Kai Wandschneider: „Duell mit den Löwen absolute Zusatzmotivation!“

Stefan Kneer (rechts) trifft heute auf die alten Kollegen aus Mannheim. (Bild: www.sportfoto-vogler.de)

DKB Handball-Bundesliga

HSG Wetzlar empfängt alten und neuen Deutschen Meister heute in ausverkaufter Rittal Arena – Grün-Weißen wollen mit einem Heimsieg Klassesaison mit Platz 6 krönen

Es ist alles angerichtet für einen ganz großen Handball-Abend in der restlos ausverkauften Rittal Arena. Der Tabellensechste HSG Wetzlar empfängt um 20.15 Uhr den alten und neuen Deutschen Meister, die Rhein-Neckar Löwen. Aber auch die HSG Wetzlar hat allen Grund zu feiern, denn die Grün-Weißen spielen die erfolgreichste Saison ihrer 19-jährigen Erstliga-Geschichte und wollen diese mit einem Sieg über das Star-Ensemble aus Mannheim krönen. „Da ist hohe Qualität vorhanden. Für meine Spieler und mich ist die Stärke der Löwen eine absolute Zusatzmotivation“, so Wetzlars Trainer Kai Wandschneider. „Wir machen noch keine Party, sondern sind im Tunnel“, weiß der 57-Jährige, dass am kommenden Samstag mit der Partie in Flensburg noch weitere 60 Bundesliga-Minuten für die Grün-Weißen anstehen. 

Für Wandschneider sind die Löwen „aufgrund ihrer Besetzung und Spielstärke ein würdiger Meister“. Beeindruckt haben Wandschneider beim entscheidenden Löwen-Sieg in Flensburg vor einer Woche die 5:1-Deckung sowie die Perfektion mit dem siebten Feldspieler. Beim Erfolg über Kiel die fließend wechselnde 6:0/3:3-Deckung. „Die Löwen haben ein großes taktisches Repertoire und von Mikael Appelgren im Tor über Spielmacher Andy Schmid bis Kim Ekdahl du Rietz im Rückraum eine herausragende Besetzung.“ Vor allem Mittelmann Andy Schmid macht für den HSG-Trainer den Unterschied zur Konkurrenz aus: „Er ist derzeit das Nonplusultra auf dieser Position im Welthandball.“

Vor zwei Wochen noch hatte für heute alles auf das Spiel der Spiele der Handball-Bundesliga hingedeutet. Nach dem vorzeitigen Gewinn der Meisterschaft können sie die Löwen nun aber befreit von allem Druck als beste deutsche Klubmannschaft präsentieren und zusammen mit der HSG Wetzlar das in den vergangenen zehn Monaten Geleistete noch einmal bestätigen.

„Es ist wirklich so, dass wir nicht mehr den Druck haben, diese Partie unbedingt gewinnen zu müssen“, sagt Oliver Roggisch, Sportlicher Leiter der Löwen. Doch Roggisch ergänzt direkt: „Wir wollen die Runde anständig beenden, das sind wir allen Beteiligten schuldig, denn wir wollen uns nichts nachsagen lassen, deshalb werden wir auch in Wetzlar Vollgas geben.“

Die Erleichterung bei den Löwen ist groß, in der seit Wochen ausverkauften Rittal-Arena nicht unbedingt punkten zu müssen. Vor zwei Jahren verspielten die Löwen mit einer Niederlage in Wetzlar die Meisterschaft – und auch im vergangenen Jahr sicherte erst eine Energieleistung von Andy Schmid in den Schlussminuten den Auswärtssieg. Die HSG Wetzlar möchte gegenüber dem Hessenrivalen Melsungen den sechsten Tabellenplatz verteidigen.

„Es ist mir völlig egal, ob die Rhein-Neckar Löwen bis zum Wochenende auf Mallorca waren, um die Meisterschaft zu feiern“, so Wetzlars Nationalspieler Jannik Kohlbacher. „Die werden gegen uns alles in die Waagschale werfen und vermeiden wollen, mehr Negativpunkte auf ihr Konto zu bekommen. Aber auch wir geben Vollgas, eben weil wir unsere Klasserunde mit Platz sechs krönen wollen.“

HSG-Trainer Kai Wandschneider kann personell aus dem Vollen schöpfen. Kohlbacher war zwar vier Tage krank, hat gestern aber wieder trainiert. Emil Berggren und Philipp Weber haben trotz leichter Blessuren grünes Licht gegeben. Für Weber bietet sich die große Chance, sich zum Saisonende die Torjäger-Krone der DKB Handball-Bundesliga aufzusetzen. Nach seinen 15 Treffern in Lemgo führt der Wetzlarer Halblinke das Ranking mit 202 Treffern vor Magdeburgs Robert Weber (200) an.

Die HSG Wetzlar hat für das letzte Saison-Heimspiel ein entsprechendes Rahmenprogramm vorgesehen. Bereits um 18 Uhr öffnet ein Biergarten vor der Rittal Arena. In der Pause wird noch einmal die A-Jugend als Deutscher Meister geehrt und nach Spielschluss werden Tobias Hahn, Philipp Weber und Emil Berggren verabschiedet. Ein Interview mit dem heimischen Profi-Boxer Emir Ahmatovic und Trainer Ulli Wegner zum Box-Kampf am 17. Juni in der Rittal Arena ist noch vor Spielbeginn vorgesehen.

Der TV-Sender Sport 1 hat seine seit langem feststehende Live-Übertragung nach dem Löwen-Titelgewinn kurzfristig gecancelt und sich für die heutige, abstiegsrelevante Partie TSV Hannover-Burgdorf gegen TBV Lemgo entschieden. Wetzlars Geschäftsführer Björn Seipp hat diese Maßnahme kritisiert: „Das ist für unsere Sponsoren enttäuschend und entspricht nicht den bisherigen Gepflogenheiten.“ Der Münchner Spartensender hatte in der Vergangenheit immer exakt gegenteilig argumentiert und auf seine Langfristplanung verwiesen, wenn es um kurzfristige Erfolge der HSG Wetzlar und deren spontane TV-Präsenz ging. Nun werden binnen drei Tagen zwei komplette Partien des TBV Lemgo übertragen. Ärgerlich für die HSG Wetzlar, die den Anpfiff für das Fernsehen von 19.00 Uhr auf 20:15 Uhr verlegt hatte. Ärgerlich auch für die Rhein-Neckar Löwen, die in Mannheim schon unzählige Public-Viewing-Tickets verkauft hatten.