Jonas Müller: „Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen!“

DKB Handball-Bundesliga

Jugendnationalspieler der HSG Wetzlar im Interview – 18-jähriger unterschreibt bei Grün-Weißen ersten Bundesligavertrag

Vor zweieinhalb Jahren spielte Jonas Müller noch in der Jugend eines unterklassigen Vereins in Mittelhessen, dann wechselte der sprung- und wurfstarke Rückraumspieler zur HSG Wetzlar und seine Handballkarriere nahm eine rasante Entwicklung. Der heute 18-jährige wurde mit der U17 der Grün-Weißen deutsche Vizemeister (B-Jugend), zählt Woche für Woche zu den Toptorschützen seines Clubs in der A-Jugend-Bundesliga und hat vor kurzem seinen ersten Bundesligavertrag unterschrieben. Im vergangenen Sommer nahm der Rechtshänder, der auch mit links werfen kann, mit der Jugend-Nationalmannschaft des DHB an der Europameisterschaft in Polen teil. Nachdem der Schüler zuletzt auch erstmals im Erstligakader der HSG Wetzlar stand, blickt Müller in diesem Interview auf die vergangenen Monate zurück und beschreibt seinen Alltag. 

Jonas, Du bist erst 18 Jahre alt und hast bereits Bundesliga-Luft geschnuppert und vor Kurzem Deinen ersten Bundesliga-Vertrag unterschrieben. Hast Du das vor einigen Monaten erwartet?

Müller: „Nein, auf keinen Fall. Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen, wie der jedes jungen Handballers einmal einen Profi-Vertrag zu unterschreiben und in der Bundesliga dabei zu sein. Dass es dann auch noch so zeitnah geschieht, habe ich nicht gedacht. Ich war total überrascht als ich den Anruf von unserem Jugendkoordinator Arno Jung erhielt, dass ich mit der ersten Mannschaft nach Magdeburg fahren soll und vor einer Kulisse von rund 6.000 Zuschauern mit dabei sein darf.“

Du gehst derzeit ja noch in die Schule. Hast Du dort irgendwie eine Sonderbehandlung? Freie Stunden zum Trainieren, weniger Hausaufgaben?

Müller: „Genau, ich gehe derzeit in die 13. Klasse der Herderschule in Gießen. Weniger Hausaufgaben gibt es aber trotzdem nicht. Jedoch muss man sagen, dass die Schule und die Lehrer sehr rücksichtsvoll sind und mir Vormittagstrainingszeiten unter der Woche geben, um mit Mitspielern und Vereinstrainern zusätzliche Einheiten absolvieren zu können.“

Apropos Sonderbehandlung, gibt es so etwas wie Welpen-Schutz z.B. weniger Körpereinsatz bei dem Training der Bundesligamannschaft?

Müller: (lacht) „Natürlich darf ich das Amt des Jüngsten ausführen. Das heißt, die Bänke unserer Physiotherapeutin tragen oder  für das Harz verantwortlich sein. Allerdings gilt das nur abseits des Spielfeldes. Während des Spiels erfahre ich keine Sonderbehandlung, dann bin ich ein Spieler wie jeder andere.“

Wie gehst Du damit um, mit einem Weltklasse und erfahrenen Spieler wie Ivano Balic zu spielen? Warst Du anfangs nervös oder aufgeregt?

Müller: „Es war eine Kombination aus Aufregung und Freude zugleich. Schließlich ist Ivano einer meiner größten Idole. Ich kann viel von den älteren Spielern lernen. Sie nehmen mich zur Seite, geben mir Tipps. Jedes Training ist also eine Bereicherung für mich und meine weitere Entwicklung, da bin ich sehr froh drüber!“

Wie haben deine Mitschüler darauf reagiert, einen „Nachwuchsstar“ in ihren Reihen zu haben?

Müller: „Die sind total euphorisch und freuen sich mit mir. Sie fragen oft nach, wie es mit den Profis ist und wie alles so abläuft.“

Musst Du gegenüber Deinen Freunden und/oder Mitschülern auf irgendwas verzichten?

Müller: „Bei mir wird derzeit alles dem Handball und der Schule untergeordnet. Da kommt es dann auch vor, dass meine Freunde feiern gehen und ich nicht mit kann. Das gehört aber auch dazu, meine Freunde akzeptieren das und ich finde es nicht schlimm.“ 

Was sind Deine nächsten sportlichen Ziele?

Müller: „Natürlich ist es mein Traum, irgendwann einmal zum festen Erstliga-Stamm der HSG Wetzlar zu gehören, aber ich weiß, dass ich dafür noch hart an mir arbeiten muss und Zeit brauche. Diese Saison möchte ich der U19 so gut ich kann helfen, dass wir weiter weit oben in der Tabelle der A-Jugend-Bundesliga stehen und die direkte Qualifikation schaffen. Danach weiß ich, dass die HSG Wetzlar mit mir an meiner weiteren Karriereplanung arbeiten wird. Schön wäre es, wenn ich nach meinem Schulabschluss den nächsten sportlichen Schritt in der 3. oder vielleicht sogar 2. Liga machen könnte – per Zweitspielrecht. So wie es unser Club auch mit anderen Talenten wie Moritz Zörb oder Fabian Kraft handhabt.“