiel umzudrehen verstehen, spricht für unsere Moral.“ Wobei der Coach prompt die Mahnung folgen ließ: „Das klappt nicht gegen jede Mannschaft.“

Diesmal mag mitgespielt haben, dass der Neuling nicht „über die Erfahrung einer gestandenen Bundesligamannschaft verfügte“, wie Stefan Adam von den Gästen erklärte. Mit dieser Routine ausgestattet, gaben die HSG-Akteure noch einmal richtig Gas und setzten ab dem 19:21 einen 14:7-Tore-Endspurt zum etwas schmeichelhaften 33:28-Endstand an.

„Sie haben sich bemüht“

Auf die Journalistenfrage an die Trainer, ob sie angesichts des 48-stündigen Verbots einer Aussage bezüglich der Schiedsrichter per Nicken zustimmen würden, dass das Brüderpaar Pritschow/Pritschow erhebliche Probleme mit der Stürmerfoul-Auslegung gehabt habe, fand „HaDe“ Schmitz eine salomonische Lösung. Er wolle nicht den Stab über die beiden Unparteiischen brechen, sagte der mit 63 Jahren älteste Übungsleiter der Eliteliga, und es so formulieren: „Sie haben sich bemüht.“

Albert Mehl